Syrien: Sperrzone östlich von Aleppo verfügt
Aleppo. Das Verteidigungsministerium der syrischen Übergangsregierung hat am Dienstag das östliche Umland von Aleppo zur militärischen Sperrzone zerklärt. Die von der staatlichen Nachrichtenagentur SANA veröffentlichte Karte zeigte ein Gebiet, das etwa 50 Kilometer östlich der Millionstadt im Norden Syriens beginnt und sich weiter östlich bis zum Euphrat sowie in Richtung Süden erstreckt. Die Armee warf den kurdisch angeführten Syrischen Demokratischen Kräften (SDF) vor, sich unter anderem in den Städten Deir Hafir und Maskanah zusammen mit der Arbeiterpartei Kurdistans, PKK, und Überresten der früheren Regierung militärisch neu organisiert zu haben. Die SDF wiesen die Vorwürfe zurück. In den genannten Gebieten gebe es »keine militärischen Bewegungen oder Truppenaufstockungen«, hieß es in einer Presseerklärung. Alle kursierenden Behauptungen seien unbegründet. Die aktuellen Bewegungen vor Ort würden in erster Linie von Fraktionen durchgeführt, die der Regierung in Damaskus selbst angehören.
Zuvor hatten sich die SDF am Sonntag nach tagelangen schweren Gefechten aus den vor allem von Kurden und Christen bewohnten Stadtvierteln der Millionenstadt Aleppo, Aschrafija und Scheich Maksud, zurückgezogen. Auch die nun erklärte Sperrzone steht unter Kontrolle der SDF. Bewohner sollten sich von deren Stellungen fernhalten, hieß es von den dschihadistischen Machthabern in Damaskus. Ein AFP-Korrespondent beobachtete am Dienstag, wie Regierungstruppen militärische Verstärkung, darunter Artillerie, in das Gebiet um Deir Hafir brachten.
Bei den Kämpfen in Aleppo, die vergangene Woche Dienstag begonnen hatten, sind nach Angaben der in Großbritannien ansässigen »Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte« (SOHR) 45 Zivilisten sowie 60 Soldaten und Kämpfer beider Seiten getötet worden. Das ebenfalls im Vereinigten Königreich sitzende »Syrische Netzwerk für Menschenrechte« forderte unterdessen am Montag die Untersuchung eines Vorfalls, bei dem der leblose Körper einer kurdischen Kämpferin von Soldaten aus dem 2. Stock eines zerstörten Gebäudes geworfen worden war. In einem Video, das am Wochenende zirkulierte und den Vorgang zeigt, ist auch zu hören, wie einige der Soldaten die Kämpferin beleidigen. Sie wurde von den SDF als Mitglied ihrer internen Sicherheitskräfte identifiziert, der Vorfall soll sich in Scheich Maksud ereignet haben. Ein weiteres Video scheint ebenfalls zu zeigen, wie ein Soldat die Leiche eines Kämpfers schändet, indem er sie an einem Seil um ihre Beine eine Treppe hinunterzieht, während andere Beleidigungen ausstoßen. Die SOHR fordert angesichts der »schockierenden Verstöße und Verbrechen wie summarische Hinrichtungen und der Verstümmelung von Leichen« durch Regierungstruppen »eine unabhängige Untersuchungskommission der Vereinten Nationen«. (AFP/jW)
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