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Aus: Ausgabe vom 13.01.2026, Seite 6 / Ausland
Jemen

Am Ende alles verloren

Jemen: Von Emiraten unterstützte Separatisten werfen Handtuch. Erneute Konfrontation mit Ansarollah wahrscheinlich
Von Salim Nasereddeen
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Wurden von den Emiraten fallengelassen: Milizionäre des »Südlichen Übergangsrats« in Aden (31.12.2025)

Als Truppen des »Südlichen Übergangsrates« (STC) im Jemen Anfang Dezember eine große Offensive starteten, schien diese zunächst von Erfolg gekrönt. Es gelang den Separatisten, die Oberhand über weite Teile des Landes zu gewinnen. Doch etwa einen Monat später hat der STC alle seine Territorien verloren, am Freitag verkündeten Teile der Führung seine Auflösung. Innerhalb des Jemen, aber auch der weiteren Region treten nun neue Widersprüche und Konflikte in den Vordergrund. Wie kam es dazu?

Nachdem die Aufstandswelle des »arabischen Frühlings« 2011 den Jemen erreicht hatte, riss dort ein verheerender Bürger- und Stellvertreterkrieg das Land auseinander. Nach Absetzung des langjährigen Machthabers Ali Abdullah Saleh konnte die Bewegung der Ansarollah (meist »Huthi« genannt) 2014 die Hauptstadt Sanaa und den gesamten Nordwesten des Jemen einnehmen. Die Ansarollah gründeten eine Regierung mit Sitz in Sanaa und werden hauptsächlich aus dem Iran unterstützt. Im restlichen Jemen hielt sich die von der UNO anerkannte jemenitische Regierung, die ihren Sitz in der südlichen Hafenstadt Aden unter Leitung des »Präsidialen Führungsrates« (PLC) hat. Mit politischer und militärischer Unterstützung aus Saudi-Arabien, den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) und anderen Staaten versuchten der PLC und verbündete Milizen, die Ansarollah zurückzudrängen – ein Vorhaben, bei dem es seit 2022 keine wirklichen Fortschritte mehr gab. Der Krieg schien eingefroren und der Jemen geteilt.

Formeller Teil des PLC war bis Anfang Januar auch der STC. Durch die Dezemberoffensive machte dessen Führung jedoch deutlich, dass sie eine eigenständige Agenda verfolgt: eine Abspaltung des Südens als »Republik Südarabien«. Seine Angriffe richteten sich nicht etwa gegen die Ansarollah, sondern gegen die offiziellen Regierungstruppen, die aus der strategischen Region Hadramaut und dem gesamten Osten vertrieben wurden.

Die Offensive des STC sorgte dafür, dass Widersprüche zwischen den ausländischen Förderern des Anti-Ansarollah-Bündnisses hervortraten, die es dann auseinanderbrechen ließen. Saudi-Arabien verurteilte die Angriffe und rief die STC-Truppen zum Rückzug auf. Die VAE unterstützten hingegen die Separatisten und stehen im Verdacht, die Dezemberoffensive angeordnet zu haben. Nach saudischen Luftangriffen in der Hafenstadt Mukalla auf mutmaßliche emiratische Waffenlieferungen überschlugen sich die Ereignisse: Es folgten der Abzug aller emiratischen Truppen aus dem Jemen sowie eine Gegenoffensive des PLC, der inzwischen den STC ausgeschlossen hatte.

Während die Führung des STC noch Tage zuvor angedeutet hatte, sich tatsächlich als eigener Staat ausrufen zu wollen, haben die Separatisten nun die meisten Gebiete wieder verloren und sahen sich gedrängt, an Verhandlungen in Riad teilzunehmen. Dort haben Delegierte überraschend die Auflösung des STC verkündet. Eine Meldung, der offizielle Sprecher der Gruppe nach wie vor widersprechen. Auch soll es Demonstrationen in Aden – ein wichtiges Zentrum des südlichen Jemen – gegen die Auflösung gegeben haben. Ein in den VAE ansässiges Führungsmitglied sprach davon, dass sich die Truppen im Süden dem PLC und der saudisch geführten Koalition nicht unterordnen werden. Über den STC-Präsidenten, Aidarus Al-Subaidi, hieß es, dass er das Land verlassen und sich in die VAE abgesetzt habe.

Die Offensive des STC im vergangenen Monat hat sich also als grobe Fehlkalkulation erwiesen. Ob der Machtkampf zwischen Riad und Abu Dhabi aktuell noch Eskalationspotential birgt, bleibt abzuwarten. Gleichzeitig wird angesichts der aktuellen Lage eine erneute Konfrontation zwischen Ansarollah und dem PLC wahrscheinlicher. Der Präsident des PLC, Raschad Al-Alimi, hat bereits militärische Optionen gegen die Ansarollah in Sanaa ins Spiel gebracht. Beide Gruppen stellen unvereinbare Ansprüche darauf, den gesamten Jemen zu regieren. Letztlich hat die Verschiebung der Fronten im Jemen die Stellung des PLC und Saudi-Arabiens gestärkt.

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