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Aus: Ausgabe vom 12.01.2026, Seite 1 / Titel
Luxemburg-Liebknecht-Demonstration

»Nie wieder kriegstüchtig!«

Mehr als zehntausend Teilnehmer auf der Luxemburg-Liebknecht-Demonstration. Besonders die Jugend ist stark vertreten
Von Max Grigutsch
Will der Staat die Jugend an die Waffe holen, geht die auf die Straße (Berlin, 11.1.2026)
Voriges Jahr wurde er von der Staatsgewalt angegriffen: Der Palästina-Block (Berlin, 11.1.2026)
An der Gedenkstätte der Sozialisten werden rote Nelken niedergelegt (Berlin, 11.1.2026)
Gedenken an Rosa Luxemburg, Wladimir Iljitsch Lenin und Karl Liebknecht (Berlin, 11.1.2026)
Die Jugend sieht sich in der Tradition der kämpfenden Arbeiterbewegung (Berlin, 11.1.2026)
Mit Pfefferspray und stumpfer Gewalt gingen Beamte gegen Abreisende am U-Bahnhof Lichtenberg vor (Berlin, 11.1.2026)
So flieg, du flammende, du rote Fahne (Berlin, 11.1.2026)
Rote Nelken in der Gedenkstätte der Sozialisten (Berlin, 11.1.2026)

Kein Kommunist wird je vergessen, wofür Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht standen. Tausende Demonstranten ließen sich deshalb am Sonntag in Berlin auch von Eis und Kälte nicht davon abbringen, der beiden Revolutionäre zu gedenken. Der in diesem Jahr vor allem in Opposition zur deutschen Hochrüstung und zur internationalen Kriegstreiberei begangene Protestmarsch erreichte trotz kleiner Nervereien der Polizei die Gedenkstätte der Sozialisten auf dem Zentralfriedhof Friedrichsfelde, um dort rote Nelken niederzulegen.

Laut Demoleitung nahmen weit über zehntausend Protestierende am Gedenken teil, im Laufe des Tages dürften es am Friedhof noch deutlich mehr gewesen sein. Die Polizei will zu Anfang nur rund 5.000 Personen gezählt haben. Unter die wie in den vergangenen Jahren stark präsenten Nationalfarben Palästinas mischten sich dieses Mal einige venezolanische Fahnen. Augenscheinlich noch stärker als in den Vorjahren vertreten waren die Blocks der verschiedenen, vorwiegend aus jungen Kommunisten bestehenden roten Gruppen, die allein wohl rund ein Drittel des Demonstrationszuges stellten.

Symbole von Die Linke und dem BSW waren indes nur vereinzelt zu sehen. Die Linkspartei organisiert traditionell das stille Gedenken auf dem Friedhof selbst. In einem gemeinsamen Block liefen allerdings die Linksjugend Solid und der Linke-Hochschulverband SDS mit der Sozialistischen Deutschen Arbeiterjugend. »Wir kämpfen gemeinsam gegen die Wehrpflicht und gegen die Imperialisten dieses Landes«, sagte Asya Şenyüz, Solid-Jugendkandidatin für die Berliner Abgeordnetenhauswahl im September, gegenüber jW. Viele Gründe dafür, warum »der Kampf von Luxemburg und Liebknecht heutzutage noch hochaktuell ist«, sah Lena vom Vorstand des Internationalen Jugendverbands. »Die Aufrüstung in Deutschland wird von einem Sozialabbau begleitet, der uns als Jugend besonders betrifft, auch in Form von Angriffen auf die Arbeiterklasse«, führte sie gegenüber jW aus.

Eine Vorankündigung entsprechender Angriffe lieferte Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) laut Bild am Sonntag. »Zurückschlagen« will er gegen jene »Linksextremisten«, die laut seiner eigenen Propaganda für den Stromausfall in Berlin verantwortlich sind. »Wir glauben eure Geschichten nicht mehr«, entgegnete ein Redner am Lautsprecherwagen der Deutschen Kommunistischen Partei. »Jeder, der Marx verstanden hat, weiß, dass die Idee erst dann zur materiellen Gewalt wird, wenn sie die Massen ergreift«, sagte er. Der Anschlag auf das Stromnetz erreichte das Gegenteil.

Ungeachtet dessen machten sich einige Beamte am U-Bahnhof Lichtenberg in Eigenregie an die Umsetzung der von Dobrindt verbreiteten Devise. Ein Teil der Demo wollte abreisen, aber Polizisten hätten »sofort überreagiert und im Bahnhof Pfefferspray eingesetzt und die Leute zurückgedrängt«, sagte ein Teilnehmer gegenüber jW. Es habe einzelne Verletzte gegeben. Offenbar mussten Kollegen zur Ordnung gerufen werden. jW wurde Zeuge, wie ein Polizist einen anderen daran erinnerte, dass es keine Order gegeben habe, die Protestierenden aufzuhalten.

Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht wurden am 15. Januar 1919 von präfaschistischen Freikorps ermordet. Führende Sozialdemokraten wie Gustav Noske und Friedrich Ebert deckten die Täter. Die damalige SPD war Teil der Konterrevolution. Dagegen im letzten Block der Demo eine Warnung: »Kriege werden gemacht, Revolutionen auch.«

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