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Aus: Ausgabe vom 08.01.2026, Seite 2 / Inland
Luxemburg-Liebknecht-Gedenken

Warum nehmen Sie an der LL-Demo teil?

Das Berliner Jugendbündnis im BSW sieht sich in der Tradition von Luxemburg und Liebknecht, sagt Johann Friedemann Geißler
Interview: Max Grigutsch
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Luxemburg-Liebknecht-Demonstration am 12. Januar 2025 in Berlin

Als JSW Berlin möchten Sie das Gedenken an Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht hochhalten. Warum dieser Schulterschluss?

Wir verstehen uns als antimilitaristisch und friedenspolitisch orientiert und sehen uns in der Tradition von Luxemburg und Liebknecht. Als der alte Bundestag im März noch mal zusammengetreten war, um über die Aufrüstung abzustimmen, hat unsere Bundestagsgruppe Banner mit der Aufschrift »1914 wie 2025: Nein zu Kriegskrediten!« hochgehalten (damals stimmte die SPD-Fraktion im Reichstag für die Kriegskredite unter Kaiser Wilhelm II., nur Liebknecht stimmte in zweiter Sitzung dagegen, jW). Auch als Jugendorganisation möchten wir daran erinnern.

Luxemburg und Liebknecht wurden nicht nur als Antimilitaristen, sondern vor allem als Arbeiterführer und Sozialisten ermordet. Das BSW ist nicht gerade wegen seines Einsatzes für den Sozialismus aufgefallen. Sind Sie da nicht fehl am Platz?

Wir verzichten auf die Einordnung in politische Kategorien, möchten uns nicht als links oder rechts wählen lassen. Vieles aus dem sozialistischen Denkmuster ist wichtig für uns, ohne dass wir uns als sozialistisch bezeichnen. Der Arbeiterkampf, die soziale Gerechtigkeit. Dazu gehört auch, mal zu so einer Demo aufzurufen. Und die neue Wehrpflicht, die Zwangsmusterung, die betrifft uns als Jugend direkt. Deshalb ist Friedenspolitik ein so zentrales Thema bei uns.

Werden Sie auch an der dazugehörigen Luxemburg-Liebknecht-Demonstration am 11. Januar teilnehmen?

Ja, das JSW Berlin hat mit aufgerufen. Aus unserem Landesverband werden 50 bis 70 Leute kommen, aus anderen Bundesländern kommen auch Leute.

Wie steht denn die Gesamtpartei zu Ihrer Teilnahme?

Der Berliner Landesverband steht dahinter. Bundesweit kann ich das nicht sagen. Ich schätze aber, die Einstellung dazu ist ähnlich. Viele in der Partei, die in den letzten Jahren bei dem Gedenken dabei waren, sind jetzt an der Parteispitze: Christian Leye, Sevim Dagdelen; Sahra Wagenknecht war selbst auch immer mal wieder dabei.

Mit welchem Ziel gehen Sie auf die Demo?

Jetzt heißt es: Venezuela, Ukraine und Gaza. Wir fordern Friedensverhandlungen und keine Waffenlieferungen in Kriegs- und Krisengebiete. Für uns ist wichtig, dass nicht nur Die Linke aufruft, sondern auch wir. Die Linke hat im Bundesrat für die Kriegskredite gestimmt. Wir sehen uns daher mehr in der Tradition von Liebknecht, weil wir dagegen waren. Das möchten wir auch so präsentieren.

Manche halten das BSW für eine konsequentere Friedenspartei als Die Linke.

Wir sind die konsequentere Friedenskraft. Es gab nicht nur die Abstimmung über die Aufrüstung, sondern auch Abstimmungen über Waffenlieferungen und alles. Die Linke hat da immer mitgestimmt. Bei der Abstimmung über die Wehrpflicht hat Die Linke es zwar gut gemacht (die Abgeordneten der Linksfraktion im Bundestag stimmten gegen das Wehrdienstmodernisierungsgesetz, jW). Aber man muss mitbedenken, dass sie die Finanzierung der Wehrpflicht erst ermöglicht haben.

Einen BSW-Jugendverband gibt es erst seit Juli 2025. Was soll mit der Struktur erreicht werden?

Zum einen wollen wir den Auftritt der Partei verbessern, zum Beispiel auf Social Media. Zum anderen wollen wir die Stimme der Jugend in der Partei sein und von der Partei in die Jugend wirken. Uns geht es um politische Forderungen, die vor allem die Jugend betreffen, so die Wehrpflicht, aber etwa auch den Kulturpass, der in Berlin abgeschafft wurde.

Oft fungieren die Jugendverbände der Parteien als ein radikaleres Korrektiv. Auch so im BSW?

Wir suchen den Konflikt nicht. Wir entwickeln die Konzepte der Partei weiter. Ich kann mir aber durchaus vorstellen, dass die Jugendorganisation in manchen Fragen etwas oppositioneller ist als die Bundespartei.

Aus aktuellem Anlass: Wie stehen Sie zum Ende der SPD-BSW-Koalition in Brandenburg?

Es ist schade, dass wir aus Brandenburg keine Stimme mehr haben, die im Bundesrat gegen Aufrüstungspläne, Waffenlieferungen oder unsoziale Politik stimmen kann. Aber es wäre wahrscheinlich nicht mehr zu verhindern gewesen. Das war ein abgekartetes Spiel zwischen Crumbach (stellvertretender Ministerpräsident, zuvor BSW, jW) und der SPD. Sie haben die Wähler schon ein bisschen dadurch verarscht, dass er jetzt zur SPD wechselt, wenn er vorher gesagt hat, er macht gegen die SPD Politik.

Johann Friedemann Geißler ist Vorsitzender des Jugendbündnisses im BSW (JSW) Berlin

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  • Leserbrief von Onlineabonnent/in Stephan Jegielka (8. Januar 2026 um 11:39 Uhr)
    Johann Friedemann Geissler behauptet in dem Interview, die Linke habe in »Abstimmungen über Waffenlieferungen und alles« immer mitgestimmt. Das entspricht nicht den Tatsachen. Die Linke hat im Bundestag gegen das »Sondervermögen« gestimmt. Sie hat auch nie für Waffenlieferungen und nie für Auslandseinsätze der Bundeswehr gestimmt. Stephan Jegielka
  • Leserbrief von Ronald Prang aus Berlin (7. Januar 2026 um 23:11 Uhr)
    Und für mich bleibt, wie schon oft, die Frage: Wofür steht denn nun dieses Bündnis ? Für Sahra Wagenknecht, wie der Name schon sagt, aber wo steht Sahra Wagenknecht? Mal nationalistisch, mal sozialistisch, das hatten wir doch schon mal, schon damals waren es nur Nebelkerzen, die nur eine faschistische Ideologie verschleiern sollten. Frau Wagenknecht stand eigentlich selten, meist saß sie in bequemen Talkshow-Sesseln und brillierte mit provokanter Rhetorik und akzeptierte nur ihre eigene Meinung. Nicht einmal im »realexistierenden Sozialismus« hätte sie damit bestehen können, die von ihr präsentierte Selbstverliebtheit, gepaart mit diktatorischem Unterton hätte sich nicht einmal in der SED durchsetzen lassen. Was wird von Sahra Wagenknecht bleiben, nicht viel, außer vielleicht der Versuch, eine gemeinsame linke Kraft in Deutschland weiter zu zersplittern. Was hat sie für die Entwicklung eines Demokratischen Sozialismus getan? Nichts, weder theoretisch noch praktisch. Wir sollten keine Zeit mehr verschwenden mit diesem populistischen Bündnis, das sich z.Z. selbst zerlegt und bald von der Bildfläche verschwinden wird.

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