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Aus: Ausgabe vom 10.01.2026, Seite 1 / Titel
Krieg in Osteuropa

Ukraine ohne Gas

Moskau trifft mit »Oreschnik«-Rakete riesigen unterirdischen Gasspeicher. Halb Kiew ohne Strom und Wasser. Schwere Schäden auch im russischen Gebiet Belgorod
Von Reinhard Lauterbach
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Drohnenangriffe und Stromausfall: Kiews Einwohner sind hart getroffen (9.1.2026)

Russland hat in der Nacht zu Freitag den größten Gasspeicher Europas nahe der westukrainischen Stadt Strij südlich von Lwiw zumindest schwer beschädigt. Amateurvideos aus der Region zeigen eine Serie von Explosionen gegen 23.45 Uhr. Für den Angriff wurde eine der neuartigen Mittelstreckenraketen des Typs »Oreschnik« verwendet, die im Ukraine-Krieg erstmals eingesetzt worden war – im November 2024 gegen eine Industrieanlage in Dnipro. Russland bestätigte die Verwendung der Rakete und bezeichnete die Attacke als Vergeltung für den – von der Ukraine bestrittenen – Angriffsversuch auf eine Residenz von Präsident Wladimir Putin kurz vor dem Jahreswechsel.

Der Gasspeicher bei Strij war noch zu sowjetischen Zeiten angelegt worden, vor allem für Bedürfnisse des Exports. Nach Angaben des Nachrichtenportals der Branche Upstream online hat er eine Kapazität von etwa 17 Millionen Kubikmetern; das entspricht gut der Hälfte der gesamten Gasspeicherkapazität der Ukraine und 60 Prozent ihres Jahresverbrauchs an Gas. Seine Bedeutung wächst, weil Russland die wesentlichen Gasförderanlagen in der Ukraine im Sommer und Herbst zerstört hat. Damit ist das Land mehr denn je auf Gasimporte aus der EU angewiesen. Die Anlage war offenbar nicht mit Abwehrraketen geschützt; schon 2024 hatte der ukrainische Staatspräsident Wolodimir Selenskij um die Lieferung von »mindestens zwei« »Patriot«-Batterien gebeten, um den Speicher bei Strij verteidigen zu können.

Die USA sollen von Russland einige Stunden vor dem Abschuss der »Oreschnik« gewarnt worden sein, um nicht den Anschein eines möglichen Atomschlags zu erwecken. Diese gaben die Information offenbar an die ukrainische Seite weiter, weil Präsident Wolodimir Selenskij in seiner täglichen abendlichen Videoansprache vor bevorstehenden Angriffen gewarnt hatte. Die Mittelstreckenrakete startete gegen 23.30 Uhr Kiewer Zeit; eine Viertelstunde später schlug sie bei Strij ein. Wegen dieser kurzen Flugzeit hatte die Ukraine aber keine Chance, ihren Kurs zu berechnen oder sie abzufangen. Die Fluggeschwindigkeit der »Oreschnik« wird mit bis zu 13.000 Kilometern pro Stunde angegeben.

Der Schwerpunkt der russischen Angriffe auf Infrastrukturziele in der Ukraine lag aber in der Nacht zu Freitag auf der Hauptstadt Kiew. Hier schlugen mehrere Dutzend ballistische Raketen und Marschflugkörper sowie etwa 240 Drohnen ein. Nach Treffern in drei Kraftwerken war nach Angaben von Bürgermeister Witali Klitschko am Morgen mehr als die Hälfte der Wohnhochhäuser in Kiew ohne Strom und deshalb auch ohne Wasserversorgung. Betroffen seien etwa eine halbe Million Haushalte, teilte die ukrainische Regierung mit. Weiterhin ohne Strom und Wasser sind offenbar nach russischen Angriffen auch die wichtigen Industrieregionen Dnipro, Saporischschja und Kriwoi Rog. Präsident Selenskij sprach von einem »Schlag gegen das Leben normaler Leute« just zu einem Zeitpunkt, an dem in der Ukraine größere Fröste einsetzten. Er verlangte eine »starke Reaktion der internationalen Gemeinschaft«, besonders von seiten der USA.

Parallel zu dem russischen Angriff auf Energieinfrastruktur in Kiew und anderen ukrainischen Städten startete die Ukraine einen Angriff auf ein Kraftwerk in der russischen Grenzregion Belgorod. Dort waren am Freitag ebenfalls etwa 500.000 Menschen ohne Strom- und Wasserversorgung. Der regionale Gouverneur räumte ein, dass die Situation »sehr schwierig« sei.

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