Patienten versorgen ohne Profitinteresse
Von Gudrun Giese
Für viel Unmut sorgt das geplante »Apothekenversorgung-Weiterentwicklungsgesetz« (ApoVWG), weil mancher Arzt einen Teil seiner Einnahmen Richtung Apotheken abfließen sieht, aber auf die angeblich fehlende Kompetenz der Pharmazeuten verweist. Patientennahe Organisationen plädieren dafür, die Konfrontation zu überwinden und eine nicht profitorientierte Gesundheitsversorgung zu entwickeln.
In einer gemeinsamen Erklärung wandten sich der Verein demokratischer Ärzt*innen (VDÄÄ) und der Verein demokratischer Pharmazeutinnen und Pharmazeuten (VdPP) gegen die von der Bundesregierung geplanten Änderungen im Apothekenwesen, die nicht allein eine »wohnortnahe Arzneimittelversorgung der Bevölkerung« vorsehen, sondern Apotheker auch mit zusätzlichen Aufgaben ausstatten. Der seit dem 17. Dezember vorliegende Gesetzentwurf enthält den Passus, dass Patienten in Apotheken unter bestimmten Voraussetzungen verschreibungspflichtige Medikamente ohne neues ärztliches Rezept, weitere Impfungen sowie bestimmte Laborleistungen erhalten können. So sollen »verbesserte wirtschaftliche Rahmenbedingungen für inhabergeführte Apotheken« geschaffen werden, um »ein flächendeckendes Apothekennetz« zu erhalten. Die Eigenverantwortung freiberuflicher Apothekeninhaber werde gestärkt. Seit der Entwurf bekannt ist, dauert der Streit zwischen Teilen der Ärzteschaft und Pharmazeuten an.
In ihrer Stellungnahme führen VDÄÄ und VdPP aus, wie eine vor allem auch patientenorientierte Lösung der Versorgungsengpässe aussehen könnte, denn »eine dringend notwendige und von fast allen Gesundheitssachverständigen seit vielen Jahren geforderte Verbesserung der interprofessionellen Zusammenarbeit bei der Arzneimittelversorgung der Bevölkerung im Sinne verbesserter Arzneimitteltherapiesicherheit« sei überfällig. Der derzeitige Streit zwischen Ärzte- und Apothekenvertretern zeige dagegen, dass vor allem Interesse am Erhalt langjähriger Hierarchien und wirtschaftlicher Pfründe bestehe. Die Bundesregierung löse den Konflikt nicht, da sie mit dem Wunsch nach Stärkung des bestehenden Apothekenwesens zugleich die unternehmerische Ausrichtung der ambulanten Versorgung zementiere und sogar neue finanzielle Anreize für Apotheker schaffe, was zwingend »bei freiberuflich und unternehmerisch tätigen Ärzt*innen zu massiven Widerständen führen muss«.
Demgegenüber wären Lösungen zur Verbesserung der Arzneimittelversorgung erforderlich, weil nur so Todesfälle und Krankenhauseinweisungen als Folge unzureichender Arzneimitteltherapiesicherheit, unzureichender interprofessioneller Zusammenarbeit und wegen des grassierenden Personalmangels vermieden werden könnten. Bereits im Sommer 2024 forderten VDÄÄ und VdPP gemeinsam mit dem Deutschen Berufsverband der Pflegeberufe (DBfK) die Einrichtung interprofessioneller Teams, »die in der regionalen Gesundheitsversorgung zusammenarbeiten«. Nötig seien eine bessere lokale Arzneimittelversorgung sowie die gesundheitliche Betreuung in sozialen Brennpunkten. Apotheken sollten in umfassende Gesundheitsnetzwerke einbezogen werden, um die Versorgung insgesamt zu verbessern.
Die aktuelle Stellungnahme knüpft daran an: Nicht ein von der Bundesregierung empfohlenes Primärarztsystem helfe weiter, sondern der Aufbau von Primärversorgungszentren, »in denen keine vorwiegend am Profit orientierten Entscheidungen die Versorgung beeinflussen«. Hier könnten gemeinnützige Strukturen entstehen, bei denen es vor allem um das Wohl der Patienten gehe. In solchen Zentren könnten »die jeweiligen heilberuflichen Kompetenzen zur Geltung kommen und Interprofessionalität störungsfreier ausgebaut werden«. Entsprechend sollten das Apothekenwesen und die medizinische Versorgung weiterentwickelt werden, um die bestehenden und sich künftig weiter verschärfenden Versorgungsprobleme besser auf viele Schultern zu verteilen. Das »sture Festhalten an überkommenen, vorrangig profitorientierten Versorgungsstrukturen« wäre dagegen kontraproduktiv.
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