Nachschlag: Exzess
Frank Miller ist bekannt als Autor von Comicserien wie »Daredevil« und »Elektra«, als Neuerfinder von Batman, als Retter des »Pulp«. Die Comicserie »Sin City« ist seine Hommage an die »hard-boiled« Krimis, den Film noir und nicht zuletzt an Comiczeichner wie Will Eisner oder Jordi Bernet. Diesen Stil versucht die Verfilmung in purer Form zu übernehmen. Keine Einstellung, keine Dialogzeile, die nicht genau so bereits im Comic zu finden ist. »Sin City« ist dabei so ernsthaft wie die Behauptung, dass Robert Aldrichs Mickey-Spillane-Verfilmung »Kiss Me Deadly« (1955) der einflussreichste amerikanische Film aller Zeiten ist. Mit seinen paranoiden Übertreibungen – das »Vrroum« des Sportwagens, der Todeskuss und der Atomkrieg – war jener Film auch schon eine Karikaturenansammlung. Das Wissen um die Implikationen des Genres, ohnehin eine retrospektive Konstruktion der Kritik, ist in der konzentrierten Neuauflage wie selbstverständlich entscheidend enthalten. Das Hantieren mit diesem Wissen führt zum Exzess. (aha)
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