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Aus: Ausgabe vom 05.01.2026, Seite 10 / Feuilleton
Geisteswissenschaften

Habermas regelt

Kein Feuilleton ohne Habermas. Der Philosoph und (früher mal) Soziologe ist längst so etwas wie ein Maskottchen des deutschen Geisteslebens geworden. Immer auf die Titelseiten gehoben, viel diskutiert, aber nur ernst genommen, wenn es passt. Die Zeit der Bedenkenträger ist vorbei. Bei allen Makeln: Der alte Soze mit den Stilschwächen steht noch immer turmhoch über dem, was hierzulande so als Intellektuelle durchgeht. Aber dass es dem Ende zugeht, weiß er selbst. Naheliegenderweise hat nun die Goethe-Universität Frankfurt am Main fast seinen gesamten Vorlass übernommen.

Dieser soll 2026 katalogisiert und wissenschaftlich erschlossen werden, wie die Hochschule am Wochenende ankündigte. Schon 2011 hatte der heute 96jährige den ersten Teil seines Vorlasses übergeben. Er umfasste alle Materialien bis zu seiner Emeritierung im Jahr 1994. Im Februar 2025 übergab er den zweiten Teil mit Dokumenten aus den vergangenen drei Jahrzehnten, darunter etwa die Korrespondenz mit dem früheren EZB-Präsidenten Mario Draghi. Der erste Teil war noch weitgehend auf Papier, bei dem zweiten überwiegen digital gespeicherte Dokumente. Auch der private Rechner des Philosophen wurde übergeben. Auf ihm sind etwa unveröffentlichte Versionen seiner Texte gespeichert. Für die Bearbeitung wird ab 2026 eine zweijährige Projektstelle eingerichtet.

Der Vorlass werde »für die vielfältige und differenzierte Wahrnehmung und Würdigung von Jürgen Habermas eines Tages von hohem Wert sein«, so der Leiter der Abteilung Kuratieren der Frankfurter Universitätsbibliothek, Mathias Jehn. Nach seinem Tod hat Habermas der Hochschule auch seine gesamte Privatbibliothek versprochen. (dpa/jW)

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