Gegründet 1947 Sa. / So., 03. / 4. Januar 2026, Nr. 2
Die junge Welt wird von 3063 GenossInnen herausgegeben
Aus: Ausgabe vom 03.01.2026, Seite 4 (Beilage) / Wochenendbeilage
Bildreportage

Wahlkampf mit Feindbild

Portugals extreme Rechte macht Stimmung gegen eingewanderte Bangladescher
Von Adri Salido
1.jpg
Rassistische Ausgrenzung führt zu Armut, die wiederum öffentlich sichtbar wird (Lissabon)

In den vergangenen Monaten war Portugal Schauplatz einer diskursiven Offensive, deren Ziel die bangladeschische Gemeinschaft war. In verschiedenen Teilen des Landes tauchten Graffiti, Plakate und anonyme Botschaften auf, die Bangladeschis für Unsicherheit, städtischen Verfall oder »soziale Unruhen« verantwortlich machen. Dabei handelt es sich weder um Einzelfälle noch um bloße rhetorische Übertreibungen: Sie sind Teil eines zunehmenden Klimas der Kriminalisierung, das sich mit dem Herannahen der Präsidentschaftswahlen Mitte Januar noch verschärft hat.

Im Zentrum dieser Strategie steht Chega, die extrem rechte Partei, die Einwanderung zu einem der Kernpunkte ihrer politischen Agenda gemacht hat. Seit Monaten verbindet sie in ihrer Rhetorik immer wieder Migration – insbesondere aus Ländern außerhalb Europas – mit Kriminalität und dem Zusammenbruch öffentlicher Dienstleistungen. Rassistische Behauptungen, die von keinen offiziellen Daten gestützt werden. Die Einwanderer aus dem südostasiatischen Land sind in Bereichen wie Gastgewerbe, Einzelhandel und Lieferdiensten sehr präsent und so zu einem leichten Ziel für Rechte geworden.

Die Plakate zeichnen sich durch alarmistische Slogans und entmenschlichende Sprache aus. Sie verstärken nicht nur rassistische Stereotypen, sie konstruieren auch eine klare politische Erzählung: ein bedrohliches »Sie« gegenüber einem »Wir«, das geschützt werden muss. Chega nutzt diese Angst für Wahlkampfzwecke, reduziert komplexe soziale Herausforderungen auf vereinfachendes Sündenbockdenken und treibt die öffentliche Debatte in Richtung Konfrontation.

Die Folgen reichen weit über den Wahlkampf hinaus. Die Normalisierung solcher Botschaften untergräbt den sozialen Zusammenhalt, legitimiert Ausgrenzung und lässt ganze Gemeinschaften unter permanentem Verdacht stehen. Für viele Bangladescher, die in Portugal leben und arbeiten, ist die Normalisierung solcher Botschaften zutiefst beunruhigend: Ihre Anwesenheit wird in Frage gestellt und ihre Identität zu einer politischen Waffe gemacht. In einem Land, das seit langem von Einwanderung und Offenheit geprägt ist, markiert die Instrumentalisierung von Hass als Wahlkampfmittel einen gefährlichen Wendepunkt, der nicht ignoriert werden darf.

    2.jpg
    Darüber regt sich die Rechte nicht auf: Einwanderer, die die Landwirtschaft am Laufen halten
    3.jpg
    Ohne sie läuft hier wenig: Gemüsemarkt in bangladeschischer Hand
    4.jpg
    Arbeiter aus Bangladesch müssen ständig um ihre Aufenthaltstitel kämpfen
    5.jpg
    »Hier ist nicht Bangladesch«: Die extreme Rechte verbreitet großflächig rassistische Parolen
    6.jpg
    Viele Artikel wie Kurzwaren findet man heute in von Bangladeschern betriebenen Geschäften

Friedenspropaganda statt Kriegsspielzeug

Mit dem Winteraktionsabo bieten wir denen ein Einstiegsangebot, die genug haben von der Kriegspropaganda der Mainstreammedien und auf der Suche nach anderen Analysen und Hintergründen sind. Es eignet sich, um sich mit unserer marxistisch-orientierten Blattlinie vertraut zu machen und sich von der Qualität unserer journalistischen Arbeit zu überzeugen. Und mit einem Preis von 25 Euro ist es das ideale Präsent, um liebe Menschen im Umfeld mit 30 Tagen Friedenspropaganda zu beschenken.

links & bündig gegen rechte Bünde

Jetzt den kostenlosen jW-Newsletter abonnieren – täglich das Beste aus der Tageszeitung junge Welt, direkt in Ihr Postfach. Ihre E-Mail-Adresse wird natürlich niemals an Dritte weitergegeben.

Ähnliche:

  • Aus westlicher Sicht von »Russland-Freunden« okkupiert: Das Parl...
    26.09.2025

    Rüge aus Tbilissi

    Georgien: Deutscher Botschafter einberufen. Spannungen vor anstehenden Kommunalwahlen
  • Wollte sich mittels eines Putsches wieder an die Spitze des Staa...
    11.03.2025

    Verblühende Nelken

    Vor 50 Jahren scheiterte in Portugal ein Putschversuch rechter Militärs. Bei den nachfolgenden Wahlen konnten sich bürgerliche Kräfte durchsetzen
  • Frieden schließt man mit Feinden, nicht mit Freunden: Jimmy Cart...
    31.12.2024

    Präsident mit Vorausblick

    USA: Der verstorbene Jimmy Carter setzte auf Diplomatie und eine Friedenslösung für Nahost