Demokratisches Design
Wie müssen öffentliche Räume konzipiert sein, damit sie einen Mehrwert für die Gesellschaft bieten? Und welche Rolle spielt Design für eine lebendige Demokratie? Solche Fragen werden im neuen Jahr in Frankfurt und im Rhein-Main-Gebiet eine Rolle spielen. Denn die Stadt und die Region wurden zur »World Design Capital« (WDC) 2026 gekürt. Damit geht der Titel zum ersten Mal nach Deutschland. Die World Design Organization (WDO) mit Sitz im kanadischen Montréal würdigt seit 2008 Städte oder Regionen für ihren effektiven Einsatz von Design. Im Rennen um den Titel 2026 setzte sich das Rhein-Main-Gebiet gegen die saudiarabische Hauptstadt Riad durch. Zuvor ging der Titel nach San Diego (USA) und Tijuana (Mexiko). Das Motto für das gesamte Jahr lautet »Design for Democracy. Atmospheres for a Better Life« (Design für Demokratie, Atmosphären für ein besseres Leben). Geplant sind etwa 2.000 Projekte und Events mit rund 450 Kooperationspartnern – beispielsweise mit Museen, Hochschulen, Stiftungen, Unternehmen, Initiativen, Schulen und Vereinen. »Wir wollen zeigen, wie durch Gestaltung unsere Lebensqualität verbessert werden kann. Und wir wollen die Menschen zum Mitmachen einladen«, so Carolina Romahn, Geschäftsführerin der WDC Frankfurt Rhein-Main. Zudem solle darauf aufmerksam gemacht werden, welches kreative und innovative Potential in der Region stecke. Die Auftaktveranstaltung findet am 16. Januar in der Darmstädter Centralstation statt, angekündigt hat sich unter anderem Ministerpräsident Boris Rhein (CDU). Die Gesamtkosten für das Projekt bezifferten die Veranstalter mit rund 16 Millionen Euro. (dpa/jW)
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Leserbrief von Martina Dost aus 15306 Vierlinden (1. Januar 2026 um 20:26 Uhr)»Mehrwert« ist ein von Karl Marx klar definierter Begriff der Politischen Ökonomie. Der fließt in Form von Profit in die Taschen derjenigen, denen der Boden und die Wohnungskonzerne gehören, im Rhein-Main-Gebiet so wie in Riad. Welche Rolle Design für eine lebendige Demokratie spielt, ist in diesem Zusammenhang eine falsche Frage. Städteplanung und Wohnungspolitik im Interesse der Bevölkerung, der Umwelt, von Kultur und Bildung, der Freizeit bei erschwinglichen Mieten und Preisen – das hat unter anderen Eigentumsverhältnissen schon mal eine Rolle gespielt. Im Imperialismus wird es keine »lebendige Demokratie« geben, egal, ob jemand das »Design« einer Stadt gut oder schlecht findet. Insofern werden die »2000 Projekte und Events« ein Deckmäntelchen über die wirklichen Probleme werfen. »Mitmachaktionen« bietet ja nun schon jedes Museum an, was auf sich hält, die lenken so schön vom Inhalt ab und haben das Niveau von »Kinderschminken und Hüpfburgen«. 16 Millionen Euro wirft man zum Fenster hinaus.
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