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Aus: Ausgabe vom 02.01.2026, Seite 2 / Ansichten

Aggressiver Optimismus

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Vielen Dank für die Blumen. Wie lieb von dir!

Vorbei das Schreckensjahr, es folgt ein neues. Die Krise, die eine allgemeine dieser global herrschenden Produktionsweise ist, will einfach nicht vergehen, weshalb sie auch dem Jahr 2026 seine Konturen geben wird. Davon geht in Medien selbstverständlich keine Rede, wäre ja noch schöner. Gleich, welche Erklärung zugrunde gelegt wird, die Stimmung im Land ist ziemlich mies und erfasst sämtliche Ebenen – politisch, ökonomisch, sozial –, doch am letzten Tag des Jahres springt dem Leitmedienleser der Zweckoptimismus ins Gesicht wie der Facehugger seinen Opfern.

Eher verhalten noch die FAZ. Die »düstere Stimmungslage«, wonach schon jetzt feststünde, »dass im kommenden Herbst ›der Osten‹ endgültig an die AfD verloren sei«, will man dort nicht gelten lassen. »Es wäre aber fatal, wenn Gedankenspiele dieser Art nicht als solche gelesen würden, sondern als Vorahnungen eines Schicksals, das der Demokratie in Deutschland mit der Unerbittlichkeit einer griechischen Tragödie bestimmt ist.« So verhält es sich nicht, so darf es sich nicht verhalten, denn Rettung kommt aus dem Kanzleramt – irgendwann: »Sicher wird es, wie Merz den Deutschen auf den Weg in das neue Jahr mitgibt, noch dauern, bis die Reformen seiner Regierung Wirkung entfalten und Gesellschaft spürbar zum Positiven verändern werden.« Hier begreift man Reform noch als Verheißung, nicht als Drohung.

Beim Tagesspiegel weiß man: »Die Zeit für Reformen ist gekommen, bei Verwaltung, Migration, Energie, Infrastruktur«, und freut sich darüber. Überhaupt: Läuft alles im Land. »Doch, tatsächlich! Wer Optimismus sucht, findet ihn im Rathaus.« Angesichts chronischer Unterfinanzierung der Kommunen wäre interessant zu erfahren, in welchem Rathaus die Berliner Tageszeitung gewesen sein will. Aber auch außenpolitisch wird angepackt und aufgeräumt: »Deutschland ist da! Es beteiligt sich aktiv an der Friedenssuche, organisiert wirtschaftliche Zusammenarbeit – und baut gleichzeitig daheim seine Verteidigung auf.« Deutschland ist da! Aggressiv, optimistisch.

So ein »aggressives Grundgefühl«, das dem Land zwar zu attestieren sei, muss ja gar nicht schlecht sein, findet nun die Süddeutsche Zeitung. »Aggression ist auch eine Kraft der Veränderung«, etwas gerät in Bewegung. Daher der Ratschlag frei Haus: »Wie wäre es also 2026 mit der Besinnung auf eine einst urdeutsche Tugend: pragmatischer Realismus? Oder wie Merz und Bas sagen würden: Einfach mal anpacken.« Und wir packen ein. (brat)

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