Krankenkassenbeiträge steigen wieder
Von Susanne Knütter
Der Kompromiss, der offiziell zur Stabilisierung der Krankenkassenbeiträge beitragen sollte, war gerade in Sack in Tüten, da kündigten die Kassen weitere Erhöhungen an. Die größte gesetzliche Krankenversicherung, die Techniker Krankenkasse, teilte am Freitag mit, den Zusatzbeitrag zum 1. Januar von 2,45 Prozent auf 2,69 Prozent zu erhöhen. Der Beitrag kann von den Kassen selbst festgelegt werden und kommt zu dem allgemeinen Beitragssatz von unverändert 14,6 Prozent hinzu. Die »DAK-Gesundheit« als Nummer drei unter den Versicherungen wird den Zusatzbeitrag von 2,8 Prozent auf 3,2 Prozent anheben. Beide Kassen sehen sich damit »deutlich unter dem Marktschnitt« bzw. »im mittleren Beitragsspektrum« der Kassen.
Schon zum Jahreswechsel 2025 waren die Beitragssätze erhöht worden. Der politisch erwünschte durchschnittliche Zusatzbeitrag betrug für dieses Jahr 2,5 Prozent, tatsächlich aber verlangten die Kassen 2,9 Prozent. Als Orientierungsmarke hat das Gesundheitsministerium nun genau diesen bereits überhöhten Satz für 2026 festgelegt: also 2,9 Prozent. Und bereits jetzt ist klar, dass die allermeisten Krankenkassen mehr erheben werden. Nur sieben der 37 bundesweiten Kassen verlangen im kommenden Jahr weniger als drei Prozent, wie die FAZ mit Verweis auf Vergleichsportale ermittelte. Von den übrigen Kassen schafft das ebenfalls nur ein Fünftel. Insgesamt gibt es in Deutschland 94 gesetzliche Krankenkassen – mit mehr als 74 Millionen Versicherten.
Die Erhöhung der Zusatzbeiträge über die vom Ministerium festgelegte Grenze kam mit Ansage. Aus Sicht der Kassen ging das am Freitag von Bundestag und Bundesrat verabschiedete Sparpaket, das Ausgabenbremsen vor allem bei den Kliniken vorsieht, noch nicht weit genug. Kassenvertreter warnten, dass Beitragserhöhungen auch mit diesem Sparpaket absehbar seien, weil viele Kassen Reserven auf vorgeschriebene Mindestwerte auffüllen müssten. DAK-Chef Andreas Storm und der Chef der Techniker Krankenkasse (TK), Jens Baas, forderten in Bild erneut grundlegende Reformen: Wenn die Beiträge nicht jedes Jahr steigen sollen, brauche es »echte Reformen und den politischen Mut, diese dann auch umsetzen«, sagte Baas. Storm verlangte einen »Neustart in der Reformpolitik bei Gesundheit und Pflege«. So könne es nicht weitergehen.
Seit Freitag wehrt sich Gesundheitsministerin Nina Warken nun gegen die Kritik der Kassen. In der FAZ erinnerte sie daran, dass die Krankenkassen Ende 2024 Beitragssteigerungen in Rekordhöhe beschlossen und »damit Versicherte und Unternehmen mit mehr als 20 Milliarden Euro belastet haben«. Hinzu kommt, seit Mai habe die Regierung »die Kassen um mehr als sechs Milliarden Euro entlastet«. Ohne die verschiedenen Maßnahmen läge die Orientierungsmarke für den Zusatzbeitrag jetzt bei 3,2 Prozent. »Wenn die Kassen sagen, dass nur die anderen schuld seien, machen sie es sich zu einfach«, sagte die Ministerin der Süddeutschen Zeitung am Montag. »Jeder hat Verantwortung, auch die Kassen.« Sie habe die Finanzlücke geschlossen, sagte Warken. Im Wettbewerb der Krankenkassen zeige sich, wie sie jeweils damit umgingen. »Ich habe als Gesundheitsministerin den kassenindividuellen Zusatzbeitrag nicht in der Hand. Wir können die Krankenkassenbeiträge nicht so passgenau steuern wie die Beiträge in den anderen Sozialversicherungen.«
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