»Wunderwaffe« besteht Test
Von Philip Tassev
Die Meldung wirkt einigermaßen absurd: »Deutsche Drohnenwaffe komplett« hieß es am Montag bei der dpa. Die Konzernmedien griffen die Nachricht dankbar auf, in der Weihnachtszeit ist man da nicht so wählerisch. Bei näherer Betrachtung ist der Sachverhalt allerdings ein anderer. Die »deutsche Drohnenwaffe« ist nämlich alles andere als »komplett«. Einzig ein Test einer Drohne wurde dem Vernehmen nach erfolgreich abgeschlossen. Wie die beiden Unternehmen TDW und Stark Defence am Montag mitteilten, habe der erste Test des Sprengsatzes für die Kamikazedrohne vom Typ »Virtus« im Einsatz gegen 800 Millimeter dicken Panzerstahl stattgefunden und sei unter Laborbedingungen erfolgreich verlaufen.
Die »Virtus«-Einwegdrohne zählt zu der sogenannten »Loitering ammunition«, kreist also mit fünf Kilogramm Sprengstoff an Bord als »verweilende Munition« bis zu 60 Minuten über dem Schlachtfeld, bis ihr ein Ziel gegeben wird, auf das sie sich sodann mit 250 Kilometern pro Stunde herabstürzt.
In der Ukraine sei »Loitering ammunition« für etwa 70 Prozent aller Abschüsse verantwortlich, sagte Andreas Seitz, Geschäftsführer von TDW, nach dem Test zu dpa. Das klingt nach allem, was man von den Kämpfen im Donbass sieht und hört, plausibel. TDW, oder Gesellschaft für verteidigungstechnische Wirksysteme mbH, wie der volle Firmenname lautet, ist eine Tochter des Raketenbauers MBDA, der wiederum den europäischen Rüstungskonzernen Airbus, BAE Systems und Leonardo gehört.
Das »Startup« Stark Defence aus Berlin wurde 2024 vom ehemaligen Bundeswehroffizier Florian Seibel gegründet und gilt als in Militärkreisen bestens vernetzt. Die Firma hat in der kurzen Zeit ihres Bestehens über 100 Millionen Euro Kapital eingesammelt. Zu den Geldgebern zählen neben dem »NATO Innovation Fund« und der CIA-Investmentfirma In-Q-Tel auch der bekennende Antidemokrat Peter Thiel sowie Döpfner Capital von Moritz Döpfner, Sohn des Axel-Springer-Chefs Mathias Döpfner.
Mit solcher Kapitalmacht und solchen Beziehungen im Rücken konkurriert Stark mittlerweile mit dem Rüstungskonzern Rheinmetall und mit Helsing aus München um einen Großauftrag der Bundeswehr. Für rund 900 Millionen Euro will die deutsche Armee mehr als 10.000 Einwegdrohnen beschaffen. Denkbar ist aber auch, dass jeder der drei Wettbewerber einen Teilauftrag über 300 Millionen Euro erhält. Denn der Innovationszyklus bei Drohnen ist sehr kurz. Systeme, die eben noch auf dem neusten Stand der Technik waren, können in kürzester Zeit als veraltet gelten.
Die Führung der Bundeswehr setzt jedenfalls große Hoffnungen in die neuen Waffensysteme, denen sie eine ähnliche Rolle als »Gamechanger« zuschreibt, wie sie vor 100 Jahren Panzer innehatten. Anfang Dezember erprobte die Armee im »Gefechtsübungszentrum Heer« auf dem Truppenübungsplatz Altmark erstmals einen sogenannten »Aufklärungs- und Wirkverbund« –von der Zielfindung bis zur Bekämpfung des Ziels wurden nur Drohnen eingesetzt. Langfristig will die Bundeswehr so ganze, von »künstlicher Intelligenz« gesteuerte »Drohnenschwärme« auf den Gegner stürzen lassen. Dabei macht die militärische Führung keinen Hehl daraus, dass dieser Gegner in ihren Augen Russland ist. »Was wir hier im Gefechtsübungszentrum ausprobiert haben, geht 2026 in die Umsetzung, so dass es 2027 der Brigade Litauen zur Verfügung steht«, sagte Bundeswehr-Generalinspekteur Carsten Breuer nach der Erprobung.
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