Nicht nur Rauschebart muss ran
Von Michael Merz
Besinnliche Tage im Kreis der Familie? Das gilt nicht für alle Beschäftigten. Geringverdiener und Ostdeutsche müssen häufiger an den Feiertagen Dienst schieben. 24 Prozent der Erwerbstätigen müssen am 24. mindestens vormittags arbeiten, selbst Heiligabend sind noch neun Prozent im Einsatz. Für die Auswertung hat das WSI-Institut der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung fast 5.900 Angestellte und Selbstständige befragen lassen. Dabei wurde nicht unterschieden, ob sie insbesondere für die Werktage Heiligabend und Silvester Urlaub einreichen mussten oder von Vereinbarungen auf tariflicher oder betrieblicher Ebene profitieren.
In einzelnen Branchen wie Verkehr und Logistik oder Handel muss zu Heiligabend noch fast die Hälfte aller Beschäftigten ran. Im Gastgewerbe sind am Silvesterabend 28 Prozent der Belegschaften im Einsatz. Im Bereich Verkehr und Logistik sind dann 26 Prozent der Erwerbstätigen unterwegs. In diesen Branchen wird auch geringeres Gehalt gezahlt. In Haushalten mit niedrigem Einkommen steigt die Wahrscheinlichkeit, dass die Menschen an den Feiertagen arbeiten müssen. Es sind häufig dieselben, die an den Feiertagen arbeiten: Mehr als 80 Prozent von ihnen berichten, dass sie auch in mindestens einem der drei Vorjahre am gleichen Tag zur Arbeit gegangen sind.
Der Anteil der Arbeitenden mit steigendem (bedarfsgewichtetem) Haushaltseinkommen sinkt, besagt die WSI-Studie zudem. Diese Regelmäßigkeit durchzieht die Festtage mit nur geringfügigen Ausnahmen. So müssen 14 Prozent derjenigen mit einem bedarfsgewichteten Haushaltseinkommen unter 1.500 Euro am Nachmittag des Heiligen Abends arbeiten, während es in den entsprechenden Klassen oberhalb von 3.500 Euro nur sieben Prozent sind, heißt es in der Studie.
Generell gilt, dass in Ostdeutschland (inkl. Berlin) mit 27 Prozent etwas häufiger zu Heiligabend gearbeitet wird als in Westdeutschland (23 Prozent), heißt es in der Studie. Mehr Menschen aus dem Osten sagen, dass sie über die Feiertage zur Arbeit müssen. Das gilt für alle fünf abgefragten Tage von Heiligabend bis Neujahr. Dazu passt, dass die höchsten Werte für den Vormittag des Heiligen Abend in diesem Jahr in Sachsen-Anhalt (31 Prozent) und die niedrigsten im deutlich religiöser geprägten Bayern (17 Prozent) zu verzeichnen sind.
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