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Aus: Ausgabe vom 19.12.2025, Seite 8 / Kapital & Arbeit
US-Wirtschaft

US-Arbeitsmarkt »allmählich abgekühlt«

Erwerbslosenquote in USA steigt. Verbraucherpreise weiterhin über Zielbereich der Zentralbank
Von Lars Pieck
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Die Preise sind teilweise sehr hoch (New York, 12.12.2025)

In einer live übertragenen Rede an die Nation versuchte der US-Präsident Donald Trump am Mittwoch erneut, seinen Vorgänger Joe Biden für die wirtschaftlichen Probleme des Landes verantwortlich zu machen. Denn die Sorgen der Bevölkerung über hohe Preise für Lebensmittel, Wohnen und Grundversorgung bleiben groß, während Trumps Zustimmungswerte weiter sinken: Laut einer AP-NORC-Umfrage unterstützen derzeit nur noch 31 Prozent der Erwachsenen seine Wirtschaftspolitik. Trotz wiederholter Ankündigungen eines historischen Wirtschaftsbooms bleibt dieser aus. Verspätete Inflations- und Arbeitsmarktberichte dieser Woche zeigen eine leicht abgeschwächte Inflation und einen durch Einfuhrzölle sowie Entlassungen im öffentlichen Sektor geschwächten Arbeitsmarkt. Beide sind jedoch teilweise unvollständig, da während des Government Shutdowns im Oktober Daten nicht komplett erhoben werden konnten.

Die US-Erwerbslosenquote stieg im November auf 4,6 Prozent und erreichte damit den höchsten Stand seit mehr als vier Jahren. Der verspätet veröffentlichte Regierungsbericht vom Dienstag zeigt, dass im November nur 64.000 neue Stellen geschaffen wurden, nachdem im Oktober 105.000 Arbeitsplätze verloren gegangen waren. In drei der letzten sechs Monate hat die US-Wirtschaft damit Stellen abgebaut. Die Beschäftigungszahlen für August und September wurden zudem um insgesamt 33.000 Arbeitsplätze nach unten korrigiert. Für Oktober liegt keine Erwerbslosenquote vor, da das Arbeitsministerium während des 43tägigen Shutdowns die erforderlichen Umfragen nicht durchgeführt hat. Neuere Daten waren insgesamt nur eingeschränkt verfügbar, da nicht alle üblichen Arbeitsmarktdaten erhoben werden konnten. Fed-Chef Jerome Powell wies darauf hin, dass die tatsächliche Zahl der Neueinstellungen seit dem Frühjahr möglicherweise um rund 60.000 pro Monat überschätzt wurde, und erklärte, der Arbeitsmarkt habe sich »allmählich abgekühlt«.

Besonders stark spürbar ist der Stellenabbau im öffentlichen Sektor. Die Beschäftigung in der US-Bundesregierung sank im November um weitere 6.000 Stellen, nachdem im Oktober bereits 162.000 Arbeitsplätze weggefallen waren. Insgesamt ist die Zahl der Bundesbediensteten seit Januar laut Arbeitsministerium um rund 270.000 zurückgegangen. Viele der Entlassungen aus dem Frühjahr wurden erst verzögert in den aktuellen Daten sichtbar, da Beschäftigte im bezahlten Urlaub weiterhin als angestellt gelten und zahlreiche Mitarbeiter mit aufgeschobenen Abfindungen noch bis Ende September Gehalt erhielten.

Das Jobwachstum im Oktober und November wurde vor allem vom Gesundheits- und Sozialwesen getragen. Gleichzeitig gingen in der Industrie, im Transport- und Lagerwesen, bei Leiharbeitsfirmen sowie in klassischen Angestelltenberufen im Informations- und Finanzsektor Stellen verloren. Ökonomen beschreiben den Arbeitsmarkt insgesamt als von schwacher Nachfrage und Zurückhaltung bei Neueinstellungen geprägt: Unternehmen entlassen zwar kaum in großem Stil, stellen aber auch nur zögerlich ein, halten sich bei Saisonkräften zurück und prüfen zunehmend, welche Aufgaben durch künstliche Intelligenz ersetzt werden können.

US-Verbraucherpreise stiegen laut dem Consumer Price Index Report vom Donnerstag im November 2025 um 2,7 Prozent im Jahresvergleich, eine Abschwächung gegenüber früheren Monaten, aber weiterhin über dem Zielbereich der Federal Reserve. Ob diese unerwartete Abschwächung der Inflation ausreicht, die wachsende wirtschaftliche Unzufriedenheit in der Bevölkerung zu drehen, bleibt fraglich. Präsident Trump steht nun vor derselben Herausforderung wie sein Vorgänger: seine Politik überzeugend darzustellen, während seine Zustimmungswerte weiter sinken.

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