-
17.12.2025
- → Schwerpunkt
Hintergrund: Palästina führt Liste an
Es ist das Land mit dem für Zivilisten gefährlichsten Konflikt weltweit: »Praktisch jeder in Palästina war Gewalt ausgesetzt«, heißt es im ACLED-Konfliktindex für die vergangenen zwölf Monate. Mit dem fortwährenden Völkermord in Gaza und der eskalierenden Gewalt israelischer Truppen und radikaler Siedlerfaschisten im Westjordanland weist Palästina zudem den geographisch am weitesten verstreuten Konflikt auf. ACLED hat in knapp 70 Prozent der von Israel besetzten Gebiete ein hohes Maß an Gewalt verzeichnet. Vier von fünf Palästinensern waren bewaffneter Gewalt ausgesetzt.
Mit mehr als 16.100 Toten im Laufe dieses Jahres ist Palästina nach der Ukraine und dem Sudan das Land mit den drittmeisten Todesfällen – trotz eines Rückgangs der kriegsbedingten Tötungen aufgrund von Waffenruhen, die von Israel jedoch gebrochen wurden und werden. Das Abkommen Ende Januar hatte dessen Armee am 18. März mittels eines Massakers aus der Luft und mit schwerer Artillerie aufgekündigt und dabei über 400 Personen getötet. Auch nach dem jüngsten »Waffenstillstand« vom Oktober sind unter nahezu täglichen Bombardements der abgeriegelten Enklave rund 400 Menschen getötet worden. Israelische Truppen setzten Geflüchtetenzelte in Brand und exekutierten Zivilisten, darunter Kleinkinder, die sich der Demarkationslinie auch nur näherten. So wurde Anfang Dezember ein dreijähriges Mädchen nahe der Linie erschossen. Das Militär sagte später, ein »Terrorist« habe sich den Soldaten genähert und »eine unmittelbare Gefahr« dargestellt, man habe »den Terroristen eliminiert«.
Die palästinensische Millionenbevölkerung ist laut ACLED auf einem Viertel der Gesamtfläche des Gazastreifens zusammengepfercht worden. Im Westjordanland nahmen israelische Militärrazzien im Vergleich zu 2024 um 78 Prozent zu. Die Besatzungstruppen führten ihre größten Einsatz seit Jahrzehnten durch und vertrieben Zehntausende Menschen, insbesondere aus den nördlichen Gebieten um Dschenin.
Insgesamt hat die israelische Armee seit dem 1. Januar dieses Jahres mehr als 12.500 militärische Aktionen im Nahen und Mittleren Osten ausgeführt. Sie bombardierte mit Iran, Jemen, Katar, Libanon, Palästina und Syrien sechs Länder und führt damit auch diese Rangliste an. Die USA griffen das Staatsgebiet von vier Ländern, Südsudan und die Türkei jeweils drei andere Länder an. Die Besatzungstruppen waren demnach 2025 für mindestens 53 Prozent aller Gewaltakte gegen Zivilisten in anderen Ländern verantwortlich; Russland folgt mit Abstand dahinter. Israel hat zudem weitere Territorien in drei Ländern militärisch besetzt. Neben Palästina sind das Gebiete in Syrien und Libanon. (jr)
Unabhängiger Journalismus braucht deine Unterstützung.
Wie hat Ihnen dieser Artikel gefallen?
Durchschnittliche Bewertung: 0,0
Das Verwaltungsgericht Berlin hat entschieden und die Klage des Verlags 8. Mai abgewiesen. Die Bundesregierung darf die Tageszeitung junge Welt in ihren jahrlichen Verfassungsschutzberichten erwahnen und beobachten. Nun muss eine höhere Instanz entscheiden.
In unseren Augen ist das Urteil eine Einschränkung der Meinungs- und Pressefreiheit in der Bundesrepublik. Aber auch umgekehrt wird Bürgerinnen und Bürgern erschwert, sich aus verschiedenen Quellen frei zu informieren.
Genau das aber ist unser Ziel: Aufklärung mit gut gemachtem Journalismus. Sie können das unterstützen. Darum: junge Welt abonnieren für die Pressefreiheit!