Pharmakonzerne machen Kasse
Von Oliver Rast
Rekorde werden derzeit viele gebrochen – etwa im Gesundheitswesen. So haben die Arzneimittelausgaben der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) im vergangenen Jahr einen neuen Höchststand erreicht, berichtete die Frankfurter Rundschau am Mittwoch. Am Dienstag wurde dazu der Arzneimittelkompass der Krankenkasse AOK in Berlin vorgestellt. Demnach lagen die Ausgaben für Arzneien 2024 bei 59,3 Milliarden Euro, ein Anstieg von mehr als neun Prozent im Vorjahresvergleich. Preistreiber sind vor allem patentgeschützte Medikamente, »deren Evidenz zum Zeitpunkt der Markteinführung häufig noch begrenzt ist und die nur für kleine Patientengruppen vorgesehen sind«, heißt es in der AOK-Pressemitteilung.
Und: »Das Ende der Fahnenstange ist dabei noch nicht erreicht«, wurde Helmut Schröder, Geschäftsführer des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WidO), in der Mitteilung zitiert. Im ersten Halbjahr 2025 seien die Nettoarzneimittelausgaben wiederum um knapp fünf Prozent gestiegen, und für das Gesamtjahr sei eine Zunahme von mehr als fünf Prozent zu erwarten. Schröder: »Angesichts aktuell fehlender gesetzlicher Maßnahmen werden die Ausgaben auch 2026 ungebrochen um denselben Prozentsatz steigen.«
Was fehlt? Eine Reform des seit 2011 bestehenden Arzneimittelmarktneuordnungsgesetzes (AMNOG). Ziel war es, die steigenden GKV-Arzneimittelausgaben einzudämmen und sicherzustellen, dass die Preise neuer Medikamente sich am Zusatznutzen gegenüber bestehenden Therapien orientieren. Das AMNOG als zentrales gesundheitspolitisches Instrument für Innovation und Wirtschaftlichkeit im Arzneimittelmarkt. Nur, es funktioniert nicht. Der Beleg: Seit Inkrafttreten des Gesetzes sind die Preise laut AOK um rund 125 Prozent in die Höhe geschossen. Dabei lag der Anteil patentgeschützter Medikamente 2024 bei 54 Prozent der Gesamtkosten, »obwohl ihr Anteil an verordneten Tagesdosen im gleichen Jahr nur sieben Prozent betrug«.
Warum ist das so? Weil Pharmakonzerne das AMNOG umgehen, Schlupflöcher nutzen, etwa mittels sogenannter Orphanisierung. Hersteller konzentrieren sich dabei auf Produkte für seltene Erkrankungen, da bei diesen bis zu einer Umsatzschwelle von 30 Millionen Euro kein Nutznachweis erfolgen muss. »So können selbst Arzneimittel ohne belegten Zusatznutzen hohe Erstattungsbeträge erzielen«, monieren die Kompassmacher. Das lohnt sich: Die Durchschnittspreise pro (!) Packung im Patentmarkt kletterten zwischen 2015 und 2024 von 4.100 Euro auf 7.700 Euro.
Ein Trend, den gleichfalls Janosch Dahmen (Bündnis 90/Die Grünen) in der Reformdiskussion um eine Stabilisierung der GKV beklagt. »Dass die Pharmaindustrie mit Rekordgewinnen erneut von jeder echten Wirtschaftlichkeitsverantwortung verschont bleibt, zeigt die Schlagseite dieses Kurses«, sagte der Sprecher für Gesundheitspolitik seiner Bundestagsfraktion unlängst gegenüber jW. Zumal die Arzneimittelausgaben nach der stationären Versorgung der zweitgrößte Ausgabenblock in der GKV sind – mit stark steigenden jährlichen Zuwächsen. Ohne wirksame Preisregulierung bleibt jede Ausgabendeckelung bei Kliniken oder Kassen nur eines: Symptombehandlung.
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