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Aus: Ausgabe vom 20.11.2025, Seite 11 / Feuilleton
Kino

Die Axt im Haus

Finnischer Irrwitz: Der Kriegssplatterfilm »Sisu: Road to Revenge«
Von Marc Hairapetian
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Schön böse: Stephen Lang als Kriegsverbrecher Igor Draganov

»Wir dachten, dass du Hilfe brauchst«, sagt der Anführer einer Gruppe Waldarbeiter zu Aatami Korpi (Jorma Tommila), als dieser das Haus seiner von Rotarmisten ermordeten Familie wieder aufbauen will. Der »Mann, der nicht stirbt«, lässt langsam die Axt sinken. »Sisu: Road to Revenge« endet so versöhnlich, wie er elegisch begonnen hat. Dazwischen liegt allerdings ein blutiges Racheinferno.

Die von der Geschichte des Scharfschützen Simo Häyhä (17.12.1905–1.4.2002), der im sogenannten Winterkrieg 505 sowjetische Soldaten mit seinem Mosin-Nagant-M28-Gewehr tötete, inspirierte Fortsetzung des finnischen Überraschungserfolgs »Sisu« (Jalmari Helander, 2022) ist konsequenter als jeder Quentin-Tarantino-Film. Der von Jorma Tommila stoisch verkörperte »Weiße Tod« (so nannten die sowjetischen Soldaten den Scharfschützen) verliert während der gesamten Spieldauer von 88 Minuten kein einziges Wort.

Nach dem Ende des Kriegs 1940 muss Finnland Territorium an die UdSSR abtreten. Also fährt Aatami mit einem Laster über die Grenze, um sein hölzernes Familienhaus auseinanderzunehmen, zu verladen und an anderer Stelle wieder aufzubauen. Mit von der Partie ist sein treuer Hund, der ebenfalls überlebt hat. Das bleibt natürlich nicht unbemerkt, weswegen ein sowjetischer Geheimdienstoffizier (Richard Brake) gezielt den verurteilten Kriegsverbrecher Igor Draganov (Stephen Lang), der einst Aatamis Frau und Kinder getötet hat, aus einem sibirischen Gefängnis freilässt und ein Kopfgeld auf Aatami aussetzt.

Der Vorgängerfilm »Sisu«, bei dem Aatami in verschärfter »Inglourious Basterds«-Manier im Lapplandkrieg unzählige Nazisoldaten ins Jenseits beförderte, war als Kriegssplatterfilm äußerst unterhaltsam. Auch das Sequel strotzt nur so vor Gewaltexzessen und außergewöhnlichen Tötungsmethoden, die – von Juri Seppä und Tuomas Wäinölä mit an Italowestern erinnerndem Soundtrack unterlegt – in der Pressevorführung oftmals vielsagendes sadistisches Gelächter hervorriefen. Dabei ist Jalmari Helanders antirussisches Racheopus wahrlich keine Komödie. Mit dem seit »Letzte Ausfahrt Brooklyn« (Uli Edel, 1989) bekannten US-Schauspieler Stephen Lang hat Jorma Tommila einen erbitterten Gegner gefunden. Sicherlich eine der abgründigsten »Bad Guy«-Performances der vergangenen Jahre. Davon wird sich hierzulande sicherlich so mancher unterhalten lassen.

»Sisu: Road to Revenge«, Regie: Jalmari Helander, Finnland/USA/UK 2025, 88 Min., Kinostart: heute

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