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Nur noch mit den Fäusten

Von Gabriele Damtew
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Alle Hände voll zu tun: Aue-Torwart Louis Lord (Mitte oben, Leipzig, 15.11.2025)

Das Qualispiel für die Fußball-WM bei Favorit Luxemburg war mal wieder eine zittrige Angelegenheit für die bundesdeutsche Auswahl (2:0). Mitschauende verliehen dem Spiel das Prädikat »Tote Hose«, aber so sexistisch bin ich nicht. Man bedenke einmal die enorme Doppelbelastung von Liga und Nationalelf; jede arbeitende Frau mit Kind kann sich in die Situation leicht hineinversetzen.

Die spielfreie Zeit der Ligen nutzten die unteren Klassen für die Partien in den Landespokalen. Hier herrscht der knallharte K.-o.-Modus. Den Finalsiegern winkt die Teilnahme am DFB-Pokal, in der ersten Hauptrunde. In Leipzig-Probstheida stand sich letzten Sonnabend mit Lok und dem Drittligisten Aue die sächsische Crème de la Crème im Achtelfinale gegenüber. Für viele das vorweggenommene Finale. Vergangenen Mai war es tatsächlich die Finalpaarung. Aue verlor im Elfmeterschießen (5:6). Lok wurde dann im August im DFB-Pokal von Zweitligist Schalke 04 mit 0:1 in der Verlängerung geschlagen.

Also auf ein Neues. Obwohl beide Teams weiterhin eine Klasse trennt, sind sie irgendwie wieder auf Augenhöhe. Denn Leipzig führt die Tabelle der Regionalliga Nordost an, während Erzgebirge Aue derzeit in Liga drei auf einem Abstiegsplatz verweilt. Die Interviews vor Anpfiff hatten es in sich. Lok-Coach Jochen Seitz: »Elfmeterschießen wurde nicht geübt!« Sein Pendant Jens Härtel: »Werden wir vorher klären«. Gut 9.000 Zuschauer übten sich im Bruno-Plache-Stadion im Lippenlesen. Im Tor von Aue stand nicht die nominelle Nummer eins, Martin Männel (37), sondern Nachwuchskeeper Louis Lord (22), der planmäßig in den Pokalspielen »unter Druck« getestet wird.

Der junge Mann wurde erst in der 15. Minute wirklich geprüft, er musste sich bis in die Fingerspitzen strecken. Vorher hatte vor allem Aue Druck gemacht, Lok beschränkte sich auf erfolgloses Kontern. Aues bester Scorer, Julian Guttau, war schon nach sechs Minuten mit einer Sprunggelenksverletzung nach Gegnereinwirkung vom Platz gehumpelt. Ersatzmann Julian Günther-Schmidt bereitete mit einer butterweichen Flanke auf den Kopf von Marcel Bär das 1:0 vor. Ebenjener Bär, dem im März die Achillessehne gerissen war und der zum ersten Mal wieder in der Startelf stand.

Nach der Pause war dann aber eindeutig Leipzig am Drücker. Kapitän und Lok-Urgestein Djamal Ziane kam rein und pushte seine Elf. Doch erst mit den Einwechslungen von Eren Öztürk und Min-Gi Kang kamen die Chancen. Latte! Powerplay! Lord nur noch mit den Fäusten. Drama: Hackenball des Schiris. Nur noch eine Minute für Leipzig. Zuwenig – und Schluss. Viertelfinale klargemacht und einen Torschützen glücklich. Die Revanche für Aue ist geglückt.

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