Eier und Steine auf Milei
Von Volker Hermsdorf
Bei mehreren Wahlkampfauftritten in Lomas de Zamora, einem Arbeiterbezirk südlich von Buenos Aires, ist der argentinische Präsident Javier Milei am Dienstag von Protesten überrascht worden. Die »Karawane der Freiheit« seines rechten Parteienbündnisses La Libertad Avanza (LLA) musste nach nur drei Minuten abgebrochen werden. Anwohner warfen Flaschen, Steine und Eier auf die Fahrzeuge. Polizisten versuchten, Milei und seine Schwester Karina, die als Generalsekretärin des Präsidentenamtes eine zentrale Rolle spielt, mit Schilden zu schützen. Sie flüchteten schließlich in gepanzerten Wagen unter Polizeischutz in Mileis Amtssitz im exklusiven Ortsteil Olivos. Auch José Luis Espert, der libertäre Spitzenkandidat für die Wahlen am 7. September in der Provinz Buenos Aires, ergriff die Flucht – auf einem Motorrad ohne Helm.
Bereits am Montag war es bei einer Wahlkampfveranstaltung in der Ortschaft Junín – noch vor Mileis Rede – ebenfalls zu Auseinandersetzungen gekommen. Während Regierungssprecher Manuel Adorni Anhänger des »Kirchnerismus« für die Proteste verantwortlich machte und Regierungsgegner mit »Höhlenmenschen« gleichsetzte, die »linke Gewalt« verübten, berichteten Augenzeugen, dass Mileis Begleiter die Eskalation provoziert hätten. »Von oben vom Fahrzeug aus schrien sie uns als ›scheiß Neger‹ an, nur wegen der Hautfarbe«, berichtete die Mutter eines behinderten Mädchens der Tageszeitung Paginá 12.
Die Ereignisse verdeutlichen die zunehmende Unzufriedenheit mit Mileis Politik der drastischen Kürzungen. Er blockierte Rentenerhöhungen und strich Subventionen für Strom, Gas und den öffentlichen Nahverkehr. Tausende Menschen verloren ihren Arbeitsplatz. Zuletzt erschütterten Hinweise auf einen Korruptionsskandal das Land. Der Pharmakonzern Suizo Argentina soll Schmiergelder gezahlt haben, um an millionenschwere Aufträge der für die Pflege von behinderten Menschen zuständigen staatlichen Agentur Andis zu kommen. Im Zentrum der Anschuldigungen stehen Mileis Schwester Karina sowie deren rechte Hand Eduardo Menem.
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