Entwurzeln und vertreiben
Von Jakob Reimann
Die Überfälle gehen weiter: Seit drei Tagen geht das israelische Militär brutal gegen Zivilisten im Westjordanland vor. Am Donnerstag drangen israelische Besatzungstruppen in Hebron im Süden des besetzten Palästinensergebiets gleich in sechs Schulen ein, durchsuchten Klassenzimmer, griffen Lehrer an und nahmen mehrere von ihnen fest. Auch wurden Fotos sowie Unterrichtsmaterialien beschlagnahmt. Das palästinensische Bildungsministerium verurteilte laut der Agentur WAFA dieses militärische Eindringen in den geschützten Raum Schule als »eklatanten Verstoß gegen internationales und humanitäres Recht« und als Teil einer systematischen Politik, Angst unter Schülern und Lehrkräften zu verbreiten.
Zuvor stürmten Hunderte israelische Soldaten mit gepanzerten Fahrzeugen am frühen Mittwoch morgen die Altstadt von Nablus, überfielen dort Geschäfte, durchsuchten Häuser und vertrieben Einwohner, um in deren Wohnhäusern Militärposten einzurichten. Scharfschützen wurden auf den Dächern positioniert. Bei Protesten gegen die Invasion warfen Jugendliche Steine auf Panzerwagen. Diese seien mit Tränengas und Schüssen beantwortet worden, hieß es bei Al-Dschasira, wobei mindestens 80 Personen verletzt worden seien. Bereits am Dienstag wurde Ramallah, wo sich der Sitz der Palästinensischen Nationalbehörde befindet, zum Ziel israelischer Gewalt. Bei einem Überfall auf die einzige Bank im Westjordanland, die noch Geschäfte mit Auslandsdevisen abwickelt, soll die israelische Polizei dort am Dienstag rund 1,5 Millionen Schekel (rund 384.000 Euro) gestohlen haben. Israelische Besatzungstruppen seien in das Geldhaus in Ramallah eingedrungen und hätten mit scharfer Munition und Tränengas um sich geschossen, hieß es bei Jerusalem Post. Laut dem Rettungsdienst Roter Halbmond wurden 58 Palästinenser verletzt, darunter ein 13jähriger und zwei Schwangere. Die Polizei nahm laut AFP neun Personen fest.
Am Donnerstag soll eine Gruppe israelischer Siedler nordöstlich von Ramallah palästinensische Hirten angegriffen und rund 300 Schafe gestohlen haben, berichtete WAFA. Israelische Besatzungstruppen hätten daraufhin den Krankenwagen blockiert, in dem ein Hirte abtransportiert werden sollte. Tags zuvor sollen Siedler auch südlich von Hebron Hirten und deren Vieh attackiert haben. Diese Angriffe sind Teil fortgesetzter Säuberungsaktionen in der Gemeinde Masafer Yatta und im Gebiet der Südhebronhügel. Nach Angaben eines WAFA-Korrespondenten brachte »eine Gruppe bewaffneter Kolonisten« mehr als 30 Wohnwagen in das Gebiet nahe dem Dorf Deir Rasih, um einen rechtswidrigen Außenposten zu erweitern. Diese selbst nach israelischem Recht illegale Gemeinde ist vergangenen Dezember errichtet worden, nachdem Siedler unter dem Schutz israelischer Soldaten mittels Bulldozer knapp 40 Hektar Land der Familie Amro zerstört hatten. Am Mittwoch soll ein anderer illegaler Außenposten in Masafer Yatta erweitert und ein gänzlich neuer errichtet worden sein.
Das israelische Militär kollaboriert mit den Siedlerfaschisten, um den Menschen im Westjordanland systematisch die Grundlage zu nehmen, sich selbst zu versorgen, und sie so von ihrem Land zu vertreiben. Am vergangenen Sonnabend haben israelische Streitkräfte in der Ortschaft Al-Mughajir bei Ramallah zunächst mehr als 30 Häuser gestürmt und Eigentum sowie Fahrzeuge zerstört. Daraufhin haben sie über 3.000 Olivenbäume zerstört, wie Al-Dschasira berichtete. Die Besatzungsarmee erklärte, die Bäume stellten eine »Sicherheitsbedrohung« für eine israelische Straße dar. Die Olivenbäume im Westjordanland sind eines der zentralen Symbole für die palästinensische Identität, und sie sind oft mehrere tausend Jahre älter als der siedlerkolonialistische Staat Israel.
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