Jetzt zwei Wochen gratis testen.
Gegründet 1947 Montag, 24. Juni 2024, Nr. 144
Die junge Welt wird von 2801 GenossInnen herausgegeben
Jetzt zwei Wochen gratis testen. Jetzt zwei Wochen gratis testen.
Jetzt zwei Wochen gratis testen.
Aus: Ausgabe vom 04.02.2022, Seite 11 / Feuilleton
Holocaust

Mangelndes Wissen

Die US-Schauspielerin Whoopi Goldberg ( »Die Farbe Lila«, »Sister Act«) ist nach Kritik an Äußerungen zum Holocaust während einer TV-Sendung vorübergehend von ihrem Arbeitgeber ABC suspendiert worden. Goldberg habe sich zwar entschuldigt, sei aber wegen ihrer »falschen und verletzenden« Äußerungen dennoch für zwei Wochen als Komoderatorin der Talkshow beurlaubt worden, teilte die Präsidentin von ABC News, Kim Godwin, nach Angaben des Senders in der Nacht zum Mittwoch mit. Goldberg hatte am Montag (Ortszeit) in der Sendung »The View« behauptet, im Holocaust sei es »nicht um Volkszugehörigkeit (race)« gegangen, der Holocaust zeige die »Unmenschlichkeit des Menschen gegenüber anderen Menschen«. Sie fügte hinzu, beim Völkermord der Nazis an den Juden sei es vielmehr um »zwei Gruppen weißer Menschen« gegangen. Später nahm die 66jährige Afroamerikanerin ihre Äußerungen zurück und entschuldigte sich.

Godwin bat Goldberg in ihrer Mitteilung, sich Zeit zu nehmen, um über die Auswirkungen ihrer Kommentare nachzudenken – und zu lernen. »Es steht außer Frage, dass es beim Holocaust um Volkszugehörigkeit (race) ging«, sagte der Chef der Anti-Defamation League, Jonathan Greenblatt, am Dienstag in einem klärenden TV-Gespräch mit Goldberg. Kern der Naziideologie sei ein auf der Volkszugehörigkeit basierender Antisemitismus gewesen, bei dem es um die systematische Vernichtung des jüdischen Volkes gegangen sei. »Das mag sich anders anfühlen als die Art und Weise, wie wir im Amerika des 21. Jahrhunderts über Volkszugehörigkeit (race) denken, wo es in erster Linie um nichtweiße Menschen (People of Color) geht.« Verschiedene jüdische Gruppen sahen Goldbergs Äußerungen als Beispiel für die zunehmende Unwissenheit über den Völkermord der Nazis. (dpa/jW)

Mehr aus: Feuilleton