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Aus: Ausgabe vom 22.02.2021, Seite 10 / Feuilleton
Deak

Ehrentitel Döner

Wann ist ein Döner ein Döner? Das Thüringer Lebensmittelüberwachungsamt räumt auf
Von Dusan Deak
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Nicht jeder Döner macht schöner

Döner darf nicht mehr Döner heißen. Das entschied die in Weimar ansässige zentrale Dönerbehörde. Nur Fleischerzeugnisse, die nach dem deutschen Dönerreinheitsgebot hergestellt sind, dürfen weiterhin den Ehrentitel Döner tragen. Ein echter Döner besteht demnach ausschließlich aus Rind-, Kalb- oder Schafsfleisch mit höchstens 60 Prozent Hackepeter. Alles andere, was wie Döner aussieht und schmeckt, aber keiner ist, heißt demnächst »Drehspieß im Fladenbrot«. Da gibt es vom Thüringer Lebensmittelüberwachungsamt kein Pardon. Und ehrlich gesagt, wer soll es besser wissen, was in das liebste türkische Fleischgericht der Deutschen hineingehört als die Thüringer? Alternative Namensvorschläge zu Döner wie »Türkenkuss« oder »Osmanenkopf« konnten sich gegen »Drehspieß im Fladenbrot« nicht durchsetzen und auch »Schnitzel Istanbuler Art« bekam nicht wirklich eine faire Chance.

Die aus den USA importierte, beliebte Frikadelle namens Hamburger könnte demnächst auch eine Namenskorrektur erfahren und fortan »schmale, furztrockene Bulette nach Bremer Art« heißen. »Pusztasalat«, eine Phantasieerfindung deutscher Fooddesigner aus den 60ern, die der begrenzten Vorstellungskraft deutscher Konsumenten über Ungarn entsprach, könnte nach Auffassung des Thüringer Lebensmittelüberwachungsamtes bald ebenfalls eine neue Bezeichnung bekommen. Angeblich sind die Puszta-Geschmacksanteile des Produkts im Verhältnis zu denen des Piroschkagewürzes zu wenig ausgeprägt, was nach einer neuen geschmacklichen Standortbestimmung verlangt. Wichtige Bedingung: Der gesuchte Name sollte möglichst nicht länger als zwei DIN-A4-Seiten sein. Die besten Chancen hat zur Zeit »Eingelegte Steppengras-Husarenspatzen vom Drehspieß mit scharf«.

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