Zum Inhalt der Seite
Corona

Und Gott schimpfte

Und bevor es sich also zutrug an diesem denkwürdigen Donnerstag abend in Essen, sagte Gott der Herr angeblich: »Und so kommet zahlreich in mein Haus und singet Lieder, die mir und meinem Werke schmeicheln, 90 Schäfchen will ich sehen, oder mehr, ach, nein, das wäre vermessen – und lasset zu Hause die Masken, da sie den Schönklang eurer Stimmen stumpf werden lassen wie Nebel, und rücket dicht zusammen, denn draußen in der Welt ist es kalt, und so werden eure Herzen wieder warm.« In Wirklichkeit freilich sagte Gott der Herr: »Schön, dass ihr so zahlreich hier seid, liebe Rentnerinnen und Rentner, aber jetzt gefälligst Masken auf, ihr blöden Arschlöcher, und Abstand halten!« Aber hören konnte die Worte leider niemand, denn der Gesang war sehr laut an diesem Abend und die Schäfchen recht betagt und sowieso schon einigermaßen taub. Was dazu führte, dass auf einmal die Polizei erschien, sämtliche Teilnehmer Anzeigen erhielten und nach Hause gehen mussten. Amen. (msa)

→ Sie können uns auch mit einer Spende unterstützen
Erschienen in der Ausgabe vom 23.01.2021, Seite 10, Feuilleton

Wie hat Ihnen dieser Artikel gefallen?

→ Teilen und weiterempfehlen
Solidarität jetzt!

Das Verwaltungsgericht Berlin hat entschieden und die Klage des Verlags 8. Mai abgewiesen. Die Bundesregierung darf die Tageszeitung junge Welt in ihren jahrlichen Verfassungsschutzberichten erwahnen und beobachten. Nun muss eine höhere Instanz entscheiden.

In unseren Augen ist das Urteil eine Einschränkung der Meinungs- und Pressefreiheit in der Bundesrepublik. Aber auch umgekehrt wird Bürgerinnen und Bürgern erschwert, sich aus verschiedenen Quellen frei zu informieren.

Genau das aber ist unser Ziel: Aufklärung mit gut gemachtem Journalismus. Sie können das unterstützen. Darum: junge Welt abonnieren für die Pressefreiheit!