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Aus: Ausgabe vom 25.09.2020, Seite 3 / Schwerpunkt

Hintergrund: Manöver in Permanenz

Auf beiden Seiten der Grenze zwischen NATO und dem russisch-belarussischen Unionsstaat herrscht zur Zeit Manöverhochbetrieb. So üben seit dem 14. September im westbelarussischen Bezirk Brest russische und belarussische Einheiten zusammen die Abwehr von »Terroristen« und »äußerer Einmischung«. Russland ist dabei mit drei Bataillonen verschiedener Fallschirmjägerdivisionen vertreten, auch strategische Luftstreitkräfte sind beteiligt: Demonstrativ überflog in dieser Woche ein Langstreckenbomber vom Typ Tupolew Tu-160 das Übungsgelände. Eine Staffel Jagdbomber vom Typ Suchoi Su-30 startete unterdessen von ihrer Basis nordwestlich von Moskau und bombardierte angenommene Ziele auf einem Übungsgelände im Westen von Belarus. Die politische Aussage ist klar: Russland will seine Fähigkeit und seinen Willen demonstrieren, das Territorium des Unionsstaats zu verteidigen. Und das nächste gemeinsame Manöver ist bereits für den Oktober angekündigt.

Moskau spielt insofern der NATO ihre eigene Melodie vor: durch die rotierende Anwesenheit immer neuer militärischer Verbände quasi eine Dauerpräsenz herzustellen. Konservative US-Thinktanks wie das in Washington ansässige »Institute for the Study of War« machen daraus eine schleichende russische Besetzung von Belarus – in der Sache wenig glaubhaft, denn mit Truppen in Regimentsstärke lässt sich ein Land von 207.000 Quadratkilometern sicherlich nicht okkupieren.

In Litauen verstärkt derweil die US-Armee ihre Präsenz. Anfang September waren einige hundert US-Soldaten in das baltische Land verlegt worden, und sie sollen bei ihrem Abzug im November alsbald durch andere US-Einheiten ersetzt werden. Das Verteidigungsministerium in Vilnius betonte, die Übungen seien seit langem geplant gewesen und stünden nicht im Zusammenhang mit »aktuellen Entwicklungen in der Region«. Zusätzlich zu den eingeflogenen US-Truppen ist in Litauen auch noch eine etwa 1.000 Mann starke multinationale Kampfgruppe unter Führung der Bundeswehr stationiert. Worauf die sich vorbereitet, macht die Selbstdarstellung von Panzerkommandant David S. auf der Seite der Bundeswehr deutlich:

»Das Auftragsspektrum in Litauen ist sehr abwechslungsreich. Vom klassischen Gefechtsdienst, dem Panzerschießen im Verbund, bis hin zur statischen und dynamischen Waffenschau (…) infanteristische Ergänzungsausbildung (…) Durchschlageübung Autumn Storm (…) Eine spezielle Winterkampfausbildung Cold Weather Exercise hat unsere Kenntnisse über die besonderen Fertigkeiten des Kampfes im Winter vertieft.« Wo braucht man die bloß, wo es doch in Deutschland praktisch keine Winter mehr gibt? (rl)

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