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27.07.2020
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Die vierte Welle
Während sich der Bürger Sorgen um die zweite Coronawelle macht, befindet sich Attila Klaus Peter Hildmann bereits mitten in der vierten. Diese zeichnet sich aus durch einen ausgeprägten Verstandes- und Kontrollverlust, intellektuelle und moralische Verwahrlosung, sozialen Abstieg und eine hohe Aggressivität. Zwar versucht Hildmann, seinen pathologischen Persönlichkeitswechsel durch unbeabsichtigten, irrtümlichen Konsum von Fleisch Anfang Mai zu erklären, seine Aggressivität und unbändige Wut allerdings würde nach einem Konsum von mindestens drei Ochsen täglich verlangen.
Neue wissenschaftliche Ansätze zur Coronaforschung sehen den Ursprung der Pandemie weder auf dem Lebendtiermarkt in Wuhan zwischen Schuppentieren und Fledermäusen noch in einem unbeabsichtigten Virus-Outbreak aus einem chinesischen Biolabor. Nach diesen Erkenntnissen könnte der Ursprung der Coronainfektion in einem falsch zubereiteten Tofugulasch liegen. Der Verdacht erhärtet sich, dass Hildmann in seinem Kochbuch »Vegan for Fun« ein fehlerhaftes oder unvollständiges Rezept veröffentlichte und damit den Grundkeim für Covid19 legte.
Um davon abzulenken, leugnet Hildmann nicht nur die positiven Seiten von Corona – wie sauberes, klares Wasser in Venedigs Kanälen und bessere Luft im Schwarzwald –, sondern leugnet die bloße Existenz des Virus. Für Hildmann ist Corona eine fiese Erfindung von Bill Gates, Volker Beck und den anderen allgemein bekannten Verschwörern, für die er umgehend die Todesstrafe verlangt.
Zu einer fünften Welle wird es bei Attila Klaus Peter Hildmann wohl nicht mehr kommen. Das Risiko besteht, dass er demnächst von einem seiner ungeduldigen Mitpatienten – aus Versehen – beim Zubereiten einer veganen Hundespeise mit dem Kochlöffel erschlagen und aus seinem Elend erlöst wird.
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