Zu den Videos der jW-Lesewoche >
Gegründet 1947 Donnerstag, 22. Oktober 2020, Nr. 247
Die junge Welt wird von 2422 GenossInnen herausgegeben
Zu den Videos der jW-Lesewoche > Zu den Videos der jW-Lesewoche >
Zu den Videos der jW-Lesewoche >
Aus: Ausgabe vom 10.07.2020, Seite 11 / Feuilleton

Der Preußen Weltmuseum

Immer mehr Details aus dem 278-Seiten-Papier werden bekannt, in dem der Wissenschaftsrat die Zerschlagung der größten deutschen Kulturinstitution empfiehlt. Mit dem Gutachten zur Stiftung Preußischer Kulturbesitz war der Rat von Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) beauftragt worden, gemäß dem Koalitionsvertrag der Bundesregierung. Zentrales Ergebnis des Papiers, das am Montag auch offiziell vorgestellt werden soll, ist die »strukturelle Überforderung« der Stiftung, die Museen, Bibliotheken, Institute und ein Archiv unter ihrem Dach vereint. Die Einrichtungen drohten »teilweise den Anschluss an aktuelle Entwicklungen und Debatten zu verlieren, auch und insbesondere in internationaler Perspektive«, heißt es nach Angaben der dpa in dem Schreiben des Rats. Näher eingegangen wird demnach auf die Kooperation mit dem Humboldt-Forum, das im kommenden Jahr im wieder aufgebauten Hohenzollernschloss in Berlin eröffnet werden soll. Da auf seiten von Stiftung und Museen »Zuständigkeiten und Entscheidungskompetenzen nicht klar verteilt« seien, gäbe es bei der Vorbereitungen von Ausstellungen »Konfliktpotential«. Die Institutionen seien »komplex« miteinander verflochten, das sei »für Außenstehende, insbesondere aus dem internationalen Raum, unverständlich und schafft Verwirrung«. Eine Ausgliederung der staatlichen Museen Berlins käme nach Einschätzung des Rats dem Umbau der Museumsinsel zu einem »Weltmuseum« entgegen. Grütters hat gegenüber dpa erklärt, dass »möglicherweise nicht alle Empfehlungen 1:1 umgesetzt werden können«. Eine Zerschlagung der Stiftung ist aber sehr wahrscheinlich. In dem Etat der Institution mit etwa 2.000 Mitarbeitern sind für das laufende Jahr fast 336 Millionen Euro an Ausgaben vorgesehen. Die Subventionen kommen nach einer Vereinbarung von 1996 zu 75 Prozent vom Bund und zu 25 Prozent vom Land Berlin. (dpa/jW)

Mehr aus: Feuilleton