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24.12.2019
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Halbzeit!
SPD-Halbchefin Saskia Esken (wird öfters im Zusammenhang mit künstlicher Intelligenz erwähnt) wurde in Vorbereitung der »Halbzeitbilanz« der Groko-Regierung in der vergangenen Woche ungewohnt deutlich: »Wir werden bei unserem Treffen nicht nur Weihnachtsplätzchen essen und Kaffee trinken« versprach die resolute exstellvertretende Vorsitzende des Landeselternbeirats Baden-Württemberg aus dem schwäbischen Calw. Aus sicherer Quelle ist nach der Zusammenkunft durchgesickert, dass auch Dresdner Christstollen auf der Speisekarte stand. Als zweiten Gang gab es Truthahnhäppchen und drei Schachteln Nürnberger Lebkuchen von Selbstversorger Markus Söder. Teilnehmer hatten Tofumaultaschen mit Dinkelschupfnudeln, vegane Metzlesuppe oder noch Schlimmeres befürchtet.
Zwei Kellner kassierten vorsorglich die persönlichen Passwörter von Mitarbeitern Eskens, ein Zimmermädchen aus Litauen (ausreisepflichtig) wurde wegen Illoyalität fristlos entlassen.
Das Allensbacher Noelle-Neumann-Instituts für interne Internetuntersuchungen wandte sich an die verbliebenen SPD-Mitglieder mit der Frage: »Würden sie dieser Frau (Saskia Esken) gerne im Dunkeln begegnen?« Die Ergebnisse entsprachen den Erwartungen. 44 Prozent der Befragten änderten umgehend ihr Whats-App-Passwort, 75 Prozent kündigten ihren sicheren, unbefristeten Arbeitsplatz und die restlichen 27,3 Prozent traten dem CDU-Elternbeirat in Würm-Heckengäu bei.
Die Londoner Buchmacher geben der neuen SPD-Führung 250 Tage bis zur Ablösung. Das wären 28,8 Tage mehr, als den letzten zehn HSV-Trainern im Durchschnitt zur Verfügung standen. Vermutlich wird der SPDxit (SPD unter zehn Prozent) früher kommen.
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