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Aus: Ausgabe vom 24.06.2019, Seite 2 / Ausland
USA gegen Iran

Cyberattacke auf den Iran

USA bauen weiter Drohkulisse auf. Angriff auf iranische Computersysteme
Von Karin Leukefeld
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Partner in antiiranischer Rhetorik: Israels Premier Netanjahu (r.) und US-Sicherheitsberater Bolton am Sonntag in Jerusalem

Nachdem die iranischen Revolutionsgarden am vergangenen Donnerstag eine US-Drohne abgeschossen hatten, bereitete sich das US-Militär zunächst auf einen Angriff gegen den Iran vor. Präsident Donald Trump hatte den Befehl dazu bereits erteilt, dann aber seine Entscheidung zurückgenommen. Anstelle eines militärischen Angriffs ordnete er allerdings eine Cyberattacke an, wie US-Medien am Sonntag berichteten. Ziel seien iranische Computersysteme gewesen, die den Abschuss von Raketen kontrollieren. Der Angriff sei vom US-Cyberkommando und dem für den Nahen und Mittleren Osten zuständigen Zentralkommando der US-Streitkräfte durchgeführt worden. US-Sicherheitsberater John Bolton hatte erst vor wenigen Tagen eine Cyberoffensive gegen Russland, Iran, China und Nordkorea angekündigt.

Der Iran äußerte sich zu möglichen Cyberangriffen nicht. Das Außenministerium in Teheran veröffentlichte statt dessen Kartenmaterial, auf dem die Flugbahn der abgeschossenen Drohne dargestellt ist. Mehrmals sei die Drohne gewarnt worden, nicht in den iranischen Luftraum einzudringen. In unmittelbarer Nähe sei zudem ein US-Spionageflugzeug vom Typ P-8 mit 35 Soldaten an Bord geflogen. Die US-Administration solle bedenken, dass ein »falsches Handeln« gravierende Folgen haben könnte, erklärte am Sonntag Generalmajor Gholam-Ali Rashid vom Generalstab der iranischen Streitkräfte auf dem Webportal der Revolutionsgarden. »Zumindest mit dem Leben ihrer Soldaten sollten die Amerikaner gewissenhaft umgehen und es nicht unnötig gefährden.«

Unterdessen warnte Bolton den Iran am Sonntag deutlich. »Unser Militär ist wieder aufgebaut, neu und jederzeit einsatzbereit, bei weitem das beste der Welt«, sagte er bei einem Treffen mit dem israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu in Jerusalem. Präsident Trump habe einen geplanten Angriff auf den Iran nur »zum gegenwärtigen Zeitpunkt« gestoppt, betonte er. Die USA werden laut Bolton weitere scharfe Sanktionen gegen den Iran verhängen. Die New York Times berichtete, er werde bei seinem Besuch auch israelische Experten treffen, die in der Vergangenheit mehrfach Angriffe auf die iranischen Atomanlagen simuliert hätten. Israel habe vor einem Jahrzehnt gemeinsam mit den USA eine Cyberattacke auf iranische Atomeinrichtungen unternommen.

Leserbriefe zu diesem Artikel:

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