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Hessen

Pi mal Daumen

Wie sich im nachhinein herausstellt, wurden die Ergebnisse der hessischen Landtagswahl nicht ausgezählt, sondern nur grob geschätzt. Demnach hat die CDU nach dem offiziellen amtlich geschätzten Endergebnis genau Pi mal Daumen geschätzte 27 Prozent erreicht, SPD ungefähr genau 19,8 Prozent und die Grünen genau geraten ebenfalls 19,8 Prozent. Für die Grünen haben die ehrenamtlichen Stimmenzähler anschließend beim Äppelwoi Zum Blauen Bock einvernehmlich festgestellt, dass diese einen Stimmenvorsprung von 90 Stimmen vor der SPD zugesprochen bekommen. Eine Art von Wählerwanderung, die man bis dahin nicht kannte.

Damit könnten die Grünen den Ministerpräsidentenposten beanspruchen.

Das kann sich bald ändern, wenn demnächst, wie es aussieht, neu nachgeschätzt werden muss und festgestellt wird, dass die SPD die Hessenwahl haushoch gewonnen hat. Es könnte sein, dass aus den hessischen schwarz-grünen Koalitionsphantasien bald ein handfestes Märchen wird.

Schon jetzt verlangen SPD und FDP, dass ehrenamtliche Wahlstimmenschätzer nachgeschult werden müssen, damit die Stimmschätzungen günstiger ausfallen. SPD verweist mit Recht auf vergangene Landtagswahlen, bei denen die Partei in amtlich offiziell geschätzten Endergebnissen deutlich besser abgeschnitten hatte.

Warum man allerdings um die paar Stimmen dieses Ballyhoo macht, ist dem Bürger schwer zu vermitteln. Falls der heutige Trend für die SPD anhält, wird es auf die wenigen Nachkommastellen hinter der Null ohnehin bald nicht mehr ankommen.

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Erschienen in der Ausgabe vom 15.11.2018, Seite 11, Feuilleton

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