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09.08.2017
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Mehr denken
In der Debatte um die koloniale Vergangenheit ethnologischer Sammlungen gibt es nach Expertenmeinung großen Nachholbedarf. »Die Diskussion ist bitter nötig«, sagte die Sozialanthropologin Katharina Schramm (FU Berlin) in einem Gespräch mit der dpa. »Gerade bei so einem ambitionierten Haus wie dem Humboldt-Forum muss sie mit großer Offenheit und Transparenz geführt werden.« Das Humboldt-Forum soll 2019 als Kultur- und Museumszentrum im rekonstruierten Berliner Schloss öffnen. Schwerpunkt wird die völkerkundliche Sammlung der Stiftung Preußischer Kulturbesitz sein. Allein der »bombastische Bau« wird nach Einschätzung von Schramm eine kritische Auseinandersetzung mit den Objekten erschweren. »Das Konzept setzt stark auf die Neugier der Besucher und den spektakulären Charakter der Schaustücke«, sagte sie. »Wie will man das mit einem kritischen Blick verknüpfen? Dazu ist bisher zuwenig gesagt, zuwenig gedacht worden.«
Die Klärung der Herkunft der Objekte dürfe sich zudem nicht nur auf die Frage konzentrieren, ob sie den Herkunftsgesellschaften geraubt wurden. »Auch Schenkungen und Ankäufe stehen in kolonialen Zusammenhängen. Frühe Formen touristischer Souvenirs wie Speere und Trommeln kamen massenweise in die europäischen Sammlungen«, sagte Schramm. »Das hat entscheidend dazu beigetragen, stereotype Bilder sogenannter außereuropäischer Kulturen zu verfestigen und dabei postkoloniale Verflechtungen zu verwischen.« Dies müsse im Umgang mit den Sammlungen viel mehr deutlich gemacht werden. Auslöser der Debatte war der Rücktritt der französischen Ethnologin Bénédicte Savoy aus dem Beraterkreis des Humboldt-Forums. Sie hatte den Verantwortlichen vorgeworfen, sich nicht genügend um die Aufklärung des kolonialen Erbes zu bemühen. (dpa/jW)
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