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20.07.2017
- → Feuilleton
Bratwurst
Von Juni bis August droht das öffentliche Sommerfest. Ob es sich dabei um einen längst entpolitisierten exhibitionistischen »Christopher Street Day«-Gaudiburschen-Aufmarsch oder um ein Arschgesichter-Defilee des lokalen Schützenvereins handelt – es gilt immer die gleiche Regel: Wer mit dem Sehen-und-gesehen-werden-Killefitt nichts anfangen kann, halte sich an die Bratwurst.
Das ist besonders vergnüglich, wenn man einmal beim Notting Hill Carnival in London böse schwarze Männer hat singen hören: »Yes it’s true, they’re quite polite, / but don’t forget: they still are white« und dann einen deutschen sozialdemokratisch-grünen Abklatsch erlebt, der einer Erbsensuppe gleicht. Bei Muliti-Kulti-Veranstaltungen immer ausschließlich Bratwurst bestellen; multikulti essen wir zu Hause.
Das Sommerfest, auf das ich mit einem befreundeten Paar geriet, war verregnet. Die Bratwurst war passabel, aber ein eher wenig musikalisches Duo zwackte mit Liedgut wie »Griechischer Wein«, »Wann wird’s mal wieder richtig Sommer?« oder »Ein Bett im Kornfeld« arg an den Trommelfellen herum.
»Ich glaube, die Band heißt auch Bratwurst«, seufzte ich; der männliche Teil des Paares nahm den Faden sofort auf: »Und ihr größter Hit heißt ›Curry me home‹«. Ein neuer Stern ging auf am Kalauer-Himmel; da wusste einer, dass die Kunst des gemeinsamen Kalauerns sich vollzieht wie das Zusammenspiel von Dembélé und Aubameyang: Die Situation erfassen und überschauen, schnell und präzise passen, und dann das Ding elegant versenken! Dafür kann man schon mal ein Sommerfest in Kauf nehmen.
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