Aus: Ausgabe vom 23.05.2017, Seite 10 / Feuilleton

Kein Märchen aus 1001 Nacht

Faten El-Dabbas, Jahrgang 1990, ist als Tochter palästinensischer Flüchtlinge in Berlin aufgewachsen und Muslimin. Seit 2012 hat sie sich bei Poetry Slams einen Namen gemacht. Nun liegt »Keine Märchen aus 1.001 Nacht«, ihr erster Lyrikband, in einer überarbeiteten zweiten Auflage vor. Darin präsentiert sie ihre Texte in Deutsch und Arabisch.

»Märchen verwandelten das Morgenland in einen Ort des Träumens, der Phantasie, der Geheimnisse, der Liebe, der Gerechtigkeit. In einen Ort, an dem am Ende der begabten Erzählerin Sherazade durch den Sultan Gnade gewährt wird, indem sie jeden Abend die Geschichten weitererzählt. Ja, ihre Erzählungen hielten sie am Leben«, schreibt sie und entspinnt in ihren Texten eine Dialektik zwischen Märchen und Antimärchen, zwischen Mythologie und Realität, geprägt von der autoritären Politik des israelischen Staats in den besetzten Gebieten: »Atempause / Feuerpause / Für eine Tasse Tee / Damit ich sie genieße / Im Schein der Kanonen.« Im Titelgedicht ihres Gedichtbandes »Kein Märchen aus 1001 Nacht« liest sich das so: »Ich mache dann Ali Baba nach und rufe: / Blockade öffne dich! / Blockade öffne dich! / Blockade öffne dich! / Aber nichts geschieht. / Und ich habe keinen Teppich / Um über die Mauer nach Jerusalem zu fliegen / Und ich kann Sindbads Segel nicht setzen / Weil sie meine See blockieren.«

El-Dabbas, die bis 2012 noch nie in Palästina war, lässt den Leser erfahren, wie schwer es ist, gehört zu werden, wieviel Misstrauen und Unverständnis ihr entgegen schlägt: »Wer ich tatsächlich bin, kümmert sie nicht,denn / sie sehen mich als Außenseiterin, als Muslimin und als Frau. / Muss das alles sein, / dass ich mir die Finger verbrenne, / wenn ich die Hand reich’?« Faten El-Dabbas stellt ihr Buch heute in Berlin, ab 19.30 Uhr in der Ladengalerie der jungen Welt (Torstr. 6) vor. (jW)

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