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Aus: Ausgabe vom 18.04.2013, Seite 13 / Feuilleton

Gestorben: Hanna Podymachina

Die Antifaschistin und Kämpferin der Roten Armee Hanna Podymachina verstarb in der Nacht zum Mittwoch in einem Berliner Pflegeheim. Das erfuhr jW aus der Familie. Hanna Podymachina wurde 1924 in Berlin als Tochter kommunistischer Eltern geboren. Ihr Vater Rudolf Bernstein kam nach dem Reichstagsbrand 1933 in Haft und wurde im Prozeß gegen Georgi Dimitroff als Zeuge vorgeführt. 1934 gelang der Familie die Flucht in die Sowjetunion. Hanna Bernstein besuchte in Moskau die zweisprachige Karl-Liebknecht-Schule und meldete sich nach dem Abitur im Oktober 1942 zur Roten Armee. Sie arbeitete als Leutnant bis zum Kriegsende in der 7. Abteilung (zuständig für Propaganda unter den Truppen des Gegners) beim Stab der damaligen Südwestfront, die an der erfolgreichen Operation zur Einkesselung der 6. deutschen Armee in Stalingrad teilnahm. Sie entwarf Flugblätter und Texte für Lautsprecherpropaganda und wurde Mannschaftsmitglied eines Lautsprecherwagens, mit dem sie den Kampfweg der 3. Ukrainischen Front über die Ukraine, Moldawien, Rumänien, Bulgarien, Jugoslawien, Ungarn bis nach Österreich zurücklegte. Den Sieg der Alliierten erlebte sie in einem Lazarett in Wien.

Von 1945 bis 1949 arbeitete sie in der Sowjetischen Militäradministration in Deutschland (SMAD) unter Oberst Sergej Tulpanow. 1946 heiratete sie den sowjetischen Hauptmann Semjon Podymachin, mit dem sie 1949 zurück nach Moskau ging. Von 1953 bis 1960 war sie Chefdolmetscherin an der DDR-Botschaft. 1960 siedelte sie mit ihrer Familie nach Berlin über. In der DDR arbeitete sie bis ins Rentenalter als Dolmetscherin und engagierte sich in der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschisten (VVN-BdA) sowie im Verband Deutscher in der Résistance, in den Streitkräften der Antihitlerkoalition und der Bewegung »Freies Deutschland« (DRAFD). Sie erhielt von der sowjetischen und russischen Regierung zahlreiche Ehrungen, z. B. 2005 von Präsident Wladimir Putin. 2003 sagte sie im jW-Interview auf die Frage, ob sich ihr Einsatz im Krieg gelohnt habe: »Auch wenn unser Traum vom Sozialismus sich nach dem Krieg nicht erfüllt hat – der Frieden war es wert, die Kriege der Gegenwart sprechen doch für sich.«


Arnold Schölzel

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