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»Christliche« Gewerkschaften gelb

Mainz. Die Artos-Unternehmensgruppe mit Sitz in Dortmund hat den Christlichen Gewerkschaften jahrelang Leiharbeiter als Mitglieder zugeführt – häufig ohne Wissen der Betroffenen. Dem ZDF-Magazin »Frontal 21« liegt laut Vorabmeldung vom Dienstag eine Mitgliederliste der Christlichen Gewerkschaften mit rund 1500 Leiharbeitern aus dem Ruhrgebiet vor. Bei einer Stichprobe stellten »Frontal-21«-Reporter fest: Von 100 Befragten wußten nur vier von ihrer Mitgliedschaft. Die Artos-Gruppe ist an mehreren Zeitarbeitsfirmen beteiligt und hat 2004 einen Haustarifvertrag mit den Christlichen Gewerkschaften abgeschlossen, der Dumpingstundenlöhne von 4,81 Euro ermöglichte. Außerdem wurde den Leiharbeitern monatlich ein Gewerkschaftsbeitrag vom Lohn abgezogen. Auch das war den meisten Befragten nicht bekannt. Das bedeute, daß die Gewerkschaft »gegnerfinanziert« und damit nicht tariffähig sei, so Professor Peter Schüren, Arbeitsrechtler an der Uni Münster.

Nach Aussage mehrerer ehemaliger Mitarbeiter der Artos-Gruppe mußten alle Bewerber und Mitarbeiter die Beitrittserklärung zu den Christlichen Gewerkschaften unterschreiben. Die Leiharbeiter hätten bei Einstellung zwölf bis 15 Unterschriften leisten müssen – da sei die unter der Beitrittserklärung oftmals nicht aufgefallen. Nach Einschätzung des Fachanwalts für Strafrecht, Professor Tido Park aus Dortmund, besteht der Verdacht des »gewerbsmäßigen Betrugs« seitens des Zeitarbeitsunternehmens und der Beihilfe dazu bei Gewerkschaftsfunktionären.


(jW)
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Erschienen in der Ausgabe vom 09.03.2011, Seite 5, Inland

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