75 Ausgaben junge Welt für 75 €
Gegründet 1947 Sa. / So., 4. / 5. Dezember 2021, Nr. 283
Die junge Welt wird von 2593 GenossInnen herausgegeben
75 Ausgaben junge Welt für 75 € 75 Ausgaben junge Welt für 75 €
75 Ausgaben junge Welt für 75 €
Aus: Ausgabe vom 27.06.2009, Seite 16 / Aktion

Lektion 1: Friedensmission, Die (w.)

jW-Sommerakademie
Bild 1
Euphemistische Umschreibung in Deutschland für Kriegseinsatz, Kurzform: Krieg. Die »Friedensmission« erfolgt in der Regel im Kollektiv NATO. Die offiziell genannten Ziele einer »Friedensmission« variieren: neues Auschwitz verhindern, Brunnen bohren, Mädchenschulen bauen, Wahlen absichern, Menschenrechte durchsetzen, Piraten jagen.
Erstes Opfer einer »Friedensmission« der NATO war 1999 die Bundesrepublik Jugoslawien. Die von Gerhard Schröder (SPD) und Joseph Fischer (Bündnis90/Die Grünen) geführte Regierung machte es möglich, daß Belgrad zum dritten Mal im 20. Jahrhundert von Deutschen bzw. mit deutscher Beteiligung überfallen wurde. Im Inland verteidigte Rot-Grün das 78 Tage und Nächte andauernde Verbrechen als »humanitäre Intervention«. Bei der »Friedensmission« wurden mehr als 1000 Menschen getötet (von der NATO nicht bestätigt, s.u.), mehr als 200000 Serben, Juden und Roma wurden aus der Provinz Kosovo auf Dauer vertrieben.
Mit der »Friedensmission« einher geht eine neue deutsche Sprachregelung: »Besatzer«, etwa in Afghanistan, werden von den politisch und militärisch Verantwortlichen und ihnen angeschlossenen Leitmedien als »Koalitionstruppen« bzw. »internationale Schutztruppe« bezeichnet. Bei der »Friedensmission« getötete Soldaten sollen fortan »Gefallene« genannt und als solche geehrt werden. Bei einer »Friedensmission« getötete Zivilisten werden offiziell zunächst dementiert, dann nicht bestätigt, später als Taliban, Terroristen oder Aufständische bezeichnet. Wenn es sich nicht mehr vermeiden läßt, werden sie schließlich als bedauerlicher »Kollateralschaden« anerkannt, für den allerdings der Gegner die Verantwortung trägt.
Auch bei zunehmender Eskalation der »Friedensmission« darf diese wegen Verwechslungsgefahr nicht »Krieg« genannt werden. Achtung: »Krieg« ist ein Al-Qaida-Begriff (Zusatz: Heiliger), wie das Verteidigungsministerium in Berlin erklärte (siehe jW vom 25. Juni). (rg)

Weiterführende Studienliteratur: »STOPP NATO!«, Konstantin Brand, Karl Rehbaum, Rainer Rupp,GRH e.V.(Herausgeber); »NATO-Geheimarmeen in Europa«, Daniele Ganser; erhältlich im Online-Shop: www.jungewelt-shop.de

Zeitung gegen Profite mit der Gesundheit

Die junge Welt ist die einzige parteiunabhängige Tageszeitung, die Zeit Ihres Bestehens gegen Krieg und Faschismus angeschrieben hat. Wenn wir nun unseren 75. Geburtstag feiern, dann möchten wir das zusammen mit unseren Leserinnen und Lesern begehen.

Um dieses Jubiläum gebührend zu feiern, hat die junge Welt die 75er-Aktion. Schenken Sie sich, Ihren Lieben und der jW 75 Ausgaben für 75 Euro. Danach endet das Abo automatisch und muss nicht abbestellt werden.