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Leserbrief zum Artikel Faschismus: Der Dammbruch vom 08.02.2020:

Ätzende Kritik

»Es sind nicht die Nazis, die Sorge bereiten.« Ach nee! Bartels möchte also, wenn man es auf den Punkt bringt, dass wir alle riskieren, dass sich 1933 wiederholt. »Geschichte wiederholt sich nicht«, schreibt er; aber er möchte offenbar alles tun, damit sich heroische, aber lebensgefährliche Dummheiten wiederholen. »Kommunistische Ideen«? (Etwa: »Es lebe Sowjetdeutschland«?) Politik ist doch aber kein Spiel, es ist unser aller Leben. Und es geht um eine Lage, in der es für Die Linke gerade nicht gilt, mit fliegenden Fahnen oder auch mucksmäuschenstill unterzugehen, sondern wirksam und mit Verstand zu kämpfen. (Schon vergessen, dass es 1933 nur in einem einzigen Ort in Deutschland, in Mössingen im heutigen Baden-Württemberg, einen Generalstreik gegen den durch von Papen und Hugenberg so fein als scheinbar »völlig legal« inszenierten Naziputsch gab? Beim Kapp-Putsch war das noch gänzlich anders …) Zu kämpfen ist nun gegen diesen »Höcke-Putsch«! Mir egal, ob er »Durchbruch« oder »Dammbruch« heißen soll. Zu kämpfen ist also in einer »Volksfront« bzw. antifaschistischen Front, weit über »Rot-Rot-Grün« hinausreichend – gegen die Höckes und Gaulands! Und gegen ihre »schwarz-gelben« Verbündeten oder Steigbügelhalter. Und damit indirekt auch gegen Trump und Johnson, Macron und Merz! Für Abrüstung und Verständigung, gegen »Kanonen statt Butter«. Gegen den Sozialabbau! Gegen die »nationale Schande« der ständigen Unterordnung unter den Kriegskurs der USA in der NATO! Die Linken verschleiern nicht, wie Bartels meint, dass sie »nicht dazugehören«, sie gehören tatsächlich »dazu« - zur politischen und überhaupt gegenwärtigen Kultur des deutschen Spätkapitalismus. Deren Zerstörung durch nazistische Brutalität und Unkultur muss gemeinsam verhindert werden! Gemeinsam auch mit Menschen, die »den Kapitalismus« heute (noch) nicht ablehnen, ihn (noch immer) für umformbar halten oder (aktuell) als »Green New Deal« sogar beleben möchten. Das widerlegt sich am besten in der gesellschaftlichen Praxis. Schon bösartig ist die Inbezugsetzung von »Aufstehen« und Strasser-Flügel der NSDAP durch Bartels. Das zeugt primär von einem fundamentalen Nichtbegreifen der real existierenden Konkurrenzsituation von deutschen Arbeitern gegenüber billig-willigen Immigranten, und zwar Arbeitsimmigranten (denn das Asylrecht für politisch Verfolgte, i. d. R. ja linke Verfolgte, darf nicht in Frage stehen!) Wer die deutschen Arbeiter einfach »vergisst«, kann alles vergessen! Da Bartels aber auch mit der »Regenbogenlinken« bzw. den »Proeuropäern« in der Linken, mit Kipping und Co., nichts am Hut hat, muss er sich einfach mal selbst fragen, wofür – außer für »kommunistische« Floskeln – er tatsächlich steht. Für die sofortige Revolution? Ätzende Kritik dieser Art hilft nicht im antifaschistischen Kampf.
Volker Wirth, Berlin
Veröffentlicht in der jungen Welt am 12.02.2020.
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