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Flächenbrand am Golf
Konflikt im Jemen spitzt sich weiter zu. Iran und USA beschießen Öltanker in Hormus
Ein iranischer Öltanker brennt und sinkt vor der Küste Omans: Aufnahmen des US-Militärs zeigen einen von fünf iranischen Schiffen, die US-Streitkräfte am Dienstag zerstörten. Die Besatzungen seien zuvor zum Verlassen der Tanker aufgefordert worden, berichtete AP.
Es war bereits die zweite Angriffswelle gegen Irans Tanker binnen weniger Tage. Zuvor hatten in der vergangenen Woche die USA drei iranische Schiffe zerstört. Washington stellte beide Wellen als Vergeltung für iranische Raketenangriffe auf eigene Schiffe dar – die allerdings wiederum auf vorausgegangene US-Angriffe folgten. Diese »Vergeltung« haben die USA inzwischen zur Regel erklärt: Jede iranische Attacke auf ein US-Kriegsschiff soll künftig mit der Zerstörung eines iranischen Tankers beantwortet werden. Die Logik ist eindeutig: Die USA greifen an – Teheran soll stillhalten.
Auch im Jemen eskaliert der Krieg weiter. In der Nacht zum Mittwoch wurden von der Ansarollah kontrollierte Gebiete in mehreren Provinzen aus der Luft angegriffen. Die Ansarollah meldeten 32 Bombardements auf Taiz, Hodeida, Al-Dschauf und Marib. AP bestätigte am Mittwoch die Angriffe auf militärische Einrichtungen in Al-Dschauf und Marib; Saudi-Arabien äußerte sich zunächst nicht.
Die Luftschläge folgten auf Angriffe der Ansarollah mit Raketen und Drohnen gegen Saudi-Arabien vom Dienstag. Zugleich führten saudisch unterstützte Regierungstruppen im Jemen eine Offensive an mehreren Fronten durch. Der seit 2022 weitgehend eingefrorene Konflikt ist damit wieder in einen offenen Luft- und Bodenkrieg übergegangen.
Die Schauplätze sind inzwischen strategisch miteinander verbunden: Der Krieg am Persischen Golf beeinträchtigt den Verkehr durch die Straße von Hormus und erhöht damit die Bedeutung der saudischen Exportwege zum Roten Meer. Zugleich eskaliert der Krieg im Jemen entlang der Route, auf die die Saudi-Diktatur ausweicht. Der US-Iran-Krieg und der wieder aufgeflammte Jemenkrieg bilden zunehmend zwei Fronten eines regionalen Konflikts um dieselben Verkehrs- und Energieachsen.
Der neue Jemenkrieg lässt sich dennoch nicht allein als Nebenfront des Konflikts mit Iran erklären. Die saudisch gestützte Regierung im Jemen ist derzeit auch deshalb offensivfähig, weil sie Anfang des Jahres den von den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) unterstützten Southern Transitional Council zurückdrängen konnte. Die jahrelange Konkurrenz innerhalb des Anti-Ansarollah-Lagers ist damit zumindest vorläufig entschärft.
Die Provinz Al-Dschauf bildet einen wichtigen Zugang zum Kerngebiet der Ansarollah um Sanaa. Wie weit die Offensive tatsächlich vorankommt, ist schwer zu beurteilen. Auch das Ausmaß der Luftangriffe bleibt unklar. Die Ansarollah sprechen von 121 Bombeardements binnen drei Tagen und mindestens 21 Toten in Al-Dschauf. Unabhängig bestätigt sind diese Angaben nicht. Damit treffen zwei Entwicklungen aufeinander: Der regionale Krieg um Iran verstärkt die strategische Bedeutung Jemens, während sich zugleich das Kräfteverhältnis innerhalb des Landes verändert hat. Selbst eine Entspannung am Golf würde den Krieg daher kaum automatisch beenden.
Die Eskalation bleibt nicht auf den Golf und Jemen beschränkt. Die Revolutionsgarden forderten die Besatzungen von Tankern in Kuwait und Bahrain auf, ihre Schiffe unverzüglich zu verlassen. Zur Begründung verwiesen sie darauf, dass beide Staaten US-Streitkräfte beherbergten und die US-amerikanischen Angriffe unterstützten. In den VAE wurden unterdessen zwei weitere Schiffe beschädigt; die Urheberschaft blieb zunächst ungeklärt.
Auch außerhalb der unmittelbaren Kriegszone verschärft sich die politische Frontstellung. Teheran drohte Südkorea mit »ernsten Konsequenzen«, falls es sich an der Sicherung der Straße von Hormus beteilige, so Al-Dschasira am Dienstag. Zugleich stehen Saudi-Arabien, die Türkei und Pakistan seit dem vergangenen Monat in einem Verteidigungsabkommen; Ankara stellte sich nach den jüngsten Angriffen demonstrativ hinter Riad. Saudi-Arabien, die Türkei und Pakistan rücken militärisch enger zusammen. Der Krieg erweitert damit nicht nur seine Fronten, sondern auch den Kreis der möglichen Kriegsparteien.
Der Effekt an den Märkten fällt entsprechend stark aus. Brent-Rohöl überschritt am Mittwoch erstmals seit dem 24. Juli die Marke von 100 US-Dollar je Barrel, der durchschnittliche Dieselpreis in den USA erreichte mit über 5,94 Dollar je Gallone ein historisches Hoch.
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