Dafür, dass Anne Carson so häufig ins Deutsche übersetzt worden ist und nun auch noch den Nobelpreis erhalten soll, habe ich deshalb keine Erklärung. Darum gebettelt hat die Frau jedenfalls nicht.
Als ich nach der Pressevorführung von »Alte Liebe« von einer Mitarbeiterin der betreuenden Agentur um eine Einschätzung gebeten wurde, habe ich in aller Ehrlichkeit geantwortet: »Mir hat die Stille gefallen.« – »Sonst noch irgend etwas?« – »Nö, der Film will ja auch nichts.«
AboEs ist paradox: Während weniger Bücher gelesen und vor allem weniger verkauft werden, steigt das Interesse am »Erlebnis« Buchmesse, am direkten Kontakt. »Die Rezeption ist heute eine andere«, sagt Buchmessendirektor Juergen Boos: »Wir sehen eine Entwicklung vom Leser zum Fan.«
AboWas Erich Mühsam vor dem Hintergrund von 1918/19 über die Sozialdemokraten sagte, lässt sich heute mühelos auf die Inkassounternehmen übertragen, nämlich dass es im ganzen Tierreich kein widerlicheres Geschöpf gebe.
Die Redaktion der Deutschlandfunk-Sendung »Systemfragen« hat einen Verdacht: Könnte es sein, dass die Coronakrise noch nicht vorbei ist? Dass die schlechte Stimmung im Land an einer Art »sozialem Long Covid« liegt?
Herr, es ist Zeit. Der Sommer war zu groß. / Kein Schatten auf des Landes Wasseruhren, / und auf den Fluren sind die Nazis los. // Den Früchtchen liegt es nah, randvoll zu sein; / sie freun sich auf die arischeren Tage: Die Rasse sucht Vollendung, keine Frage, (…)
Im September 1936 reiste Samuel Beckett ein halbes Jahr durch Deutschland und studierte die deutsche Avantgarde kurz vor dem Bildersturm der Nazis. Die Tagebücher dieser Sentimental Journey liegen jetzt vor
»Es ist die Leichtigkeit, die den Herrn am Tisch von der Putzfrau unterscheidet«: Haben die Verlagsvertreter bei dem Titel des Romans nicht die Stirnen gerunzelt? »Tod im Literaturhotel« wäre griffiger gewesen …
»Drehscheibe« ist ein merkwürdiges Wort. Es stammt aus der Geschichte des Eisenbahnverkehrs. Zur Zeit der Dampflokomotiven wurden in sehr vielen Bahnhöfen Drehscheiben gebaut.
In den vergangenen 25 Jahren haben der Berliner Künstler Carsten Nicolai (musikalisch als Alva Noto bekannt) und die japanische Elektroniklegende Ryuichi Sakamoto (Yellow Magic Orchestra) regelmäßig musikalische Zwiegespräche geführt und als Alben veröffentlicht.
Auch wenn die Kuba-Solidarität alles andere als bibliophob ist, tut sich die Buchwirtschaft schwer mit Lektüre über den sozialistischen Inselstaat. Matthias Gutsch hat mit seinem Reisebericht Verlage gleich ganz umgangen.
Bob Ross machte ein Vermögen mit dem Nachweis, dass er ersetzbar ist. Genau diese Abwesenheit künstlerischer Identität, die ein Gemälde von einer Abbildung unterscheidet, wurde seine Identität.