Feria 2009

Feria 2009

  • · Berichte

    Marktwirtschaft wagen

    Peter Steiniger
    Markt
    Da sind wir aber immer noch: Kuba-Orangen

    Erkundungen im kubanischen Alltag am Rande der 18. Internationalen Buchmesse von Havanna

    Die schweren Hurrikans vom letzten Herbst, die quer über die Insel pflügten, hatten vor allem die kubanische Landwirtschaft verwüstet. Eine Tragödie angesichts der ohnehin angespannten Versorgungslage. Kuba muß den größten Teil der benötigten Nahrungsmittel gegen knappe Devisen auf dem Weltmarkt kaufen. Umso wichtiger ist es, die Erzeugung im Land selbst anzukurbeln.

    Nach diesen Naturkatastrophen gab es auf den Bauernmärkten der Hauptstadt Havanna lange nichts zu holen. Abgesehen von Zwiebeln, Knoblauch und Malanga-Wurzeln war das Sortiment bis in den Dezember hinein wie leergefegt. Von einer »Bananenrepublik« konnte schon gar keine Rede mehr sein: Die langsam wachsenden Stauden waren an kaum einem Ort verschont geblieben.

    Verschiedene Mangelwaren wurden noch knapper. Die orkangestreßten Hühner wollten keine Eier mehr legen. Der schwarze und graue Markt, auf dem Milch, Fleisch, Meeresfrüchte und alles andere angeboten wird, was Werktätige zur Aufbesserung unzulänglicher Gehälter aus den Betrieben herausholen, tauchte ab. Die Händler wußten, daß in diesen Zeiten hart durchgegriffen wird.

    Die Versorgung über Bezugskarten, die libretas, mit einem Teil des Grundbedarfs zu stark subventionierten Preisen funktionierte auch in den schweren Monaten. Die Bäckereien arbeiteten. Der Staat hatte für einen solchen Notfall Reserven angelegt.

    Gemeinsam mit Mónica, die uns während der Messetage als Sprachmittlerin und Führerin durch den kubanischen Alltag unterstützt, teste ich den aktuellen Stand der kubanischen Marktwirtschaft. In Cojimar, einer Ansiedlung am östlichen Stadtrand von Havanna, wo sich einst Hemingway die Kante gab und mit dem alten Mann das Meer bereiste, reihen wir uns in die Warteschlangen an der örtlichen Verkaufsstelle »El Delfin« ein. Geöffnet ist an allen Wochentagen von 9 bis 17.30 Uhr, am Sonntag nur am Vormittag. »El último?« – »Wer ist der Letzte?« Da stehen wir.

    Auf den Kiepen vor uns türmen sich Berge von Vegetarischem, auch die fahlgelben »Kuba-Orangen« fehlen nicht. Es sind gute Saftlieferanten, während ihr strohiges Fruchtfleisch eher als Füllmaterial für Kissen oder Puppen taugt. Die DDR tauschte etliche Jahresproduktionen an MZ-Motorrädern gegen Schiffsladungen karibischer China-Äpfel. Mónica bestaunt mehr die krepligen, noch tiefgrünen Fruchtbananen. Diese hat sie in Havanna lange nicht zu sehen bekommen.

    Hier ist ganz sicher alles öko: Die Früchte sehen noch pflanzlich aus, mal dick, mal dünn, mal groß, mal klein. Es fehlt ihnen das edle Gleichmaß, welches wir vom Genfood unserer Discounter gewöhnt sind.

    Vor uns in der Schlange wartet bereits ein Dutzend Leute darauf, bedient zu werden. Der Händler arbeitet mit Ruhe. Die Sonne brütet an diesem Februarmorgen. Die älteren Wartenden hocken sich auf die schattigen Plätze am Rand. Nach einer Stunde muß ich passen. Ich eile zur Buchmesse, die Pflicht ruft, die Kollegen warten.

    Während mich der 58er Bus durchschaukelt, ersteht Mónica je zwei Pfund Reis, Bohnen, Mohrrüben, Tomaten, Paprika und Zwiebeln, dazu einen riesigen Salatkopf, ein paar Knoblauchzehen sowie Honig, abgefüllt in einer Flasche mit Rum-Etikett. Und, nicht zu vergessen, mindestens drei Pfund der seltenen Fruchtbananen. Die Preise liegen etwa wieder auf dem Niveau von vor den Wirbelstürmen. Für ihren großen Einkauf zahlt sie 80 alte Pesos, das entspricht etwa vier Dollar – oder einem Fünftel des monatlichen Durchschnittseinkommens in Kuba.

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    Aktiv für die Älteren

    Berthold Wahlich

    Das Alter kann einsam machen. Dieses Problem stellt sich auch in Kuba. An unserem Stand lerne ich drei Lehrerinnen kennen, die sich in einer Initiative engagieren, die Aktivitäten für Ältere in Stadtvierteln als Nachbarschaftshilfe organisiert. Zum Beispiel wird - nach chinesischem Vorbild - am Morgen Gymnastik mit Musik im Park getrieben. Es gibt kulturelle Angebote wie Tanzabende, Theaterbesuche und vielfältige geistige Aktivitäten, um Alterskrankheiten wie Alzheimer vorzubeugen. Diese Möglichkeiten sind sehr gefragt, zwischen den alten Menschen entstehen Kontakte, Freundschaften und sogar Heiraten werden geschlossen. Ihre Initiative gehe auf eine Anregung von Revolutionsführer Fidel zurück, betonen die drei.
     

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    Blattmacher unter sich

    Peter Steiniger
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    Dietmar Koschmieder im Gespräch mit Luis Luque

    Dienstag nachmittag. In der Redaktion von Juventud Rebelde, der Zeitung des kubanischen Jugendverbandes, empfängt uns Luis Luque Álvarez, der dort für das außenpolitische Ressort zuständig ist. Das Redaktionsgebäude am Platz der Revolution hat den Charme vom Franz-Mehring-Platz 1, dem Sitz des ND, aus früheren Tagen. Die Revolution ist unbesiegbar, denn es gibt Kopien davon. Wir erörtern Möglichkeiten für Austausch und Kooperation zwischen Juventud Rebelde und junge Welt.
    Die Zeitung hat eine Auflage von 200.000 Exemplaren je Erscheinungstag. Sie bietet ein breites Themenspektrum und bemüht sich darum, einen lebendigeren und investigativeren Journalismus zu entwickeln, erfahren wir. Auf der Messe werden gerade zwei von ihrem Verlag herausgegebene Bücher über »unbequemen« Journalismus vorgestellt. Das entspräche sicher nicht den Klischees von kubanischer Presse in unseren Medien, meint Luque.
    Um Devisen zu erwirtschaften, wird hier auch eine wöchentliche Wirtschaftszeitung produziert. Das ist clever, außerdem führen die Schwarzen ja gerade global vor, daß sie nicht mit Geld umgehen können. Vielleicht sollte die junge Welt das Konzept aufgreifen und die Financial Times oder das Handelsblatt übernehmen. Aber die schreiben ja sowieso nur Miese.
    Gedruckt wird zweifarbig auf DDR-Veteranen, an drei Standorten, um die ganze Insel abdecken zu können. Eigene Korrespondenten im Ausland kann sich das Blatt zur Zeit nicht leisten.
    Es gibt eine sehr professionelle Internetausgabe, in Auszügen auch auf Englisch.
    Kuriosität am Rande: Ihr bestgerankter Artikel trägt den Titel: Sexo anal: otro camino al placer. Politische Aufklärung ist eben nicht alles.

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    Schon wieder: Zwei neue Leserinnen

    Peter Steiniger
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    Wißbegierig: Isis und Claudia

    Uns besuchen Claudia und Isis. Die beiden studieren an der Universität Havanna Kommunikation und Deutsch bzw. Französisch und Englisch. Neben der jW-Extraausgabe auf Spanisch und den thematischen Beilagen interessieren sie sich besonders für unsere Internetausgabe. Sie lassen sich genau zeigen, wie dieser Blog entsteht.
    Ihnen gefällt die Atmosphäre der »Feria« und sie nutzen gern die Möglichkeit, sich hier nach neu erschienen Büchern umzusehen. Vor allem nach Titeln, die für das Studium hilfreich sind.
    Ob wir auch jedes Jahr hierher kommen?, möchten die beiden wissen. Sie würden gern in Kontakt bleiben. Ein guter Grund mehr, sich das vorzunehmen.

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    Fotostrecke: Cuba-Chile

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    Die Republik Chile ist Ehrengastland der diesjährigen Buchmesse Havanna. Zahlreiche Verlage, Künstler und Autoren aus dem Andenland sind präsent. Besonders wird an die solidarische Verbundenheit mit dem Chile Allendes und der Unidad Popular erinnert. Doch sehen Sie selbst.

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    Fotostrecke: Winterliches

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    Havanna ist eine Stadt der Gegensätze und der Überraschungen. Prächtige Kolonialpaläste, »realsozialistische« Moderne, Aufbau und Verfall liegen dicht beieinander. Neue Geschäfte und alte Parolen, amerikanische Straßenkreuzer und chinesische Busse. Doch sehen Sie selbst.

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    Fotostrecke: Stand-Punkte

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    An unserem Buchmesse-Stand präsentieren wir Bücher beteiligter Verlage, führen Gespräche mit Messebesuchern und schließen Kontakte, verteilen die spanisch-sprachige Sonderausgabe von junge Welt. In einer Nische hinter den Stellwänden entsteht dieser Blog. Doch sehen Sie selbst.

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    Der IM, der aus der Kälte kam

    Peter Steiniger
    Kockisch
    Cooles Shirt: Uwe Kockisch als Lokalreporter Thomas Raschke

    Am Sonntag abend wird in Havanna Westfernsehen geguckt. Wir präsentieren auf der Buchmesse die ZDF-Produktion »Die Nachrichten«. Ein (brillanter) Mainstreamfilm, der einen etwas anderen Blick auf den innerdeutschen Crash der Kulturen und die Stasihysterie in den neunziger Jahren wirft. Für seine Premiere in Kuba haben wir den Streifen aus dem Jahr 2006 mit spanischen Untertiteln versehen lassen.

    Die Klimaanlage in Saal »Carlos J. Finlay« fährt Vollast. Während draußen die Sonne ihre warmen Strahlen zur Erde hernieder sendet, bilden sich hier drinnen Eisblumen an der Projektorlampe. Wir schlagen die Kragen an unseren kurzärmligen Hemdchen hoch, die Zähne klappern, im Hals macht sich ein Kratzen bemerkbar. Wer jetzt einschläft, wird sterben. Gut, daß wir nicht den »Schwarzen Kanal« mitgebracht haben. Denkbar wär´s ja.

    Der Film basiert auf dem gleichnamigen Buch von Alexander Osang, welches wir hier auf der Messe ebenfalls präsentieren. Im Mittelpunkt der Handlung steht der aus dem Osten stammende (ARD-)Nachrichtensprecher Jan Landers (Jan-Josef Liefers).

    Bei Premieren geht bekanntlich immer etwas schief. Ein Absturz des Laptops, in dem sich die Scheibe dreht, reißt uns aus der Starre. Windows Vista - danke, Bill. Während wir das Publikum trösten und die Recheneinheit neu starten, regelt der Raumtechniker den Windmacher auf gemäßigte Breiten herunter. Jetzt kann´s weitergehen mit großem Kino.

    Landers gerät in den Verdacht, Stasi-IM gewesen zu sein und verschwindet vom Bildschirm. Dabei hatte er sich doch so schön an die Hamburger Medienschickeria angepaßt ... Eine SPIEGEL-Tante und ein Neubrandenburger Lokalreporter jagen der vermeintlichen Story nach. Diesen Raschke, einen »ewigen Verlierer«, der gegen den provinzellen Mief antrinkt und seine Chance, ihm zu entkommen, zuverlässig verpasst, stellt Uwe Kockisch dar.

    Im wirklichen Leben hat der Schauspieler Kockisch auch etwas verpasst, darunter diesen Abend. Denn seine geplante Reise nach Kuba und zur Buchmesse mußte er kurzfristig absagen. Der Produktionsstart für einen neuen Film, für den er derzeit in Köln vor den Kameras steht, kam ihm in die Quere. Von dort sandte er einen Brief, in dem er sagt, warum für ihn die »Die Nachrichten« so gut sind: »Dieser Film versucht, die Gebundenheit von Menschen an Milieus und Zeitumstände, differenziert und ironisch, aber ohne Lächerlichkeit, sichtbar zu machen. Dialektik statt Klischees. Das ist leider keine Selbstverständlichkeit. Doch die Nachfrage danach wird wieder wachsen, da bin ich mir sicher. Nach Film, der Kunst statt ausschließlich Kommerz ist.«

    Kockisch verspricht, seinen ersten Besuch in Kuba sobald wie möglich nachzuholen, um sich eine eigene Anschauung von den »guten und den schweren Seiten des Lebens« in diesem »außergewöhnlichen Land« zu machen, Kolleginnen und Kollegen vom Film zu treffen.

    Sie müssen Uwe Kockisch dann nicht unbedingt hinterher reisen. Im Rahmen einer DEFA-Filmreihe in der jW-Ladengalerie wird er auch in Berlin zum Gespräch stehen. Voraussichtlicher Termin ist der 7. April.


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    Fotostrecke: Lese-Lust

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    Die Buchmesse Havanna ist ein Ort der Begegnung mit dem Buch für alle Generationen. Sie ist ein Ausflugsort für Familien oder Paare und nicht zuletzt ein großes Kinderfest. Doch sehen Sie selbst.

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    Projekt »Akkordeon«

    Katja Zöllig
    Musizieren am Malecón
    Musizieren am Malecón

    Den Weg von der Feria ins Hotel bewältigten wir schon routiniert mit dem Bus (die Fahrt kostet 40 Centavos), da wir inzwischen über ausreichend Klimpergeld verfügen. Dabei hatten wir uns geeinigt, uns mit einer Buttel Rum, Cola und bewaffnet mit Gläsern aus den Hotelzimmer-Kühlschränken zur Malecón-Promenade aufzumachen und die Gesellschaft der Habaneros zu suchen.

    Wir mußten eine ganze Strecke gehen, um eine ausreichend große Lücke zwischen den Pärchen und Familien zu finden, um uns auf der Kaimauer niederzulassen. Der Abend war mild, das Meer plätscherte ruhig dahin. Als wir uns die zweite Runde Cuba libre gaben, blieben zwei vorübergehende Musikanten der älteren Garde vor uns stehen. Ein feucht-fröhliches Hola Companeros schallte Ihnen entgegen. Sie legten los, mit Akkordeon, Gitarre und zwei kräftigen Stimmen ihr Touristenprogramm abzuspulen.

    »Guantanamera«"" – das kennt jeder, Text ist Glückssache - wir hatten diesen auch nicht drauf. Den Refrain trällerten wir mit. Ich erlaubte  mir, die Strophen mit einer Begleitstimme zu ergänzen, was unsere Musikern sichtlich aufhorchen ließ. Bei einem anschließenden flotten kubanischen Tanzrhythmus, irgend etwas Rumbaartiges, hielt es uns zwei tanzfreudige Katjas nicht mehr auf dem Hosenboden. Wir legten die flotteste Sohle auf's Straßenpflaster. Die Musikanten hatten ihren Spaß, die Kubaner rundherum zeigten sich fröhlich überrascht.

    Unsere Nichttänzer waren derweil nicht untätig und schenkten Cuba libre für die Künstler ein. Ein Glas reichten sie gleich weiter an eine freundliche ältere Dame, die wir bis dahin gar nicht wahrgenommen hatten. Als auch die Gage in ihre Hände wanderte, war klar: Sie ist die Kassencheffin der beiden Musiker.

    Was dem kleinen Umtrunk folgte, brauchten wir nicht mehr als Touriunterhaltung aufzufassen. Wer wir sind, wo wir herkommen, was wir hier machen, wurde schnell erklärt und es entspann sich ein Gespräch über das Akkordeon von Ruan. Es ist so alt wie die kubanische Revolution. Der Balg bestand fast nur aus Flickstellen. Dieses Akkordeon, Marke "Hohner" hatte seine beste Zeit also schon erlebt.

    Und dann passierte es, alles passte einfach zusammen. Der laue Abend, der Cuba libre, die Musik, die fröhliche Laune der Kubaner rundherum, in der wir schwelgten, die Herzlichkeit unserer beiden Musikanten. Sie sparten auch nicht mit Lob für unsere musikalische Begleitung zu »Guantanamera«. Spontan versprachen wir, uns um ein neues Akkordeon zu kümmern. Mit »Comandante Che Guevara« wurde die Sache feierlich bekräftigt.

    Vor unserer Abreise sind wir zum Essen mit den Musikern in ihrem Haus eingeladen. Mal sehen, ob es noch klappt. Auf jeden Fall ist hiermit das Soli-Projekt des Berliner Büros Buchmesse Havanna »Ein Akkordeon für Ruan« ins Leben gerufen. Wir bauen auf Eure Untersützung!

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    Zu Gast bei Freunden

    Katja Klüßendorf
    cuba si
    Die Milch macht´s: Sozialarbeiterin Yilianis und die Cuba-Sí-Aktivisten Rolf-Manfred Hasse und Tobi Thiele (v.r.n.l.)

    Der Ansturm am Wochenende hat uns ziemlich ausgepowert. Heute sieht´s etwas entspannter aus und ich kann mich vom Stand absetzen, um mal etwas Messeluft zu schnuppern.

    Ich flaniere durch die Hallen und Gänge, versorge mich mit dem guten Copellia-Eis und lande schließlich bei unseren befreundeten Landsleuten von Cuba Sí. Genauer gesagt, an deren Gemeinschaftsstand mit der kubanischen Tierzüchtervereinigung ACPA (Associación Cubana de Producción Animal). Bekanntlich ist Cuba Sí mit seinen Milchprojekten für Kubas Kinder seit Jahren hier aktiv.

    Nach ein bißchen Tratsch lenkt man mich weiter zum Fernando-Ortiz-Saal. Dietmar Schulz stellt dort ein Buch vor, bei dem es nicht um´s liebe Viehzeug, dafür aber um den Fortschritt auf dem Subkontinent geht. Herausgegeben hat er »Lateinamerika, eine neue Ära?« gemeinsam mit dem letzten richtigen DDR-Premier, Hans Modrow. Die beiden haben dort Aufsätze von Forschern, vor allem aus dem Umkreis der Linkspartei, zu den verschiedenen Ländern versammelt.

    Beleuchtet werden die sozialen Kämpfe und die Probleme mit der Macht. Dietmar erklärt, lebhaft und interessant. Die Linke in Deutschland müsse sich viel stärker damit auseinandersetzen, was aktuell in Lateinamerika vor sich geht. Er versäumt es nicht, seine Glückwünsche an Chávez in den Saal und die Welt zu tragen. Das Buch gibts übrigens im Dietz-Verlag oder besuchen Sie einfach mal den Stand von Cuba Si in Halle 3c.

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    Fotostrecke: Aus Topf und Pfanne

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    Das kulinarische Angebot auf der »Feria« ist in diesem Jahr deutlich größer und vielfältiger als in den Jahren zuvor. Besonders auffällig: Der größte Teil der Offerten ist gegen die normale Landeswährung, die »Moneda Nacional«, und nicht nur gegen Dollar-Pesos »CUC« erhältlich. Die Preise sind allerdings, gemessen an den Einkommen, auch ziemlich gepfeffert. Dennoch wird fleißig gezecht und gebechert. Doch sehen Sie selbst.

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    »Die Pyramide muß sich wieder drehen«

    Interview: Peter Steiniger
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    Ana Maria Galbán: Kuba öffnet sich zur Welt

    Über das Deutschstudium in Havanna, Lohn und Leistung sowie Gräten im Hals. Ein Gespräch mit Dr. Ana Maria Galbán Pozo, Dozentin für Deutsch als Fremdsprache an der Universität Havanna und Präsidentin des kubanischen Deutschlehrer- und Germanistenverbandes
    Wie attraktiv ist es heute für junge Kubanerinnen und Kubaner, die »schwere« deutsche Sprache an einer Hochschule zu studieren?

    Das Interesse an der germanistischen Fachrichtung ist groß und das hängt nicht zuletzt mit der stärkeren Öffnung unseres Landes zur Welt zusammen. Zum einen ist Lateinamerika unter voller Einbeziehung Kubas vereint wie nie zuvor, wir entwickeln unsere Beziehungen mit vielen weiteren Ländern. Ein wichtiger Faktor ist auch der zunehmende Tourismus. Unter den internationalen Gästen sind ja nicht wenige Deutsche. Etliche davon führt die Neugier, den »letzten Stützpunkt des Sozialismus« zu besichtigen, hierher.
    An unserem Fremdsprachlichen Institut lernen derzeit etwa 150 Studierende Deutsch als erste oder zweite Fremdsprache. Ich selbst unterrichte das 2. und 3. Studienjahr. Das Germanistikstudium, das auch eine Ausbildung als Dolmetscher und Übersetzer einschließt, dauert insgesamt sechs Jahre. Das ist eine relativ lange Zeit, aber damit können wir eine gute Ausbildung garantieren. Diese Qualifizierung bietet später auch gute Chancen im Beruf.

    Wie hat sich dieser Hochschulbereich in den letzten Jahren entwickelt?

    Ich habe selbst in Havanna studiert und bin Absolventin des 1984er Jahrgangs. Damals spielte der Austausch mit den anderen sozialistischen Ländern noch eine große Rolle. Wir hatten eine eigene »Vorbereitungsfakultät« mit einem einjährigen Sprachlehrgang für diejenigen, die in der DDR studieren oder promovieren wollten. Von September 1987 bis Februar 1988 war ich selbst zu einer Weiterbildung am Herder-Institut in Leipzig.
    In den 1990er Jahren verließen viele Lehrkräfte unser Institut, ließen uns im Stich. DDR-Leute, die mit Kubanern verheiratet waren, und bei uns an der Universität arbeiteten, gingen nach Deutschland. Sie dachten, dass nun auch Kuba »zusammenstürzt«. In den letzten Jahren hat sich die Situation des Lehrkörpers wieder deutlich stabilisiert. Etwa im Jahr 2000 trat die Wende ein.

    Können Hochschullehrer von ihren Gehältern den Lebensunterhalt bestreiten?

    Nein, von dem Einkommen allein läßt sich das Leben in Havanna nicht finanzieren. Das geht nur mit Nebentätigkeiten – wie Übersetzungen – Improvisation und Überlebenskunst. Auch wenn die Gehälter etwas angehoben wurden und vorhandene Qualifikationen endlich auch materiell anerkannt werden. Langsam tritt eine positive Veränderung ein, denn die »Pyramide« muss sich wieder drehen. Damit meinen wir in Kuba das in den 1990er Jahren durch die ökonomische Notlage auf den Kopf gestellte Verhältnis von Qualifikation und Einkommen.

    Welche Aufgaben hat der Deutschlehrer und Germanistenverband, deren Präsidentin Sie sind?

    In unserem Verband wirken etwa 150 Lehrer, Dolmetscher und Übersetzer, aber auch andere Leute mit, die eine besondere Beziehung zur deutschen Sprache pflegen. Wir organisieren Workshops, Lehrertreffen und Vorträge, arbeiten mit ähnlichen Vereinen in anderen Ländern, z. B. Brasilien oder Mexiko, zusammen. Wir entwickeln auch Kontakte zu Verlagen und anderen Einrichtungen, die uns bei der Beschaffung von dringend benötigten Unterrichtsmaterialien behilflich sind. Besonders schwierig ist es, an Lehrbücher für die höheren Sprachniveaus, z. B. für Deutsch als Fremdsprache, Niveau C, zu kommen.

    Zeichnete sich für Sie während ihres Aufenthaltes in der »späten« DDR deren nahendes Ende bereits ab?

    Nein, dass habe ich mir nicht vorstellen können. Allerdings hatte ich bereits 1984 mit einer Delegation des kommunistischen Jugendverband Kubas, UJC, die Sowjetunion bereist. Dort konnte man allerdings ahnen, daß es zuende geht.

    Warum ist Kuba nicht »eingestürzt« - liegt es eher an seiner Insellage oder der Verbundenheit der Menschen mit der Revolution?

    Der Grund dafür ist die Würde der Kubaner. Wir bleiben die Gräte im Hals des US-Imperialismus.


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    Handlanger

    Alles eine Frage des Standes

    Messeplatz Havanna
    Da geht´s lang
    Das Material trifft ein
    Tausende Zeitungen sollen verteilt werden
    Es geht so ...
    ... aber auch so
    Ja zum Fortschritt. Der ist mit Arbeit verbunden
    Immer bereit!
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    Handlanger

    Alles eine Frage des Standes

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