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Aus: Ausgabe vom 07.04.2026, Seite 1 / Ansichten

Überall Schloßallee

Mietenexplosion in Großstädten
Von Ralf Wurzbacher
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Eine Foderung, deren Umsetzung geringeren Lebenshaltungskosten zugute kommen würde

Von Caren Lay gibt es ein Buch. Es heißt »Wohnopoly«. Obwohl schon fast vier Jahre alt, ist es aktueller denn je. Dieser Tage hat die Abgeordnete der Fraktion Die Linke im Bundestag bei der Bundesregierung nachgefragt, wie teuer es sich in deutschen Metropolen wohnt. Die Antwort ist seit Ostermontag publik: Innerhalb von zehn Jahren haben die Angebotsmieten im Schnitt um 43 Prozent zugelegt. Spitze unter 14 Großstädten ist Berlin mit einem Plus von 69 Prozent. Die Kaltmieten schossen hier von 9,02 Euro pro Quadratmeter im Jahr 2016 auf zuletzt 15,25 Euro in die Höhe. Ach, du dickes Ei! Egal ob in Kreuzberg, Zehlendorf oder Marzahn – überall nur noch Schloßallee.

2015 trat die sogenannte Mietpreisbremse in Kraft. Sie hat praktisch nichts gebremst, am wenigsten die Renditen der Immobilienwirtschaft. 2025 schraubte zum Beispiel Vonovia die Mieten im Mittel um 4,1 Prozent hoch. Nach Lays Angaben spülte das den Aktionären des Konzerns pro Einheit allmonatlich 166 Euro in die Kasse. Millionen Menschen wohnen sich arm, damit sich ein paar wenige Profiteure bereichern. So wird es weitergehen. Die »Mietpreisbremse« wurde zuletzt bis 2029 verlängert, wogegen die »Spritpreisbremse« erst seit einer Woche wirkt. Mit jedem Tag beschert sie den Ölmultis einen neuen Rekord beim Abzocken. Früher hatten Lügen einen schlechten Ruf, heute macht man daraus schlechte Gesetze.

In München kostete der Quadratmeter im Vorjahr bei Neuvermietungen durchschnittlich 21,29 Euro, in Frankfurt am Main 16,58 Euro und in Stuttgart 16,06 Euro. Aber die Reichen erschließen sich neue Räume. Neuerdings wird verstärkt dort gentrifiziert, wo noch zu viele Gering- und Normalverdiener heimisch sind, etwa in Bremen, Duisburg oder Essen. Dort machten die Preise in einem Jahrzehnt Sprünge von jeweils über 40 Prozent, in Leipzig waren es 67 Prozent. Linke-Politikerin Lay pocht auf einen »bundesweiten Mietendeckel« sowie Maßnahmen gegen Mietwucher. Letzteres soll eine Regierungskommission erörtern, die aber nicht vor Jahresende liefern will. Bis dahin ist die Badstraße zwangsgeräumt.

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  • Leserbrief von Doris Prato (8. April 2026 um 14:52 Uhr)
    In der DDR zahlten wir in Berlin für eine 90 Quadratmeter große Vierzimmerwohnung mit Balkon, Bad und Einbauküche in einer WG mit einer Einlage von 2000 Mark mtl. 117 Mark Miete. Nach der Einführung der Währungsunion ab 1. Juli 1990 stieg sie auf 860 DM an. 1995 kündigten die privaten Vermieter eine »Modernisierung« an, die sich auf »Neugestaltung« des Balkons, neue Kacheln im Bad und neue Küchenmöbel erstreckte, und eine Mieterhöhung auf 1350 DM vorsah, was dann weit überschritten wurde, was wir nicht mehr erlebten, da wir 1996 ausziehen mussten, weil wir diese Mieten als Arbeitslose bzw. Frührentner nicht bezahlen konnten. Wir zogen auf ein Dorf, wo wir für eine Zweieinhalbzimmer-Dachgeschosswohnung ohne Balkon mit Dusche »nur« 800 DM bezahlten.
  • Leserbrief von Rudi Eifert aus Langenhagen (7. April 2026 um 11:50 Uhr)
    Nun, wer glaubt, Mietsteigerungen seien gottgegeben, braucht sich nur die Bilanzen der DAX-notierten und renditeorientierten Immobilienkonzerne anschauen, um zu sehen, was Sache ist. Dass die Politik eher nach dem Motto verfährt, alles den freien Kräften des Marktes zu überlassen, zeugt von einer beispiellosen Menschenverachtung für die Mieter, die ihre Miete nicht mehr bezahlen können. Nennen wir das Kind beim Namen: Die Politik reagiert so, wie sie es tut, weil sich die neoliberalen Parteien mit Spenden der Immobilienhaie in Millionenhöhe schmieren und beeinflussen lassen. Das einzige Land, das das Recht des Menschen auf bezahlbaren Wohnraum durchgesetzt und realisiert hat, war die DDR.

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