Blockade Kubas durchbrochen
Von Volker Hermsdorf
Unter Applaus hat am Dienstag (Ortszeit) das Flaggschiff der Solidaritätsflottille »Nuestra América« Havanna erreicht. Die »Granma 2.0« – ein Thunfischfänger, der in Anlehnung an die Yacht umbenannt wurde, mit der kubanische Revolutionäre 1956 von Mexiko aus zum Kampf gegen den Diktator Fulgencio Batista in See gestochen waren – legte nach viertägiger Fahrt am Kreuzfahrtterminal der kubanischen Hauptstadt an.
An Bord: 32 Vertreter aus elf Nationen und mehr als 30 Tonnen Hilfsgüter, die die Auswirkungen der totalen US-Ölblockade abfedern sollen. »Wir wissen, dass das, was wir mitbringen, nur ein Tropfen auf den heißen Stein ist«, sagte der brasilianische Aktivist Thiago de Ávila e Silva Oliveira bei der Ankunft. Zwei weitere Schiffe werden in den kommenden Tagen erwartet. Bereits seit dem 17. März waren im Rahmen der Solidaritätsinitiative Delegationen aus Europa, Lateinamerika und den USA mit Hilfsgütern per Flugzeug eingetroffen. Aktivisten aus 19 europäischen Ländern brachten wie auch die »Granma 2.0« medizinisches Material, Lebensmittel und Photovoltaikanlagen auf die Insel. Der »Nuestra América«-Konvoi, inspiriert von der »Global Sumud-Flottille« für Gaza, will die von Washington verhängte Ölblockade symbolisch durchbrechen.
Obwohl aus bisherigen Meldungen nicht eindeutig hervorgeht, ob und welche Hilfslieferungen die Insel bereits vor der Ankunft der »Granma 2.0« auf dem Seeweg erreicht hatten, gilt die Flottille als Erfolg, zumal weitere Schiffe unterwegs sind. Mexikos Präsidentin Claudia Sheinbaum bekräftigte am Dienstag anlässlich der Ankunft die Solidarität ihres Landes: »Niemand sollte über die Zukunft einer anderen Nation bestimmen, nur diese selbst.«
Während Havanna die Flottille als Beweis weltweiter Unterstützung begrüßt, wird eine weitere inhumane US-Aktion angeprangert. Außenminister Bruno Rodríguez warf Washington vor, mit »erbittertem Druck« und politischer Erpressung Länder Lateinamerikas und der Karibik zur Beendigung ihrer Zusammenarbeit mit Kubas medizinischen Brigaden zu drängen. Die Programme hätten über Jahrzehnte Millionen Menschen versorgt, insbesondere in armen und abgelegenen Regionen. Ein Abzug der Fachkräfte würde vor allem die verletzlichsten Bevölkerungsgruppen treffen, warnte Rodríguez. Zugleich wolle Washington Kuba eine weitere Einnahmequelle nehmen.
Wie dringend medizinische Unterstützung in vielen Ländern der Region benötigt wird, zeigt sich in Panama. Laut offiziellen Angaben sind dort derzeit Dutzende Stellen in öffentlichen Krankenhäusern unbesetzt, weil Fachärzte fehlen. Aus kubanischer Sicht ein weiteres Argument, dass internationale Zusammenarbeit im Gesundheitswesen nicht behindert, sondern gestärkt werden sollte.
Probeabo
Sie lügen wie gedruckt. wir drucken, wie Sie lügen.
Jetzt 2 Wochen gratis lesen – das Probeabo endet automatisch!
links & bündig gegen rechte Bünde
Jetzt den kostenlosen jW-Newsletter abonnieren – täglich das Beste aus der Tageszeitung junge Welt, direkt in Ihr Postfach. Ihre E-Mail-Adresse wird natürlich niemals an Dritte weitergegeben.
Regio:
Mehr aus: Ausland
-
Ohne Kommentar
vom 26.03.2026 -
Welche Veränderungen wären in der Polizei notwendig?
vom 26.03.2026 -
Russische Ölhäfen brennen
vom 26.03.2026 -
US-Spezialkräfte gen Nahost
vom 26.03.2026 -
Schulterschluss mit der EU
vom 26.03.2026 -
Frederiksen wird abgestraft
vom 26.03.2026 -
»Dieser Krieg ist illegal, absurd und grausam«
vom 26.03.2026
