Stromausfall: Wegner erneut unter Druck
Berlin. Die Diskussion über sein Verhalten während des tagelangen Stromausfalls in Berlin war zuletzt abgeebbt, jetzt holt das Thema Berlins Regierenden Bürgermeister Kai Wegner wieder ein. Ein gutes halbes Jahr vor der Wahl zum Abgeordnetenhaus gerät der CDU-Politiker erneut unter Druck. Wieder geht es um seine Angaben zum 3. Januar, dem ersten Tag des tagelangen Blackouts Berliner Südwesten, bei dem bei kaltem Winterwetter zeitweise 100.000 Menschen ohne Strom und Heizung dastanden.
Wie der Tagesspiegel nun berichtet, legen Angaben der Senatskanzlei nahe, dass es am Vormittag jenes Tages zumindest noch keine Telefonate von Wegner mit dem Kanzleramt oder dem Bundesinnenministerium gegeben hat. Die Senatskanzlei hatte die Informationen zu den Telefonaten nach einem Eilantrag der Zeitung vor dem Berliner Verwaltungsgericht freigegeben.
Im Interview mit Welt TV hatte Wegner am 7. Januar gesagt: »Ich habe in der Tat um 8.08 Uhr begonnen, die Telefonate zu führen.« Er habe unter anderem mit verschiedenen Krisenstäben telefoniert. »Ich habe vor allem auch mit der Bundesregierung gesprochen, mit dem Bundeskanzleramt, mit dem Bundesinnenminister«, sagte Wegner. »Und ja, ich habe von 13 bis 14 Uhr Tennis gespielt, weil ich den Kopf freikriegen wollte«, so Wegner weiter. Zur aktuellen Berichterstattung sagte Wegner nun, die Interpretation der Zeitung entbehre jeder Grundlage. Er lasse rechtliche Schritte prüfen.
Ein Sprecher der Bundesregierung teilte auf dpa-Anfrage mit, es sei zutreffend, dass es am 3. Januar mehrere Gespräche Wegners mit Bundeskanzler Friedrich Merz und Kanzleramtsminister Thorsten Frei (beide CDU) gegeben habe. Dabei sei es um die mögliche Unterstützung des Landes Berlin durch Bundesbehörden zur Bewältigung der Folgen des Stromausfalls im Südwesten Berlins gegangen. Angaben zum genauen Zeitpunkt der Telefonate machte der Sprecher nicht.
Wegner stand bereits Anfang Januar in der Kritik - zunächst, weil er sich nicht gleich am ersten Tag vor Ort im Bezirk Steglitz-Zehlendorf gezeigt hatte. Als der RBB öffentlich machte, dass Wegner am ersten Tag des Stromausfalls Tennis spielen war, das aber zunächst verschwiegen hatte, gab es einen Sturm der Entrüstung. (dpa/jW)
links & bündig gegen rechte Bünde
Jetzt den kostenlosen jW-Newsletter abonnieren – täglich das Beste aus der Tageszeitung junge Welt, direkt in Ihr Postfach. Ihre E-Mail-Adresse wird natürlich niemals an Dritte weitergegeben.
Mehr aus: Inland
-
Weshalb bleiben große Kundgebungen aus?
vom 18.03.2026 -
Aufruhr wegen Genozidkritik
vom 18.03.2026 -
»Wo ist Eva?«
vom 18.03.2026 -
Alle Energie für die KI
vom 18.03.2026 -
Kritik an maritimer Strategie der EU
vom 18.03.2026