Ein Gesicht Rojavas
Von Nick Brauns
Salih Muslim war eine prägende Gestalt der kurdischen Politik in Syrien. Am Mittwoch ist der 75jährige in einem Krankenhaus im nordirakischen Erbil an Nierenversagen verstorben. Er soll in seiner Heimatstadt Kobani im Norden Syriens beigesetzt werden.
Der 1951 in Kobani geborene Muslim hatte in Istanbul Chemietechnik studiert und war als Ingenieur tätig. Ende der 1990er Jahre zuerst in der bürgerlich-nationalistischen Demokratischen Partei Kurdistans-Syrien aktiv, gehörte er 2003 zu den Mitbegründern der an den föderalistisch-sozialistischen Vorstellungen Abdullah Öcalans orientierten Partei der Demokratischen Einheit (PYD). Mehrfach wurde Muslim in der Folge inhaftiert. Während des Bürgerkriegs ab 2013 wurde der PYD-Kovorsitzende zu einem der international bekanntesten Gesichter der unter Führung seiner Partei geschaffenen Autonomieregion Rojava.
Salih Muslim bleibt in Erinnerung als ein besonnener politischer Anführer, aber auch als ein warmherziger Mensch mit feinem Humor. Persönlich getroffen habe ich ihn unter anderem im Oktober 2013 in Rojava. Sein Sohn Şervan Muslim war gerade im Kampf gegen den die dschihadistische Al-Nusra-Front gefallen. Vor Muslims Büro in Amude hatte sich eine lange Schlange von Menschen gebildet, die kondolieren wollten. Kurdische Kämpferinnen hatten sich ebenso eingereiht wie arabische Scheichs und christliche Würdenträger. Angehörige des Bevölkerungsmosaiks, für dessen Einheit Muslim sich stark machte, waren in Trauer vereint. »Meine Kinder sind nicht besser als die Kinder der anderen Leute. Als ich meine Kinder in den Krieg schickte, habe ich damit gerechnet, dass so etwas passieren würde, deshalb weine ich nicht«, erklärte Muslim damals. Emir des Al-Qaida-Ablegers Al-Nusra war damals Abu Mohammed Al-Dscholani – der jetzige syrische Präsident Ahmed Al-Scharaa. Illusionen über dessen Regierung machte sich Muslim keine. »Die Bevölkerung muss wachsam bleiben«, mahnte er nach Abschluss eines Waffenstillstandes Ende Januar 2026.
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