Aus Leserbriefen an die Redaktion
Emanzipation I
Zu jW vom 7./8.3.: »›Die Geschlechterungleichheit wird im Kapitalismus immer bleiben‹«
Kris Adlitz sagt viel Richtiges und Bedenkenswertes. Aber dann schreibt er vom »marxistischen Feminismus«. Das ist ein Ausdruck wie »hölzernes Eisen«. Feminismus ist ein Konzept der bürgerlichen Frauenbewegung. Die marxistische Kategorie zum Thema ist »Emanzipation«. Emanzipation der Frauen (und aller anderen gesellschaftlichen Gruppen) eingeschlossen in die Emanzipation des Proletariats.
In philosophischer Hinsicht ist Feminismus ein reduktionistischer Ansatz; es werden gesellschaftliche Verhältnisse auf physiologische Unterschiede reduziert. Aber es gibt das Patriarchat mit allen seinen Folge- und Nebenerscheinungen nicht deshalb, weil es Frauen gibt, sondern deshalb, weil die gesellschaftlichen Verhältnisse so sind, wie sie nun mal sind. Um das Patriarchat als Unterdrückung der Frauen zu überwinden, greift das Konzept des Feminismus zu kurz; es setzt die Verhältnisse immer wieder voraus, die man überwinden will. Deshalb meint Kris Adlitz völlig richtig, dass die Geschlechterungleichheit im Kapitalismus immer bleiben wird.
Feminismus ist kein Konzept zur Überwindung des Kapitalismus, ergo auch letztlich kein Konzept zur Überwindung der Geschlechterungleichheit. In der löblichen Absicht, die Begriffe zur Analyse der derzeitigen Gesellschaft zu schärfen, sollte man die eigenen Denkwerkzeuge nutzen und nicht einfach bürgerliche Konzepte wie »Feminismus« importieren. Ein Aspekt der Schwäche der sozialistischen Bewegung derzeit ist auch ein Verfall der kategorialen Sitten.
Bernd Vogel, Leipzig
Emanzipation II
Zu jW vom 7./8.3.: »›Die Geschlechterungleichheit wird im Kapitalismus immer bleiben‹«
Am Frauentag ein Gespräch mit einem Mann zu bringen, der behauptet, es gäbe kein Patriarchat – really? Es gibt Leute, die jeden Tag versuchen, den Graben zwischen Frauen- und Arbeiter*innenbewegung zuzuschütten, damit wir eine vereinte revolutionäre Bewegung aufbauen können. Mit solchen Beiträgen arbeitet ihr als kommunistische Zeitung genau in die andere Richtung, in die Richtung der Spaltung. Welche Feministin, die den praktischen Kampf gegen das Patriarchat, Femizide, häusliche Gewalt und gegen Männerbünde führt, den Großteil der Reproduktionsarbeit erledigt und Angst haben muss, nachts auf die Straße zu gehen, soll das ernst nehmen?
Es gibt so viele verdienstvolle Feminist*innen, die jeden Tag für die Sache kämpfen und die ihr zum Thema Feminismus hättet befragen können. Kennt ihr Chirstina Clemm, Koschka Linkerhand oder Heide Lutosch nicht? Und ein paar Seiten weiter lasst ihr Melina Rauch sagen, dass trans Personen eigentlich nur homosexuell sind und sich irgendwie täuschen, wenn sie denken, sie wären trans? Wenn es im Kommunismus darum geht, dass alle nach ihren Bedürfnissen leben sollen, ist es unkommunistisch, sich so über Leute und ihre alltäglichen, leidvollen Erfahrungen zu stellen. Seien es Frauen oder trans Personen.
Johanna Schellhagen, per E-Mail
Kämpferisch
Zu jW vom 9.3.: »Internationaler Frauentag«
In Paris haben laut der Gewerkschaft CGT um die 130.000 Personen demonstriert. In der Tat war dies eine der größten Demonstrationen, die die Hauptstadt gesehen hat. Vom Stalingrad-Platz ging es über den Nordbahnhof (Gare du Nord) zum Platz der Republik (Place de la République). Der Demozug startete kurz nach 14 Uhr, wobei die letzten DemonstrantInnen erst gegen 16.30 Uhr (!) losmarschierten. Neben den Themen zu Frauenrechten, Gewalt gegen Frauen und Patriarchat stand die Demo auch unter dem Motto: Blockiert FaschistInnen, ZionistInnen und RassistInnen. Gegenüber früheren 8.-März-Demos fielen die Slogans, Sprechchöre und Gesänge um einiges kämpferischer aus.
Martin Mandl, Paris
Theorie angewendet
Zu jW vom 4.3.: »Zur Ware gemacht«
Marxistische Theorie schöpferisch auf aktuelle Probleme angewendet. Warum ist die so nützliche und notwendige Carearbeit unter Marktbedingungen wertlos und somit preislos, unbezahlt? Weil sie nicht für den Markt, die direkte marktwirtschaftliche Vermarktung erbracht wird. Dieses Problem, diesen Widerspruch kann man nicht innerhalb einer Marktwirtschaft überwinden, sondern nur mit Überwindung der Marktwirtschaft überwinden. Ich erwarte mit viel Spannung und Vorfreude die komplette Arbeit.
Roland Giese, Dresden
Schlecht für den Ruf
Zu jW vom 5.3.: »Absicherung der Zukunft«
Es ist richtig, sich nicht auf kurzfristige Reaktionen auf externe Schocks zu konzentrieren, sondern sein eigenes Entwicklungsmodell zu vervollkommnen und dauernd zu steuern, um souverän handeln zu können. China ist das einzige relevante Land, das auf Grund seiner Größe und seines Entwicklungsstandes dazu in der Lage ist. Auch wenn mit Venezuela und Iran zwei Partner verlorengehen könnten und die Substitution der Energieträger einigen Aufwand verursachen wird. Aber in Sachen Iran ist gar nichts klar, Israelis und die USA haben ihre Ziele nicht erreicht, und es sieht nicht so aus, dass sie dies noch könnten. Jeder kann diese unglaublich hasardeurhafte Aktion erkennen: ein wildes Herumschlagen, ohne wissen zu wollen, was danach sein könnte. Ganz Asien kann erkennen, was es wert ist, sich mit den USA einzulassen. Die Schutzversprechen können nicht eingehalten werden, Israel ist im Zweifel immer der wichtigste Bündnispartner. Niemand kann den USA mehr trauen und jeder kann sehen: Die militärischen Mittel der USA sind eng begrenzt.
André Möller, Berlin
Ganz Asien kann erkennen, was es wert ist, sich mit den USA einzulassen. Die Schutzversprechen können nicht eingehalten werden, Israel ist im Zweifel immer der wichtigste Bündnispartner.
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