Moderner Tanz für eine moderne Gesellschaft
Von Gisela Sonnenburg
Kaum ein Tänzer oder Choreograph liebte den Sozialismus so sehr wie er: Tom Schilling, langjähriger Künstlerischer Leiter und Chefchoreograph des Balletts an der Komischen Oper in Berlin, wirkte aus voller Überzeugung für die DDR. In Dessau erlernte der 1928 Geborene während der Naziherrschaft sowohl die Grundlagen des Balletts und des modernen Tanzes in der Theaterschule als auch das Handwerk des Drehers in einer Rüstungsfabrik. Aber schon kurz nach Kriegsende tanzte er als Solist in Leipzig. In Weimar begann Schillings Karriere als Choreograph, die ihn über Dresden nach Berlin führte. Sein Auftrag dort: Modernen Tanz für eine moderne Gesellschaft zu erschaffen. Mit Stücken wie »Abraxas«, »Undine« und den »Wahlverwandtschaften« wurde er weltbekannt. Bis 1993 wirkte Schilling in Berlin. Danach erlaubte er in der größer gewordenen BRD nur noch in Dresden eine Erstaufführung. Ansonsten beschied er, seine Kunst sei nur für den Sozialismus gemacht. Im Alter von 97 Jahren verstarb Tom Schilling bereits am 16. Januar 2026, wie erst jetzt bekannt wurde.
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