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Aus: Ausgabe vom 09.03.2026, Seite 6 / Ausland
Kuba

Kuba kämpft

Von Dieter Reinisch, Wien

Die Drohungen gegen Kuba nehmen stetig zu und haben ein neues Ausmaß erreicht. Das sagte der kubanische Botschafter in Österreich, Pablo Berti Oliva, am Freitag abend auf einem Themenabend zur aktuellen Situation in Kuba im Politischen Zentrum »Jura Soyfer« der Partei der Arbeit (PdA). Dabei platzte das Kellerlokal beinah aus allen Nähten.

Vor dem Hintergrund der verstärkten US-Blockade und Treibstoffknappheit hatte es nur einen Tag zuvor flächendeckende Stromausfälle auf der Insel gegeben. Am Sonnabend gab Havanna bekannt, dass ein thermoelektrisches Kraftwerk repariert worden sei. »Unsere Wirtschaft wird derzeit erstickt, um Unzufriedenheit in der Bevölkerung zu provozieren und dadurch die Revolution in die Knie zu zwingen«, kommentierte Oliva. Dies sei eine »kollektive Bestrafung« einer Nation, die kein Verbrechen begangen habe. Eine Vielzahl von Maßnahmen, die von »Kreativität und Sparsamkeit« gezeichnet seien, werde daher ergriffen, um »das Überleben der Nation zu sichern«, wie er berichtete: So wurden Homeoffice und Telearbeit ausgeweitet, um Benzin durch die Anreise zum Arbeitsplatz zu sparen. Lebensmittel würden vermehrt in den Regionen produziert, und die lokale Energiegewinnung wird auf Solar umgestellt.

Dadurch hoffe die Regierung, die für 2030 geplante Umstellung auf erneuerbare Energie rascher zu erreichen. Dabei wird die Insel von China unterstützt. Das Land hat zuletzt Photovoltaikanlagen geliefert, um Strom in kleinen Dörfern herzustellen und medizinische Geräte für kranke Kinder in ihren Wohnhäusern zu versorgen, wie Oliva betonte.

Die internationale Solidarität mit Kuba und der Bruch der UN-Charta durch die Blockade sind Punkte, die der kubanische Botschafter immer wieder unterstrich. Doch besonders seit dem Angriff auf Venezuela am 3. Januar sei die Hilfe von außen stark zurückgegangen. »Wir arbeiten mit freundlichen Ländern zusammen«, allerdings kämen Schiffe kaum durch. Drei Schiffe mit Lebensmitteln und humanitären Waren kamen zuletzt aus Mexiko an. Viel ist dies nicht, gestand Oliva selbst ein. Denn Kuba braucht Öl: »Mit Solarenergie allein kann unser Land nicht überleben. Wir brauchen Benzin für das Transportsystem«, das sei das Dilemma, in dem Kuba stecke. Derweil macht sich der Druck der USA auf andere Staaten der Region bemerkbar: Am Sonnabend beendete auch Jamaika seine Zusammenarbeit mit Kuba im medizinischen Bereich.

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