Gewerkschaft für Kampfjets
Von Hendrik Pachinger
Während in Europa erneut Milliarden Euro in Kriegsprojekte fließen, geraten soziale Fragen und zivile Zukunftsaufgaben immer weiter ins Hintertreffen. Das »Future Combat Air System« (FCAS), ein Kampfflugzeug der nächsten Generation, steht exemplarisch für diese Prioritätenverschiebung: ein prestigeträchtiges Vorhaben der Rüstungsindustrie, das enorme öffentliche Mittel bindet. Für Konzerne wie Airbus und MTU ist es ein entscheidender Baustein zur Sicherung ihrer kriegswirtschaftlichen Produktionslinien.
Für die Standorte München und Taufkirchen wird das Projekt deshalb nicht als sicherheitspolitische, sondern vor allem als industriepolitische Frage verhandelt – und genau hier setzt die IG Metall (IGM) Bayern an. Sie ruft für den heutigen Donnerstag zu einem Aktionstag auf, um Druck auf die Bundesregierung auszuüben und die Fortführung des milliardenschweren Rüstungsprogramms zu erzwingen. Während vielerorts gegen die geplante Wiedereinführung der Wehrpflicht protestiert wird, mobilisiert die Gewerkschaft Beschäftigte für ein Projekt, das die europäische Aufrüstung weiter vorantreibt und die Abhängigkeit von militärischer Fabrikation verfestigt.
Nach Angaben der FCAS-Entwickler soll der »Next Generation Fighter« ab 2040 im Inventar europäischer Staaten zu finden sein. Superlative dafür gibt es reichlich. FCAS sei »ein Meilenstein europäischer Verteidigungsindustrie«, »das Projekt werde die industrielle Autonomie und Souveränität der Branche auf das nächste Level bringen«, und laut dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron gebe es sogar »eine Verpflichtung zum Erfolg«. Ob dieser Erfolg tatsächlich eintreten wird, muss sich erst noch zeigen. Fest steht bereits eines: An der Entwicklung hängen reichlich Chancen auf Profit und Prestige, und gutbezahlte Arbeitsplätze könnten ebenfalls abfallen. Im Jahr 2023 schätzte das Magazin Flugrevue die Zahl der an der Entwicklung beteiligten Mitarbeiter auf etwa 2.500, davon allein 800 Ingenieure von Airbus. Doch nicht nur bei Airbus und dem Triebwerkshersteller MTU soll das Projekt für reichlich Einnahmen sorgen; beteiligt ist auch der französische Konzern Dassault. Allerdings sorgt die länderübergreifende Zusammenarbeit seit Jahren für Probleme und Verzögerungen.
Das Projekt war im Jahr 2017 von Deutschland, Frankreich und Spanien auf den Weg gebracht worden, und bereits 2026 oder 2027 sollte ein Prototyp fertiggestellt sein. Neuere Planungen gehen von mindestens 2029 aus, falls am Projekt überhaupt festgehalten wird. Dies ist derzeit alles andere als sicher. Ein Scheitern des Vorhabens hätte gravierende Folgen für europäische Waffenproduzenten, da diese bei der Entwicklung aktuell genutzter Kampfflugzeuge der 5. Generation nicht den Zuschlag erhalten haben. US-amerikanische und russische wie auch zunehmend chinesische Unternehmen haben Standards gesetzt, weshalb es nun die 6. Generation für EU-Europa richten soll. Dafür müssten deutsche und französische Politiker die Frage nach der Auftragsverteilung auf die einzelnen Firmen endgültig entscheiden, was derzeit jedoch nicht der Fall ist.
Darum sorgt sich auch die bayerische IGM – und organisiert besagten Aktionstag an den Standorten München und Taufkirchen. Das Motto: »FCAS – aber besser!« Ziel müsse sein, »das Projekt auf neue Füße zu stellen und Arbeitsplätze vor Ort zu sichern«. Hans Kompe, Leiter des Teams »IG Metall Airbus Defence and Space Taufkirchen«, verkündet deshalb: »Die Beschäftigten in der militärischen Luftfahrt warten seit einem Jahr auf Bewegung beim FCAS-Programm. Stillstand gefährdet Arbeitsplätze, Kompetenzen und am Ende auch Europas Sicherheit. Wir brauchen endlich Entscheidungen – und ein FCAS, das besser wird, weil Deutschland Verantwortung übernimmt.«
Folgerichtig sieht die IGM im CSU-Stammland die Schuld am Stillstand beim französischen Konzern Dassault und fordert nun die Entwicklung zweier Kampfflugzeuge. »Mit einem Flugzeug unter deutscher Federführung bringen wir dieses zentrale europäische Zukunftsprojekt wieder in die Spur und leisten damit einen echten Beitrag für Sicherheit und Souveränität.« Übersetzt heißt das: Die Metallergewerkschaft als Zahnrad im Getriebe der Kriegswirtschaft.
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