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23.02.2026, 19:21:30 / Ausland

Hilfe trotz Blockade

Kuba: Ein russischer Tanker ist auf dem Weg in die Karibik. Ob er die Blockade durchbrechen wird, ist unklar
Von Volker Hermsdorf
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Kubas Bevölkerung leidet zunehmend unter der mörderischen, von zahlreichen Regierungen und den Vereinten Nationen als völkerrechtswidrig verurteilten, totalen Energieblockade. Trumps Würgegriff bedroht die Versorgung von Krankenhauspatienten, an Schulen und Universitäten fällt Unterricht aus, der öffentliche Nahverkehr kommt zum Erliegen, Flughäfen sind geschlossen, Stromausfälle werden häufiger und selbst die Versorgung mit Nahrungsmitteln ist gefährdet. Wie keiner seiner Vorgänger versucht US-Präsident Donald Trump das erklärte Ziel der seit über 60 Jahren verhängten Blockade zu erreichen: In Kuba »Not, Elend und Verzweiflung« zu erzeugen, um das alternative Wirtschafts- und Gesellschaftsmodell zu beseitigen.

Doch während sich die zur Improvisation gezwungenen Kubaner nicht auf die Knie zwingen lassen, kommt immer mehr Hilfe aus allen Teilen der Welt. Mexiko, Chile, Spanien, Uruguay und andere Länder schicken humanitäre Unterstützung. Nach dem Vorbild der Gaza-Flottille sind Segelboote der »Nuestra América«-Flottille auf dem Weg nach Kuba. Wie die spanische Agentur EFE meldete, lief am Montag vergangener Woche der unter der Flagge von St. Vincent und den Grenadinen segelnde Tanker »Nicos I.V.« in den Hafen von Matanzas ein. Nach Angaben der Agentur war das einer griechischen Reederei gehörende 183 Meter lange Schiff mit einer Kapazität von über 300.00 Barrel teilweise mit Treibstoff beladen.

Während China, das selbst Erdöl importieren muss, zunächst 60.000 Tonnen Reis auf die Insel schickte, eine Soforthilfe in Höhe von 80 Millionen US-Dollar ankündigte und Solarpaneele zur Stromerzeugung liefert, hat Russland versprochen, Kuba auch mit Treibstoff zu helfen. Moskaus Außenminister Sergej Lawrow bekräftigte die »uneingeschränkte Unterstützung« für Havanna. Gemeinsam mit der Mehrheit der internationalen Gemeinschaft fordere Moskau Washington außerdem auf, »von den Plänen für eine Seeblockade der Insel der Freiheit Abstand zu nehmen«. Am vergangenen Mittwoch empfing Präsident Wladimir Putin dann den kubanischen Außenminister Bruno Rodríguez im Kreml. Die totale US-Energieblockade gegen Kuba sei »absolut inakzeptabel«, sagte er. »Wir befinden uns in einer besonderen Periode, mit neuen Sanktionen. Wir akzeptieren so etwas nicht«, fügte er hinzu und betonte: »Wir standen immer an der Seite Kubas in seinem Kampf um Unabhängigkeit, und für das Recht, seinen eigenen Entwicklungsweg zu gehen.« Bei Putins Gespräch mit Rodríguez war unter anderem auch der Chef des Energie- und Mineralölunternehmens Rosneft, Igor Setschin, anwesend.

Dieses Treffen habe eine besondere Bedeutung, angesichts der schwierigen Zeit, die Kuba, ein mit Russland eng befreundetes Land, durch die Verschärfung der US-Energieblockade derzeit durchmache, hatte Präsidialamtssprecher Dmitri Peskow am Vortag bereits angemerkt. Laut der Zeitung Iswestija bereitete Russland sich zu diesem Zeitpunkt bereits darauf vor, in naher Zukunft Rohöl- und Treibstoffladungen nach Kuba zu schicken, um die verheerenden Folgen der totalen US-Blockade abzumildern. Peskow wies zugleich darauf hin, dass Details »aus verständlichen Gründen« nicht öffentlich erörtert werden könnten. Moskau wolle zwar keine Eskalation mit Washington, doch der Handelsaustausch zwischen beiden Ländern bestehe faktisch ohnehin nicht mehr, fügte er hinzu.

Nur wenige Tage nach dem Treffen in Moskau meldete das New Yorker Nachrichtenportal Bloomberg am Wochenende, dass ein Tankschiff »mit mutmaßlich russischem Öl an Bord« auf dem Weg nach Kuba sei. Das Analyseunternehmen Kpler hatte auf Anfrage von Bloomberg mitgeteilt, das Schiff »Sea Horse« sei mit rund 200.000 Barrel Gasoil beladen, einem Treibstoff, der vor allem für Transport und Stromerzeugung genutzt wird. Der Tanker erhielt seine Ladung demnach per Schiff-zu-Schiff-Transfer vor der Küste Zyperns. Die Ankunft in Kuba wird Anfang März erwartet. Ob die »Sea Horse« die rechtswidrige US-Seeblockade in der Karibik durchbrechen kann, ist allerdings nicht sicher. Washington hat bislang bereits neun Schiffe in der Region aufgebracht und in Akten von Piraterie gekapert.

Die Bloomberg-Meldung sorgt indes international für Aufsehen. Wie die auf den Handel mit Kryptowährungen spezialisierte Plattform »Binance« erfahren haben will, soll Putin persönlich »Schritte angeordnet« haben, »um die US-Ölblockade gegen Kuba zu durchbrechen«. Jede Intervention oder Behinderung »könnte einen ernsthaften internationalen Konflikt auslösen«, warnt das Portal. Das mit russischem Treibstoff beladene Schiff auf dem Weg nach Kuba »stellt die von Donald Trump verhängten Sanktionen auf die Probe«, vermutet auch die Times Of India. Und das deutschsprachige Nachrichtenportal »t-Online.« kommentierte die entsprechende Meldung am Sonntag unter der Überschrift: »Jetzt provoziert Putin Trump vor seiner Haustür«. Die »Sea Horse«, heißt es im Text dann weiter, »könnte die Sanktionen, die Trump gegen Kuba erlassen hat, testen – und einen Konflikt nur wenige Hundert Kilometer von Trumps Residenz Mar-a-Lago hervorrufen«.

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