Krieg gegen Iran
Von Knut MellenthinTel Aviv und Washington haben am Wochenende einen erneuten Krieg gegen Iran begonnen. Schwere Explosionen erschütterten auch am Sonntag die Hauptstadt Teheran. Am Samstag trafen mutmaßlich israelische Raketen eine Mädchengrundschule in der südiranischen Stadt Minab. Bis Sonntag morgen stieg die Zahl der getöteten Schülerinnen auf mindestens 148, Dutzende weitere wurden nach Angaben örtlicher Behörden verletzt. Unter den Trümmern befanden sich immer noch Opfer; die Rettungsarbeiten wurden bis Sonntag abend fortgesetzt. Israel dementierte jegliche Verantwortung, die Schule liegt jedoch in der Nähe von Anlagen der Revolutionsgarden.
Die Angriffe Israels und der USA waren seit Wochen angedroht, geplant und vorbereitet worden. Seit der letzten Januarwoche hatten die US-Streitkräfte in der Region die größte Militärkonzentration seit dem Überfall auf Irak im März 2003 zusammengezogen. In seiner Kriegserklärung beschuldigte US-Präsident Donald Trump Samstag nacht US-amerikanischer Zeit die Islamische Republik, ihre während des Junikriegs 2025 weitgehend unbrauchbar gemachte Nuklearindustrie wiederaufbauen zu wollen. Die Revolutionsgarden rief er zur Kapitulation, »das große, stolze Volk Irans« zur Übernahme der Regierung auf. Einige Stunden später zeigte sich der US-Präsident bei einem Interview mit dem Sender CBS in veränderter Stimmung: Er glaube, dass es jetzt »vielleicht leichter« als noch am Tag zuvor sein werde, eine »diplomatische Lösung« und ein Abkommen mit Iran zu erreichen, »weil sie schlimme Prügel beziehen«. Noch am Samstag gab Großbritanniens Premier Keir Starmer bekannt, sich an einem »defensiven Militäreinsatz« im Nahen Osten beteiligen zu wollen.
Die gezielte Tötung von möglichst vielen Mitgliedern der militärischen und politischen Führung Irans war eines der zentralen Ziele der ersten Angriffswellen. Dabei starb am Samstag, wie offiziell bestätigt wurde, der »oberste Führer« Ali Khamenei. Am Sonntag teilten die israelischen Streitkräfte (IDF) mit, sie hätten bis dahin 40 hochrangige Militärkommandeure getötet, darunter Generalstabschef Abdolrahim Musawi, den Oberkommandierenden der Revolutionsgarden, Mohammad Pakpour, und Verteidigungsminister Aziz Nasirzadeh. Ilna bestätigte zudem die Tötung von Expräsident Mahmud Ahmadinedschad.
Nach Bekanntwerden des Todes von Khamenei gingen Tausende Iraner auf die Straßen, um zu trauern und gegen die Angriffe zu protestieren. Vereinzelt gab es auch Berichte über Freudenfeiern nach dem Tod der höchsten religiösen und staatlichen Autorität des Landes. Am Sonntag übernahm ein Übergangsführungsrat seine Rolle, wie Präsident Massud Peseschkian verlautbarte.
Irans Militär reagierte auf die Angriffe mit der Bekanntgabe der Schließung der Straße von Hormus sowie Vergeltungsschlägen gegen Stützpunkte der USA in Katar, Kuwait, den Vereinigten Arabischen Emiraten und Bahrain. Aus diesen Ländern sowie aus der saudi-arabischen Hauptstadt Riad wurden Explosionen gemeldet. Im Zentrum Tel Avivs griffen die Revolutionsgarden angeblich das Hauptquartier der IDF und das Verteidigungsministerium an. Von israelischer Seite wurden der Tod einer Frau, die Verletzung von 20 Bewohnern und die Beschädigung von 40 Gebäuden beim Einschlag einer iranischen Rakete in einen Wohnblock bekanntgegeben. Später wurde der Tod von neun Bewohnern in Bet Schemesch im Großraum Tel Aviv nach dem Einschlag mehrerer Raketen gemeldet. Am Sonntag meldeten die Revolutionsgarden zudem, sie hätten den US-Flugzeugträger »USS Abraham Lincoln« mit vier Raketen getroffen.
Probeabo
Sie lügen wie gedruckt. wir drucken, wie Sie lügen.
Jetzt 2 Wochen gratis lesen – das Probeabo endet automatisch!
links & bündig gegen rechte Bünde
Jetzt den kostenlosen jW-Newsletter abonnieren – täglich das Beste aus der Tageszeitung junge Welt, direkt in Ihr Postfach. Ihre E-Mail-Adresse wird natürlich niemals an Dritte weitergegeben.
-
Leserbrief von Wilfried Schubert aus Güstrow (2. März 2026 um 12:45 Uhr)Der brutale Angriffskrieg der USA und Israels gegen den Iran ist im dritten Tag. Mehr als 200 Tote, Bomben auf eine Mädchenschule und Chameneis getötet. 1.000 Ziele bombardiert. Eine Verurteilung des Angriffskrieges der USA und Israel durch die Bundesregierung gibt es nicht. Angeblich hat der Iran angegriffen. Kann man noch dreister lügen? Dieser Krieg zielt auf das reichlich vorhandene iranische Erdöl und der Iran soll die Kontrolle über die Straße von Hormus verlieren. Auch die Verhandlungen über Atomwaffen zwischen den USA und dem Iran standen kurz vor einem erfolgreichen Ende. Keine Rolle spielen die 80 bis 90 atomaren Sprengköpfe Israels.
-
Leserbrief von Onlineabonnent/in Andreas E. aus Schönefeld (2. März 2026 um 11:06 Uhr)Die USA dürfen wohl alles … Bei Russland spricht man von Krieg, hier von Militäroperation … Und es wird sich aufgeregt, wenn der Iran zurückschlägt. Das Völkerrecht wird durch die USA und ihre Vasallen zum wiederholten Male gebrochen und keine Regierung des Westens geht dagegen vor. Keine Sanktionen – nichts. Diese Doppelmoral ist einfach zum Schreien. Und was kommt jetzt auf die Menschen im Iran zu? Ein neuer Schah, Rezlah Palevi jr.? Und was bringt er mit neben seiner USA-Hörigkeit? Kommt der SAVAK wieder mit seinen mordenden Banden? Dann werden als Erstes alle eliminiert, die den Ajatollahs nahe standen, die Chamenei folgten. Genau wegen dem SAVAK haben die iranischen Menschen 1979 Pahlevi zum Teufel gejagt und haben Chomeini als obersten geistlichen Führer akzeptiert. Und was wirklich im Iran passierte in den letzten Monaten und Jahren, weiß niemand wirklich. Aber überprüft werden muss es – von unabhängiger Seite. Der angebliche Drang nach Atomwaffen durch den Iran wird als Vorwand heran gezogen. Aber dass die USA die Wahrheit sagen, darf bezweifelt werden. Immer wieder gab es solche Lügen über den Drang nach Atomwaffen, das Vorhandensein von Chemiewaffen, aus Inkubatoren gezerrte Babies … Lügen, Lügen, Lügen. Es wird einfach drauflos bombardiert: Schulen, Wohngebiete, Industrieanlagen, aber vor allem alles, was nach Atomanlagen aussieht. Doch was ist, wenn es den »entscheidenden« Treffer gibt? Ein ganzes Land radioaktiv verseucht! Nimmt die USA dann die ganzen Menschen auf? Oder Israel? Oder die Europäische Union? Dann sind die angeblich so leidenden Menschen im Iran mit großer Sicherheit nicht mehr von Interesse. Schamloser Westen!
-
Leserbrief von Istvan Hidy aus Stuttgart (2. März 2026 um 10:28 Uhr)Zunächst die nüchternen Fakten: Der Iran umfasst rund 1,65 Millionen Quadratkilometer und ist damit etwa 4,6-mal so groß wie Deutschland. Mit rund 92 Millionen Einwohnern (Stand 2025) verfügt das Land zudem über erhebliche militärische wie gesellschaftliche Ressourcen. Ein Angriff auf ein derart großes und geografisch entferntes Land wirkt strategisch wie politisch widersprüchlich. Die Vorstellung, ein Land dieser Dimension militärisch kontrollieren oder gar dauerhaft besetzen zu können, entbehrt realistischer Grundlage. Selbst wenn massive Zerstörungen durch Luftschläge möglich sind, ersetzen sie keine tragfähige politische Perspektive. Militärische Gewalt kann Infrastruktur vernichten – sie schafft jedoch weder Stabilität noch Legitimität. Stattdessen droht eine Eskalationsspirale mit unabsehbaren regionalen und globalen Folgen. Besonders verantwortungslos erscheint die Inkaufnahme möglicher Angriffe auf nukleare Anlagen. Schäden an solchen Einrichtungen bergen das reale Risiko radioaktiver Kontamination, mit langfristigen ökologischen, gesundheitlichen und wirtschaftlichen Konsequenzen. Ganze Regionen könnten auf Generationen hinaus unbewohnbar werden. Die Vernichtung der Nuklearanlagen mit Bomben wäre daher nicht nur militärisch fragwürdig, sondern politisch hochriskant und völkerrechtlich brisant. Er würde das Leid der Zivilbevölkerung vervielfachen, die Region destabilisieren und möglicherweise genau jene Bedrohungen verschärfen, die er angeblich beseitigen soll.
-
Leserbrief von Frank Lukaszewski aus Oberhausen (2. März 2026 um 09:52 Uhr)Das Völkerrecht starb mit diesem Angriffskrieg wohl endgültig, wenn es nicht schon längst tot war. Die offizielle BRD ist dahingehend bestenfalls still oder man begrüßt den Rechtsbruch. Wie immer in solchen Fällen, wenn jene USA ihre Spiele treiben. Scheinheiligkeit. Im Gegensatz zur »Militärischen Spezialoperation« der Russischen Föderation gegen die in Teilen gesichert faschistische Ukraine. Das ist etwas anderes. Es wird hysterisch reagiert und eine bisher ungekannte Aufrüstung auf den Weg gebracht. Hauptsache, man kann Russland als Hauptgegner des Völkerrechts diffamieren. Und die Handlungen des US-Regimes? Das internationale Recht wurde innerhalb nur eines Jahres unter dem narzistischen Machthaber Trump sowie seiner Clique wie oft gebrochen? Hörte man relevante Proteste während des ersten Iran-Krieges? Welche Einwände nach der terroristischen Entführung des Präsidenten Maduro wurden vernommen? Wer verweist auf den dauerhaften, verschärften US-Völkerrechtsbruch im Zuge bekannter, totaler Blockade des sozialistischen Kubas? Und aktuell? Völkerrecht? Lautes Schweigen in der BRD. Frei nach Erich Maria Remarque: Im Westen nichts Neues.
-
Leserbrief von Roland Weinert (1. März 2026 um 21:01 Uhr)Das Völkerrecht wie auch die UNO beiseiteschieben – wieder einmal. Die USA und Israel machen es vor – wieder einmal. Und Deutschland, das Land mit der überragenden moral-weltgeschichtlichen Verantwortung, schweigt zur Missachtung von Völkerrecht und UNO – wieder einmal. Die üblichen Claqueure stehen zu Diensten: Merz, Röttgen et al. aus dem Umfeld von Atlantik-Brücke e. V. Ach ja, ich vergaß ihn fast: Demokratie – Freiheit – Menschenrechte. Diesen Dreiklang ganz bestimmter Lesart können nur die USA »bringen« mit Schwert und Blut. Die Lesart der USA lehne ich kategorisch ab, weil es unterm Strich ausschließlich um Wirtschaftsinteressen der USA geht, nicht um Menschen. Das islamfaschistoide »Puppet Regime« in Teheran ist noch lange nicht verschwunden – leider! Das muss auch gesagt werden. Die Welt ist Zeuge, wo aktuell lokale Brände sind, welche von den USA samt ihrer weltweit über 800 Militärbasen gelegt wurden: Ukraine, Iran, Venezuela … Bald ist der asiatisch-pazifische Raum »fällig«.
-
Leserbrief von Onlineabonnent/in Heinrich H. aus Stadum (1. März 2026 um 19:05 Uhr)Ob die Enthauptungsschläge das bewirken, was ihre Macher sich erhoffen, ist fraglich. »das große, stolze Volk Irans« ist nämlich multiethnisch und alles andere, als homogen. Einen Trump muss nicht kümmern, was die Google-KI zur Bevölkerung des Iran weiß: »Der Iran ist ein klassischer Vielvölkerstaat mit einer sehr heterogenen Bevölkerungsstruktur. Während Persisch (Farsi) die offizielle Amtssprache ist und die persische Kultur dominiert, sind schätzungsweise 40 bis 50 % der Bevölkerung Angehörige ethnischer Minderheiten.« Diese heterogene Struktur ist in den vielen Jahren der Mullah-Herrschaft nicht überwunden worden. Die inzwischen gekillte iranische Machtelite war auch nicht blöd und hat für diesen Fall vorgesorgt, Stichwort »Azhi Dahaka«. Ich bin gespannt, was Donald morgen daherquatscht zum Thema »diplomatische Lösung«. Zerbombte Schulen und Kindergärten werden in der iranischen Bevölkerung sicher nicht für Begeisterung für ihn seinen neuen Schah sorgen.
-
Leserbrief von Raimon Brete aus Chemnitz (1. März 2026 um 18:29 Uhr)Der Nahe Osten steht in Flammen und Merz klatscht sinnbildlich Beifall. Verantwortungslose und rücksichtslose Politiker aus den USA und Israel bomben Iran in ein flammendes Inferno und schicken dutzende Schülerinnen und viele Menschen in den Tod. Damit provozieren sie ganz bewusst einen Flächenbrand im Nahen Osten und bringen die Welt an den Rand eines dritten Weltkrieges. Dabei haben sie Stunden vor dem Überfall noch davon geschwafelt, dass die Verhandlungen mit dem Iran fortgeführt werden, wohl wissend, dass sie schon monatelang am Plan für die Luftangriffe arbeiten. Jetzt haben sie gewissenlos und unbarmherzig zugeschlagen. Der US-Präsident ist außer Rand und Band in der Wahl der Mittel, wenn es um die Umsetzung der amerikanischen geopolitischen Ziele geht. Erst lässt er den Präsidenten Venezuelas gewaltsam aus dessen Land entführen und nun wird nicht nur die politische Spitze des Irans enthauptet, ohne Rücksicht auf die Bevölkerung. Der sogenannte Wertewesten hat sich demaskiert und übrig bleibt die Fratze imperialistischer Machtpolitik und deren menschenverachtenden Folgen. Das verabscheuungswürdige Handeln eines Trump und Netanjahu wird von deren EU-Claqueuren Merz, Macron und Starmer lautstark begleitet. Welch abgrundtiefe Verachtung sowie welch Hohn und Spott auf die universellen Menschenrechte und Achtung nationaler Souveränität und Integrität. Raimon Brete, Matthias Schwander und Dietmar Lehmann, Chemnitz